PfadnavigationHomePolitikDeutschlandDeutsche GewässerKrisentreffen zu Niedrigwasser – Bilger bringt Aussetzung des Sonntagsfahrverbots für Lkw ins SpielStand: 11:01 UhrLesedauer: 3 MinutenWegen anhaltender Trockenheit sinkt der Rheinpegel immer weiter. Die Schifffahrt ist mittlerweile massiv eingeschränkt, Frachter können nur einen Bruchteil der Ladung transportieren.Das extreme Niedrigwasser bringt die Industrie am Rhein in Bedrängnis. Verkehrsminister Steffen Bilger denkt nun über ein Aussetzen des Sonntagsfahrverbots für Lkw nach – und sagt: Es drohe die Gefahr von Versorgungsengpässen.Über den Umgang mit dem extremen Niedrigwasser des Rheins und anderer Wasserstraßen sprechen am heutigen Donnerstag in Bonn Wirtschaftsverbände mit dem neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Zu dem Treffen sind Vertreter von Industrie, Häfen und Binnenschifffahrt eingeladen. Sie wollen sich darüber austauschen, wie wirksam bisherige Maßnahmen waren und was aktuell getan werden kann.Auch das Bundesverkehrsministerium stellt fest: „Die anhaltende außergewöhnliche Niedrigwasserphase stellt das Binnenschifffahrtsgewerbe und die verladenden Industrieunternehmen vor erhebliche Herausforderungen.“ Die deutlichen Einschränkungen bei den Transportkapazitäten wirkten sich unmittelbar auf die Lieferketten und Produktionsprozesse aus.Wegen der niedrigen Wasserstände am Rhein und auf anderen Wasserstraßen können Transportschiffe nur noch sehr wenig Ladung aufnehmen, damit sie nicht auf Grund laufen. Sie müssen daher häufiger fahren, was Mehrkosten bedeutet.Wird das Sonntagsfahrverbot für Lkw gekippt?Zwar gebe es derzeit keine Versorgungsengpässe, sagte Bilger zu „Bild“. Aber: „Die Gefahr droht definitiv.“ Man sei zwar mittlerweile an Niedrigwassersituationen gewöhnt. „Aber jetzt kommt es zu einem sehr frühen Zeitpunkt, das ist schon besorgniserregend.“ Bei dem Treffen soll es auch um kurzfristige Notmaßnahmen gehen. „Wenn der Verkehr auf der Wasserstraße Rhein komplett zum Erliegen kommen sollte, dann müssen wir schauen, wie wir auf die Straße oder auf die Schiene ausweichen können.“ Eine Möglichkeit: Das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen könnte vorübergehend aufgehoben werden. „Das steht im Raum“, sagte Bilger weiter.Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte der Minister vor dem Treffen: Man wolle die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, „um unsere Wasserstraßen widerstandsfähiger gegen zunehmende extreme Niedrigwasserereignisse zu machen“.Folgen „wahrscheinlich bald auch an der Zapfsäule sehen“Der Ökonom Simon Gerards Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hält das Niedrigwasser am Rhein für die deutsche Wirtschaft für „dramatisch“. Gerade in den am Rhein liegenden Bundesländern bezögen sehr viele Unternehmen ihre Güter, Rohstoffe und Vorprodukte über den Rhein. „Für ein Unternehmen wie BASF ist es lebensnotwendig, dass ein Rhein als Wasserstraße funktioniert, wenn es um 40 Prozent seiner Produkte hierüber abfertigt“, sagte Iglesias im ZDF-„Morgenmagazin“.Lesen Sie auchDas Niedrigwasser zeige, „dass wir doch nicht so resilient sind, dass wir in Krisensituationen schneller auf andere Verkehrsträger zum Beispiel switchen könnten“. Bei den Wasserstraßen habe man wie bei allen anderen Verkehrswegen in Deutschland auch das Problem, dass sie jahrzehntelang vernachlässigt wurden. „Und die Wasserstraßen vielleicht noch ein Stück weit stärker als die Schiene und die Straße“, so der Wirtschaftsexperte.Kurzfristig könne man nicht sehr viel gegen die Folgen des Niedrigwassers tun. Man könne zwar Felsen, die im Weg stehen und jetzt aufgrund des niedrigen Wasserstandes für Engpässe sorgen, beseitigen, um die Schiffbarkeit zu verbessern. Für eine wirkliche Veränderung brauche es aber eine „Korridorsanierung“ des Rheins, ähnlich wie auch bei anderen Verkehrsträgern wie der Bahn. Aber: „Wir haben gerade auch in den Wasserstraßen das Problem, dass lange Genehmigungsverfahren und Prüfverfahren wirklich auch eine Modernisierung verhindern.“ Geplante Infrastrukturprojekte müssten viel schneller auf den Weg gebracht werden.Die Folgen des Niedrigwassers könne man „wahrscheinlich bald auch an der Zapfsäule sehen“. 2018 hätten eine langanhaltende Dürre und niedrige Wasserstände die Tankstellenpreise entlang des Rheins höher getrieben. „Die Raffinerien hier entlang des Rheins erhalten weniger Mineralöl. Das muss über Umwege kommen oder die Produktion muss sogar heruntergefahren werden. Und das treibt natürlich die Preise.“Ebenfalls am Donnerstag gibt es eine Video-Sonderkonferenz der Verkehrsminister. Vorab bekannt wurde eine Beschlussvorlage aus Nordrhein-Westfalen. Damit soll der Bund zu umfassenden Maßnahmen gegen Niedrigwasser aufgefordert werden, etwa zu einem Flottenförderprogramm für Schiffe, die für Niedrigwasser geeignet sind. Über die Beschlussvorlage hatte zuvor die „Rheinische Post“ berichtet.dpa/jm
Krisentreffen zu Niedrigwasser: Verkehrsminister Bilger bringt Aussetzung des Sonntagsfahrverbots für Lkw ins Spiel - WELT
Das extreme Niedrigwasser bringt die Industrie am Rhein in Bedrängnis. Verkehrsminister Steffen Bilger denkt nun über ein Aussetzen des Sonntagsfahrverbots für Lkw nach – und sagt: Es drohe die Gefahr von Versorgungsengpässen.











