Rückhalt für Gianni Infantino! Das ist inzwischen schon eine Nachricht, nachdem der Präsident des Internationalen Fußballverbandes FIFA vor zehn Tagen noch als unantastbar in der Umlaufbahn zu kreisen schien – trotz seines absurd grotesken Verhaltens. Wer den Wert der Meldung aus Rabat messen will, sollte auf den Absender schauen. Sie stammt von der FIFA. Da schreibt also jemand über sich selbst in der Krise. Und stellt fest, sieh an, wie geschlossen die Führungsgruppe hinter ihrem Chef steht.Das mag nach der veröffentlichten, vernichtenden internen Kritik des FIFA-Generalsekretärs und anderer am Boss kurios erscheinen. Aber letztlich ist dieser Korpsgeist logisch. Keiner der Infantino-Bande dürfte das Spiel überleben, wenn der Schweizer fällt. Zu lange hat sie mitgemacht, gewusst, gedeckt, was Infantino trieb. Die Demonstration der Einheit wird den Präsidenten zwar etwas gekostet haben. Aber sie transportiert gleichzeitig eine für ihn wertvolle Botschaft im Namen der Kollegen: Ich bin noch da, die Schlacht hat erst begonnen.Der schmerzfreie Gianni InfantinoDas kann keine Überraschung sein. Typen wie Infantino geben nicht beim ersten Sturm auf. Schon gar nicht, wenn sie beim Gedanken an einen halbwegs freiwilligen Rückzug ihren ungebremsten Absturz in den Orkus antizipierten. Was hat er noch zu verlieren? Ruhm und Ehre sind längst verspielt. Gleichzeitig wirkt seine Schmerzfreiheit wie ein Panzer. Nichts scheint ihm zu peinlich, nichts heilig – abgesehen von Macht und Geld.Wer diesen Mann und seine ihm nun augenscheinlich doch loyal ergebenen Diener loswerden will, hat keine Zeit zu verlieren. Denn je länger Infantino im Spiel bleibt, desto größer wird seine Chance, die erste ernsthafte Attacke unter Führung der Europäischen Fußball-Union UEFA mit seinem Verteilungssystem abzuwehren.Dank der Rekordeinnahme in den vergangenen vier Jahren, einschließlich des Reibachs bei der jüngsten Weltmeisterschaft, ist die Kriegskasse gefüllt. Infantino wird, weil jeder der 211 Landesverbände eine einzige Wahlstimme besitzt, nüchtern kalkulieren, wen er mit dem Prinzip „Geben und Nehmen“ auf seine Seite ziehen müsste. Eine einzige Stimme zur Mehrheit reichte ihm, um sich als glänzender Sieger darzustellen.Die UEFA kann zwar zu Recht behaupten, über Europa hinaus schon Allianzen geschaffen zu haben, die Infantino, käme es zu einer Kampfabstimmung, gefährlich würden. Aber so, wie sie auf Überläufer setzt, böte sich auch dem FIFA-Präsidenten auf Dauer die Gelegenheit, als Weltreisender in eigener Sache im Revier der Europäer zu wildern. Es gibt auch auf dem alten Kontinent Verbände, die Geld brauchen, die dafür empfänglich sind, wenn sie nur lange genug bearbeitet werden.Gelänge es der Opposition also nicht bald, Infantino mit einem Punch aus dem Sattel zu kippen, etwa mit der Enthüllung eines weiteren inakzeptablen Verhaltens in Kombination mit erfolgreichen Misstrauensvoten im FIFA-Rat oder bei einem außerordentlichen Kongress, dann müsste sie ihn in seinem Spiel übertreffen.Naiv, wer glaubt, die Granden oder deren Vasallen in den Kontinentalverbänden seien dazu nicht in der Lage, ungeübt – und nicht schon dabei. Insofern lässt sich einer Verlängerung, bei allem Unglück für das schöne Spiel auf dem Rasen, einiges abgewinnen: Ein langer, blutiger Machtkampf böte nicht nur Unterhaltung, sondern auch den Einblick, wie kaputt manche Organisationen des Profifußballs über die FIFA hinaus sind.
Gianni Infantino: Die Schlacht des FIFA-Präsidenten hat erst begonnen
Wer Gianni Infantino und seine ihm offensichtlich doch loyal ergebenen Diener loswerden will, hat keine Zeit zu verlieren. Je länger der FIFA-Präsident im Spiel bleibt, desto größer wird seine Chance.











