«Bei der Hitze sollte man nach 20 Minuten Pause machen»: Mit diesen 9 Tipps bleibt man im Büro konzentriertKeine Klimaanlage und trotzdem acht Stunden fokussiert arbeiten? Eine Zürcher Lerntherapeutin erklärt, wie das am besten geht.11.08.2026, 05.03 Uhr6 LeseminutenWolfram Kastl / DPAAngefangen, einen Satz zu schreiben, und dann entfällt einem plötzlich das nächste Wort? Die E-Mail, die eigentlich Routine ist, wird einfach nicht fertig? So geht es vielen Menschen, sobald es im Büro heisser ist als 25 Grad.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Tatsächlich nimmt die Hirnleistung ab, wenn die Temperaturen steigen: Jene Regionen des Gehirns, die für kognitive Fähigkeiten zuständig sind, funktionieren langsamer. Insbesondere analytische und mathematische Aufgaben fallen dann schwer. Doch steigen die Temperaturen, werden auch andere Arbeiten zur Herausforderung.Die Lerntherapeutin Esther Quetting.PDTrotzdem müssen die meisten selbst bei Hitze arbeiten. In Zürich kämpfen dabei besonders viele Menschen in Bürojobs um Konzentration: 86 Prozent aller Arbeitnehmer sind in Zürich im Dienstleistungssektor beschäftigt, 10 Prozent mehr als im Schweizer Durchschnitt. Fast eine Million Menschen sieht sich deshalb mit schwindender Konzentration im Büro konfrontiert.Dabei gibt es einige Strategien, um trotz der Hitze konzentriert zu bleiben – die helfen bei normalen Temperaturen zum Beispiel Menschen mit ADHS. Doch bei Hitze können alle von diesen Tipps profitieren. Was am meisten hilft, weiss die Lerntherapeutin Esther Quetting. Sie hat eine Praxis in Zürich und sagt: «Konzentration ist kein Zufall, sondern eine Fähigkeit, die man mit passenden Strategien steigern kann.»Tipp 1: Viel schlafen und Quark zum FrühstückKonzentration fängt nicht erst am Schreibtisch an. Das weiss jeder, der schon einmal mit Kopfschmerzen ins Büro kam. Dasselbe gilt für die grundsätzliche Leistungsfähigkeit des Gehirns: «Physische Faktoren beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit stark», sagt Quetting.Deshalb beginnt möglichst gute Konzentration schon in der Nacht vor der Arbeit. Genügend Schlaf kann die Konzentrationsfähigkeit deutlich steigern. Dasselbe gilt für die richtige Ernährung: Weil der Körper bei Hitze bereits sehr angestrengt damit beschäftigt ist, sich zu kühlen, ist leichte Kost wichtig. Braucht der Körper zu viel Energie für die Verdauung, bleibt wenig übrig für konzentriertes Arbeiten. Besonders zu empfehlen sind dabei leichte, proteinhaltige Lebensmittel – wie etwa Magerquark zum Frühstück oder Hummus zum Mittagessen.Tipp 2: Die richtige Umgebung und ZimmerpflanzenIst man ausgeschlafen im Büro angekommen, kann man auch dort einiges tun, um die Konzentration zu steigern. Esther Quetting empfiehlt, beim Schreibtisch anzufangen: «Ein aufgeräumter Schreibtisch kann die Konzentration deutlich steigern. Wenn die Energie fehlt, um Reize zu filtern, sollten daher möglichst wenig im Raum sein.» Liegen viele Dinge herum, sind wir schneller abgelenkt und brauchen mehr Energie, um unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Aufgabe zu lenken, die gerade vor uns liegt.Auch digitale Ablenkungen sollten vermindert werden: Notifications ausschalten, die Task-Leiste auf dem Desktop ausblenden und natürlich das Smartphone weglegen. «Blinkt das Handy ständig auf, unterbricht das jedes Mal den Fokus», sagt Quetting.Schliesslich empfiehlt Quetting, gerade in den Sommermonaten auf Zimmerpflanzen im Büro zu setzen. «Pflanzen verbessern die Luftfeuchtigkeit und spenden Sauerstoff, das hilft bei der Aufmerksamkeit.»Tipp 3: Eine Eieruhr stellenFür die erste Stunde des Tages gibt es unzählige Tipps: zuerst die kleinen Dinge erledigen oder zuerst die grossen; erst das Handy ausschalten, erst alle Anrufe abarbeiten. Ja, was denn jetzt? «Ob man zuerst die kleinen oder die grossen Dinge erledigen möchte, ist typabhängig», sagt Quetting.Wer die Energie dazu habe, sofort die ganz grossen Aufgaben zu erledigen, solle das tun. «Wem das schwerfällt, der sollte sich nicht dazu zwingen. Es ist völlig legitim, zuerst E-Mails beantworten und Anrufe retournieren zu wollen.» Einen Haken hat das aber: Wer zuerst Mails, Anrufe und kleinere Aufgaben erledigen will, sollte sich dafür ein Zeitlimit setzen, zum Beispiel mit einer Eieruhr. Sonst droht das ewige Verzetteln.Tipp 4: Die Das-will-ich-schaffen-ListeFehlt die Konzentration, muss man sie sich eben organisieren. Dazu helfen Produktivitätsstrategien – wie etwa die berühmte To-do-Liste. Doch die To-do-Liste, die war gestern. Heute ist die «To-want-Liste». Der Unterschied: Bei der Das-will-ich-schaffen-Liste hat man eine Liste all der