Erfolg oder Wahrhaftigkeit: Dave Eggers hat genug von Tech-Dystopien und legt nun mit „Contrapposto“ einen Künstlerroman vor.
Im Wechselspiel zwischen Stand- und Spielbein manifestiert sich das idealisierte Menschenbild der Antike, hier zu sehen in Zeichnungen von Franz Barwig dem Älteren (1922)
Franz Barwig the Elder/fine art images/heritage images
Besonders in der Kunst ist es wichtig, gut dazustehen. Schon Polyklet und die Bildhauer der Antike erkannten, dass eine Skulptur besonders dann lebensecht aussieht, wenn Hüft- und Schulterlinie leicht gegeneinander verschoben sind, wenn der Körper einem Schwung folgt, anstatt stillzustehen wie ein Ölgötze. Im Kontrapost, im Wechselspiel zwischen festem Stand- und freiem Spielbein, manifestiert sich das idealisierte Menschenbild der Antike, das, stets auf harmonischen Ausgleich bedacht, dennoch seine innere Gegensätzlichkeit freilegt, und so auf scheinbar beiläufige Weise den Menschen an sich.
In „Contrapposto“, dem neuen Roman von Dave Eggers, erzählt der US-amerikanische Autor von den Gegensätzlichkeiten des spätkapitalistischen Kunstmarktes, in dem sich die spekulativen Verwertungslogiken der Gegenwart und ihre zersetzenden Effekte auf seine Akteure besonders zu verdichten scheinen.








