Für mich gibt es kaum ein schlimmeres Schimpfwort als „Spießer“. Spießer sortieren ihre Gewürze alphabetisch, besitzen Ordner für Bedienungsanleitungen und organisieren ein verlängertes Wochenende für sich und ihre Excel-Tabelle. Spießer lieben Ordnung, Symmetrie und den Gedanken, dass das Leben dann am schönsten ist, wenn nichts anbrennt. Schlimmer als Spießer selbst sind eigentlich nur Menschen, die alles spießig finden. Beides sind wirklich gemeine Begriffe – und tun dem Spieß damit völlig unrecht. Denn die Menschheit verdankt den Spießen einige ihrer glücklichsten Momente.
Ein Grillspieß ist nämlich das genaue Gegenteil seines sprachlichen Vetters. Er ist anarchistisch. Auf ihm dürfen Zwiebeln über Aprikosen leben, Halloumi über Paprika, Champignons über Schweinebauch. Er kennt keine Etikette, sondern nur Hitze. Alles wird aufgespießt, zusammengesteckt und dem Feuer übergeben, wo es sogar ein bisschen anbrennen soll. Denn das lieben wir!
Eines der ältesten Werkzeuge der Menschheit
Vielleicht beginnt die Geschichte des Kochens sogar genau dort, bei den Spießen. Lange bevor Töpfe gegossen oder Pfannen geschmiedet wurden, steckten Menschen Fleischstücke auf einen Ast und hielten sie über die Glut. Wahrscheinlich waren das weniger kulinarische Raffinesse als die Vernunft und der Hunger. Aber aus spießiger Vernunft entsteht manchmal eben auch Kultur. Der Spieß gehört also zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit und hat erstaunlicherweise die Jahrtausende nahezu unverändert überlebt. Schon auf mittelalterlichen Wandmalereien und Kupferstichen drehen sich ganze Ochsen langsam über offenen Feuerstellen – dafür benötigt man wirklich Expertise und jahrelanges Know-how.








