Der Kanzler schaltet sich ein – aber nur hinter den KulissenWenn ein Politiker seinen Urlaub unterbricht, dann hat das eine hohe Symbolkraft. Daheim ist etwas Dramatisches passiert, meine Anwesenheit ist absolut unerlässlich, keine Zeit für Erholung – das ist die Botschaft.
Kanzler Merz, Innenminister Dobrindt: »Neue Gefahrenqualität«
Als in dieser Woche auf dem Leipziger Flughafen eine mit einem Sprengsatz bestückte Drohne entdeckt wurde, reiste Innenminister Alexander Dobrindt umgehend aus Italien zum Tatort, sprach dort von einer »neuen Gefahrenqualität«, einem »hybriden Anschlagsszenario« und »fremden Mächten«, die womöglich dahintersteckten.Das wiederum klang so bedrohlich, dass man auf die Idee kommen könnte, dass eine noch höhere Instanz ihren Urlaub abbrechen müsste: der Kanzler. Bisher ist davon nicht die Rede – gut möglich, dass dies weniger mit Merz' fehlender Bereitschaft zu tun hat als mit politischem Kalkül: Zwar weiß jeder, dass wohl am ehesten Russland hinter der versuchten Attacke steckt. Dobrindt spricht den Verdacht aber nicht offen aus. Indem sich der Kanzler vorerst nur hinter den Kulissen einschaltet, vermeidet auch er die höchste Eskalationsstufe.
Gestern berief Merz aus dem Urlaub den erst im vergangenen Jahr gegründeten Nationalen Sicherheitsrat ein. Ein folgerichtiger Schritt, der im Stillen den Ernst der Lage demonstriert. Wichtiger als markige Worte sind konkrete Konsequenzen, um Drohnenanschläge künftig besser abwehren zu können.











