Provinzen wie Burgos oder Soria im Landesinneren Spaniens gehören nicht zu den einschlägigen Tourismus-Destinationen. Schon gar nicht im August, wenn es die Menschen an die Küsten zieht. Doch am Mittwoch dieser Woche kosten Unterkünfte im kastilischen Hinterland mehrere Hundert Euro pro Nacht. Sofern man dort überhaupt noch ein Zimmer findet, der 12. August war vielerorts schon vor Monaten ausgebucht.Der Grund ist einfach: Am Mittwochabend, kurz nach 20:30 Uhr, ist eine Sonnenfinsternis in Spanien zu sehen. Wer dieses Schauspiel maximal genießen will, als totale Sonnenfinsternis, muss in ein Gebiet fahren, das vom sogenannten Kernschatten bedeckt wird, zum Beispiel die entlegenen Landstriche Kastiliens – oder Mallorca, das ebenfalls auf dem Weg der Finsternis liegt, bei ähnlich schwieriger Hotelreservierungslage.Weil Spanierinnen und Spanier ebenso wie ausländische Besucher zu den besten Beobachtungspunkten reisen werden, befürchtet die nationale Verkehrsbehörde am Mittwoch bis zu 1,5 Millionen mehr Autofahrten als üblich – viele davon im nördlichen Hinterland der Iberischen Halbinsel.Die Sonne steht so tief, dass schon ein Baum das Erlebnis zerstören kann.Wegen des zu erwartenden Massenandrangs hat Spaniens Regierung vor mehr als einem Jahr bereits eine Kommission gegründet, an der 13 der 22 Ministerien beteiligt sind. Gut 350 Beobachtungspunkte werden nun behördlicherseits empfohlen – Orte im Kernschatten und mit freier Sicht nach Westen, denn die Sonne wird tief stehen, wenn der Mond sie verdunkelt. Schon ein Baum kann das Erlebnis zerstören.Um den erwarteten Verkehr zu bändigen, wurden 33 000 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten abgestellt. Der Andrang wäre im tourismuserfahrenen Spanien wohl noch zu regeln. Doch mehr noch als den Ansturm der Sonneninteressierten, fürchten die Behörden das Gegenteil: deren Abzug. Viele werden, ausgestattet mit Brotzeit und Kühlboxen, bereits tagsüber die vielversprechendsten Aussichtspunkte aufsuchen. Doch nachdem die gut 90 Sekunden dauernde totale Finsternis bestaunt ist, wird man womöglich feststellen: Es ist schon Abend, es wird bald dunkel, ab ins Hotel, oder ab nach Hause, wo auch immer das ist.Es könnte also sein, dass am Mittwochabend, kurz nach 20:30 Uhr, anderthalb Millionen Autos nahezu gleichzeitig angeworfen werden und zwischen Galicien und Valencia auf Landstraßen einbiegen. Die Verkehrsbehörde rechnet mit einem EVAAT, einem „Ereignis mit hoher Auswirkung auf den Verkehr“ und rät Autofahrern ausdrücklich, nach der Sonnenfinsternis noch eine Weile am Beobachtungsort zu verweilen.In Madrid wird die Sonne zu 99,97 Prozent vom Mond bedeckt sein.Zwar wird die Finsternis in fast allen Teilen Spaniens zu sehen sein, doch macht es einen Riesenunterschied, ob die Sonnenscheibe ganz oder nur teilweise bedeckt ist. In Madrid zum Beispiel wird eine zu 99,97 Prozent bedeckte Sonne zu erleben sein. Der restliche Bruchteil der Sonnenscheibe leuchtet jedoch immer noch Hunderte Male so hell wie der Vollmond und sollte nur mit Schutzbrille betrachtet werden. Eine vollständig bedeckte Sonne kann man hingegen mit bloßem Auge bewundern und dabei sogar die aus dem Rand züngelnden Protuberanzen sehen.Für all jene, die es in diesem Jahr weder nach Mallorca noch ins kastilische Hinterland schaffen, gibt es im kommenden Jahr eine zweite, sogar noch attraktivere Chance: Am 2. August 2027 wird sich die Sonne über Spanien erneut vollständig verdunkeln, diesmal über der andalusischen Provinz Cádiz – am Vormittag und mancherorts mehr als drei Minuten lang.
Sonnenfinsternis in Spanien: Regierung rechnet mit Chaos an den Beobachtungsorten
Am 12. August erleben Spanien und Mallorca eine totale Sonnenfinsternis mit hoher Besucherzahl. Behörden bereiten sich auf Verkehrsansturm vor. Beobachtungspunkte im Landesinneren sind stark gefragt.













