Die von der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eingesetzte Rentenkommission hat insgesamt 33 Vorschläge gemacht, mit denen die staatliche Altersversorgung für die Zukunft abgesichert werden soll. Das Gesamtkonzept plant die Regierung aus CDU/CSU und SPD, eins zu eins umzusetzen. Eine Maßnahme davon wird besonders heftig diskutiert: Beschäftigte sollen nach 45 Versicherungsjahren nicht mehr abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können.Bei den Wählerinnen und Wählern kommt das nicht gut an, wie eine Umfrage zeigt. Im Streit um die „Rente mit 63“ sprach sich eine deutliche Mehrheit der Deutschen gegen eine Abschaffung aus. In der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa für die „Bild am Sonntag“ („BamS“) lehnen 68 Prozent der Bundesbürger das Aus der Regelung ab – nur 24 Prozent befürworten es. Acht Prozent machten keine Angabe.Die Insa-Umfrage zeigte zudem, dass die Frührentenregelung für viele auch persönlich relevant ist: 56 Prozent der Befragten gaben an, selbst von der „Rente mit 63“ Gebrauch machen zu wollen oder dies bereits getan zu haben. Für 32 Prozent traf dies nicht zu. Zwölf Prozent machten keine Angabe.Den Regierungsparteien ist es bisher nicht gelungen, die Bevölkerung oder zumindest ihre Wähler von der geplanten Rentenreform zu überzeugen.Hermann Binkert, Insa-ChefInzwischen können die meisten nach 45 Beitragsjahren erst mit rund 64,5 Jahren in Rente gehen. Das Renteneintrittsalter steigt schrittweise auf 65 Jahre. „Rente mit 63“ ist aber die umgangssprachliche Bezeichnung dafür. 77 Prozent sind mit Rentenpolitik insgesamt unzufrieden Das Thema hat neuen Streit ausgelöst. In den vergangenen Tagen hatten mehrere ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten, aber auch SPD-Politikerinnen und -Politiker aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands verlangt, an der „Rente mit 63“ festzuhalten. Ein Argument ist, dass besonders in Ostdeutschland viele Menschen im Alter ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.77 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Umfrage zufolge insgesamt unzufrieden mit der Rentenpolitik der Bundesregierung, lediglich 16 Prozent heißen sie gut, sieben Prozent machten keine Angabe.Mit Blick auf die aktuellen Umfragewerte, bei denen die AfD weiter deutlich vor der Union liegt und die SPD nach wie vor auf der Stelle tritt, sagte Insa-Chef Hermann Binkert dem Blatt: „Den Regierungsparteien ist es bisher nicht gelungen, die Bevölkerung oder zumindest ihre Wähler von der geplanten Rentenreform zu überzeugen. So bekommt man die dramatisch schlechte Stimmung nicht gedreht.“Gewerkschaftsvertreter forderten die Koalition auf, von ihrem Vorhaben bei der „Rente mit 63“ abzurücken. Verdi-Vorstandschef Frank Werneke sagte der „BamS“: „Erfreulicherweise erkennen immer mehr Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, dass der Vorschlag der Rentenkommission der Bundesregierung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, falsch ist.“ Die geplante Abschaffung missachte die Lebensleistung der betroffenen Menschen, sagte Werneke.Christiane Benner, Bundesvorsitzende der IG Metall, nannte die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren gerecht. Die Menschen, die das anzweifelten, könnten „gern mal am Hochofen, auf der Werft oder am Band beim Schichtarbeiter vorbeischauen. Danach verstehen sie es bestimmt auch.“DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte: „Menschen, die früh in die Ausbildung gegangen sind und nahezu ein halbes Jahrhundert gearbeitet haben, dürfen am Ende ihres Arbeitslebens nicht wie eine Zitrone ausgequetscht werden, sondern haben Anspruch auf eine gute Rente ohne Abschläge.“Nach den Worten von Robert Feiger, Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, hat sich jemand, der 45 Jahre malocht und Beiträge gezahlt hat, den abschlagsfreien Renteneintritt verdient. „Daran gibt es nichts zu rütteln.“ Unions-Mittelstandschefin Connemann pocht auf Aus für „Rente mit 63“ Unions-Mittelstandschefin Gitta Connemann (CDU) machte dagegen klar, dass die Union an dem Vorhaben festhalten wolle. „Das Rentenpaket ist kein Buffet. Man kann sich nicht nur nehmen, was einem schmeckt. Der Kompromiss ist hart erarbeitet worden. Wer ihn jetzt zerpflückt, bekommt am Ende gar keine Reform. Das schadet allen Generationen“, sagte sie dem Blatt.Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.