„Wat wolln die nur immer alle mit ihren Sparjel?“, fragte einst mein innerer Berliner. „Det Jestänge is teuer, schmeckt nach nüscht, und wenn de pinkelst, stinkts“, meckerte er. Doch er hat seine Meinung geändert oder ist heute einfach nur still. Denn kurz vor dem Ende der Spargelsaison am 24. Juni – dem Johannistag – kann ich’s zugeben: Ich habe in diesem Jahr mindestens einmal pro Woche für meine Frau und mich Spargel zubereitet. Und fand es lecker. Bin also auf den Geschmack gekommen. Ziemlich spät.

Neulich fragte jemand in dieser Zeitung, ob weißer Spargel zum „Boomer-Gemüse“ werde. Bei den über 55-Jährigen seien es nur 14 Prozent, die keinen Spargel mögen, bei den 18- bis 34-Jährigen aber jeder Vierte. Für Jüngere sei das das Zeug auch oft zu teuer.

Verbraucher

Gen Z kann mit den Stangen nichts anfangen: Wird Spargel zum Boomer-Gemüse?

Wenn wir schon bei Generationen sind: Meine Eltern mochten das phallusartige Gemüse nicht nur, sie schwärmten direkt davon: „Mmmh, echter, schöner, frischer Spargel!“ Das lag aber vor allem daran, dass es ihn im Osten Berlins so selten gab. Man verscherbelte ja alles gegen Devisen in den Westen. Wir aßen stattdessen „Proleten-Spargel“, wie Schwarzwurzeln genannt wurden.