Dinge, die wirklich an diesem Tag erledigt werden wollen – und nicht einfach alle Dinge, die irgendwann noch erledigt werden sollten. «So läuft man weniger Gefahr, Aufgaben einfach auf den nächsten Tag zu verschieben, weil gerade die Konzentration fehlt», sagt Quetting.Etwas auf den nächsten Tag zu schieben, ist besonders während Hitzewellen sowieso keine aussichtsreiche Strategie – schliesslich wird es morgen genauso heiss wie heute.Tipp 5: Inhaltsverzeichnisse schreibenDie Angst vor dem weissen Blatt, also Word-Dokument, sitzt bei manchen tief. Ist es dann auch noch heiss und fehlt die Konzentration, wird sie schnell schwer zu überwinden. Esther Quettings Tipp ist für diese Situation im ersten Moment wenig tröstlich: «Einfach mal anfangen.»Falle es schwer, gleich mit dem wichtigsten Teil der Aufgabe zu beginnen, könne man sich zunächst einen kleineren, einfacheren Teil aussuchen. «Muss man beispielsweise ein langes Konzept schreiben, kann man erst einmal das Inhaltsverzeichnis entwerfen», sagt Quetting.Entscheidet man sich doch, gleich mit dem Schreiben zu beginnen, empfiehlt sie, auch das in kleine Schritte zu unterteilen. Man könne sich zum Beispiel ein Zeitfenster von zehn Minuten festlegen und danach kurz innehalten. Der Clou: «Oft ist man nach diesen zehn Minuten genug im Fluss, dass daraus eine halbe Stunde wird – und schon hat man die anfängliche Angst überwunden.»Tipp 6: Einfach mal aufstehen (ja, zum Beispiel jetzt!)Sitzt man am Schreibtisch und die Konzentration schwindet plötzlich, der Kopf wird müde – dann muss man ihn aufwecken, und das ganz physisch. Quetting sagt: «Einmal kurz aufstehen, ein Glas Wasser holen, eine Treppe rauf- und runtergehen – das kann den Kreislauf ankurbeln und die Konzentration wieder ermöglichen.»Wer einen Stand-up-Desk hat, kann diesen beispielsweise einmal die Stunde nutzen, um eine Weile im Stehen zu arbeiten. Oder einen Spaziergang zu einem Kollegen, einer Kollegin machen, ein paar Worte wechseln – und dann, wieder fitter, weitermachen.Tipp 7: Deadlines erfindenWährend Hitzewellen geht vieles erst, wenn die Deadline näher rückt? Das kennen viele Menschen. Das Problem: Wer sich immer nur von Deadline zu Deadline rettet, arbeitet sehr unregelmässig und zum Teil unter grossem Druck. Ein Weg, das zu vermeiden, sind künstliche Deadlines: Daten, Zeiten, zu denen man sich quasi selber vorschreibt, dass eine Aufgabe dann fertig sein muss. Das kann die Konzentration bereits steigern, da eine Deadline das Gehirn aktivieren kann.Die Gefahr bei der Strategie: Weil man ja selbst weiss, dass die Deadline nur künstlich ist, weiss man auch, dass man sie verpassen darf. Dagegen hilft, sich die Konsequenzen dieser Entscheidung vor Augen zu führen, sagt Quetting. «Das kann man tun, indem man rückwärts plant.» Zum Beispiel: Wenn ich in zwei Wochen dieses Konzept abgeben muss, verpasse ich die endgültige Deadline, wenn ich die Zielgruppe nicht bis morgen Abend definiert habe. Dafür kann auch wieder die «Das-will-ich-heute-schaffen-Liste» zum Einsatz kommen.Tipp 8: Sich selbst zum Praktikanten machenIst eine Aufgabe sehr gross, braucht sie entsprechend mehr Konzentration. Schliesslich müssen viele Aspekte berücksichtigt werden, die Aufmerksamkeit lenkt sich nicht automatisch auf jene, die gerade am wichtigsten sind. Deshalb rät Quetting dazu, die Aufgabe so klar wie möglich zu definieren, um möglichst wenig Konzentration zu verlieren. «Ist die Erwartung klar, lässt sich eine Aufgabe leichter lösen.»Dazu solle man sich selbst anleiten, wie man das bei jemand anderem tun würde – etwa so, wie wenn man die Aufgabe einem Praktikanten erklären würde. Ist die grosse Aufgabe erst in kleine Schritte unterteilt, lässt sich auch die Konzentration auf die wichtigen Aspekte davon besser lenken und ist dementsprechend höher.Tipp 9: Wenn die Konzentration da ist – eine Pause einlegenHat man sich alle künstlichen Deadlines gesetzt, Aufgaben unterteilt, alle Inhaltsverzeichnisse geschrieben (und natürlich von Anfang an das Handy weggelegt), dann dürfte die Konzentration zumindest akzeptabel sein. In diesem Moment, sagt Quetting, solle man trotzdem aufmerksam bleiben: «Ist es heiss, ist die Konzentrationsspanne meist relativ kurz – wenn man sie überbeansprucht, erschöpft man schneller.»Deshalb ist es umso wichtiger, regelmässig Pause zu machen. «Bei grosser Hitze kann es sinnvoll sein, sich alle zwanzig Minuten kurz zu erholen, um die Konzentration länger aufrechtzuerhalten», sagt Quetting. In dieser Zeit kann man sich ja zum Beispiel ein Glas Wasser holen – oder auch gleich ein paar Eiswürfel.Passend zum Artikel
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