Das Niedrigwasser auf dem Rhein beeinträchtigt zunehmend die deutsche Wirtschaft. Immer mehr Pegelstände erreichen historische Tiefstände, wodurch die Binnenschifffahrt auf Europas wichtigster Wasserstraße zunehmend lahmgelegt wird. Als Folge werden Lieferketten unterbrochen, was wiederum die Produktion ausbremsen kann.

Der Ökonom Simon Gerards Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) bezeichnet die Lage als „dramatisch“. Gerade in den am Rhein liegenden Bundesländern bezögen sehr viele Unternehmen ihre Güter, Rohstoffe und Vorprodukte über den Rhein. „Für ein Unternehmen wie BASF ist es lebensnotwendig, dass ein Rhein als Wasserstraße funktioniert, wenn es einen Großteil seiner Produkte hierüber abfertigt“, sagte Iglesias im ZDF-„Morgenmagazin“. Bei den Wasserstraßen habe man wie bei allen anderen Verkehrswegen in Deutschland auch das Problem, dass sie jahrzehntelang vernachlässigt wurden.

Die Folgen des Niedrigwassers könne man „wahrscheinlich bald auch an der Zapfsäule sehen“. Die Raffinerien entlang des Rheins erhielten derzeit weniger Mineralöl. Das müsse nun über Umwege kommen. „Das treibt natürlich die Preise“, so Iglesias.

Mehr Industrieaufträge, aber Produktionsausweitung schwierigAuch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, sieht in den niedrigen Pegelständen ein neues Konjunkturrisiko. Die Industrie habe genügend Bestellungen, um die Produktion in den kommenden Monaten hochzufahren, so Gitzel. „Wermutstropfen ist der niedrige Rheinpegel, der einer Ausweitung der Produktion im Wege stehen könnte.“ Die Einschränkungen für die Binnenschifffahrt erschwerten die Belieferung der Industrie mit Vorprodukten.