Regierungschef in der KriseDass ein Politiker beschädigt ist, erkennt man daran, dass er zur Zielscheibe bösen Spottes wird. Ein Bundeskanzler, der in den eigenen Reihen nicht mehr ernst genommen wird, sollte sich ernsthaft Sorgen machen.
Bundeskanzler Merz bei der Ernennung der neuen Minister in Berlin
Friedrich Merz ist das in dieser Woche passiert. In der CDU witzeln die Abgeordneten in Chatgruppen über den Bundeskanzler. Was nichts weniger zeigt als seinen rapiden Autoritätsverlust: »Selbst in den obersten Führungsgremien der CDU will kaum jemand darauf wetten, dass der Kanzler an Weihnachten noch im Amt sein könnte«, schreiben meine Kollegen Konstantin von Hammerstein und Christian Teevs. Sie haben rekonstruiert, wie die Partei an ihrem Kanzler verzweifelt, der sich selbst im Wege steht. Durch einen autoritären Führungsstil, der nicht mehr in die Zeit passt. Und eine Kommunikation, die diesen Namen kaum verdient.
Die Personalrochade im Kabinett, die ein Neuanfang hätte sein können, hat Merz verstolpert (mehr hier ). Die Ablösung von Verkehrsminister Patrick Schnieder geriet zum Desaster. Der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, der vor einem Jahr in einem Interview gesagt hatte, er wäre als Gesundheitsminister »wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen«, wurde gestern zum Gesundheitsminister ernannt. Parlamentarische Staatssekretäre beklagten sich über schlechten Stil bei ihrer Absetzung. Und im Kabinett hält sich ausgerechnet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, obwohl der Kanzler offenbar eher weniger von ihr hält.













