Es gibt Sätze, die man in letzter Zeit immer häufiger hört. „Eigentlich esse ich kein Schweinefleisch“, lautet einer davon. Das klingt zunächst nach einer klaren kulinarischen Haltung. Nach bewusster Ernährung, nach Distanz zu Schnitzel, Nackensteak, Schweinebraten – und vor allem zu Massentierhaltung. Schaut man jedoch etwas genauer hin, ist die Sache erstaunlich kompliziert. Denn nicht selten sagen dieselben Menschen ganz selbstverständlich ja zur Salami auf der Pizza, zur Leberwurst auf dem Frühstücksbrot, zu Schinken zum Spargel oder zur Chorizo auf dem Tapas-Teller. Das Schwein verschwindet in Deutschland also zunehmend aus dem Bewusstsein, aber keineswegs vom Speiseplan.
Treuer Begleiter durch Krisen und Hungersnöte
Für mich ist das ein kulinarisches Paradox unserer Zeit. Das Tier selbst ist in Verruf geraten, seine Produkte dagegen bleiben beliebt wie eh und je. Dabei ist Schweinefleisch nach wie vor die mit Abstand wichtigste Fleischart hierzulande. Rund die Hälfte des gesamten Fleischverzehrs entfällt auf das Schwein – statistisch isst jeder Deutsche mehr als 28 Kilogramm pro Jahr. Das ist deutlich mehr als Rind oder Geflügel. Nun sinkt seit Jahren der Absatz klassischer Schweinebratenstücke, während verarbeitete Produkte wie Wurst, Schinken oder Salami weiterhin einen enormen Anteil am Konsum ausmachen. Wer behauptet, kein Schweinefleisch zu mögen, meint also häufig nicht das Schwein als solches. Gemeint sind vielmehr bestimmte Fleischstücke oder eine Vorstellung von Schweinefleisch, die irgendwo zwischen trockenem Kantinenschnitzel und zähem Grillsteak entstanden ist. Das Schwein selbst kann wenig dafür. Im Gegenteil.








