PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolineWirtschaft (DPA)Niedrigwasser: Minister erwägt Aufhebung von Lkw-FahrverbotStand: 14:52 UhrLesedauer: 3 MinutenExtrem-Niedrigwasser: Könnte eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw helfen, Lieferketten aufrechtzuerhalten? Der Vorschlag des Bundesverkehrsministers sorgt für Diskussionen. Quelle: Oliver Berg/dpaDas Extrem-Niedrigwasser erschwert Gütertransport auf dem Rhein. Der neue Verkehrsminister schlägt deshalb vor, das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufzuheben. Den Vorschlag finden nicht alle gut.Was tun, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des extremen Niedrigwassers auf dem Rhein kurzfristig abzufedern? Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erwägt, das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen aufzuheben, um mehr Verkehr vom Fluss auf die Straße zu verlagern. «In der konkreten Situation, wenn es darum geht, auf die niedrige Wasserlage zu reagieren, dann steht im Raum, dass wir das Sonn- und Feiertagsverbot für Lkw aufheben», sagte Bilger der «Bild»-Zeitung.Sein Ministerium führe auch Gespräche mit der Bahn über zusätzliche Möglichkeiten, Transporte von der Wasserstraße auf die Schiene zu verlagern. Die Lage sei «wirklich herausfordernd», sagte der Minister. Derzeit gebe es zwar noch keine Versorgungsengpässe, die Gefahr drohe aber «definitiv».Logistik-Verband sieht Vorschlag skeptischDer Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) äußerte sich skeptisch zu dem Vorschlag. «Die Fahrer müssten dann stattdessen an anderen Tagen den Lkw stehen lassen, um die mit hohen Bußgeldern versehenen Vorgaben der Lenk- und Ruhezeitenverordnung einzuhalten», sagte Vorstandssprecher Dirk Engelhardt der «Rheinischen Post». Die verfügbare Lenkzeit werde dadurch nicht erhöht. «Sie stünde nur zu anderen Zeiten zur Verfügung», sagte Engelhardt. «Man könnte allenfalls zum Beispiel besonders wichtige Transporte vorziehen.»Der Grünen-Verkehrspolitiker Tarek Al-Wazir nannte eine kurzfristige Aussetzung des Fahrverbots «sinnvoll». In einer akuten Notlage müssten Bund, Länder, Häfen, Bahn und Wirtschaft gemeinsam dafür sorgen, «dass wichtige Lieferketten aufrechterhalten werden», sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses dem Nachrichtenportal «t-online». Das Fahrverbot sollte allerdings nur als «kurzfristige Notmaßnahme» ausgesetzt werden.Linke fürchtet Aushöhlung des SonntagsfahrverbotsDie Bundestagsfraktion der Linken kritisierte den Vorschlag. «Das Niedrigwasser ist nur der Vorwand, um das Sonntagsfahrverbot Stück für Stück auszuhöhlen», sagte der verkehrspolitische Fraktionssprecher, Jorrit Bosch, dem Portal «t-online». Güter, die wegen Niedrigwassers nicht per Schiff transportiert werden könnten, sollten auf die Schiene verlagert werden, nicht auf die Straße. «Ein einziges Schiff durch Dutzende Lkw zu ersetzen, bedeutet mehr Staus, mehr Lärm, mehr CO2 und zusätzliche Belastungen für Anwohner.»Über den Umgang mit dem extremen Niedrigwasser des Rheins und anderer Wasserstraßen spricht Bilger heute in Bonn mit Unternehmen, Verbänden und Behördenvertretern.Wirtschaftsforscher befürchtet weniger WachstumUnterdessen wiesen Ökonomen und Wirtschaftsverbände erneut auf mögliche negative Folgen des Niedrigwassers hin. Der Ökonom Simon Gerards Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) befürchtet wegen des Niedrigwassers einen Einbruch des Wirtschaftswachstums in Deutschland ähnlich wie im Dürrejahr 2018. Damals habe das Niedrigwasser die Wirtschaftsleistung um schätzungsweise 0,4 Prozent reduziert, sagte er der dpa unter Verweis auf eine Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). «Da der Pegelstand aktuell seit vergleichbarer Zeit unter der kritischen Marke liegt, gehen wir von einer ähnlichen Größenordnung aus.» Die Bundesbank rechnet derzeit für 2026 noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent für Deutschland.Chemische Industrie: Produktionskürzungen drohenDie deutsche Chemieindustrie warnte vor Produktionskürzungen. «Wenn Schiffe weniger laden können oder ganz ausfallen, steigen Kosten, Lieferketten geraten unter Druck und es kommt zu Produktionseinschränkungen», sagte Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI, der dpa.Die chemische Industrie transportiert Chemikalien in großem Stil übers Wasser - darunter Methanol oder Flüssiggase wie Butan, Propan und Ammoniak. BASF etwa transportiert 40 Prozent der Güter an seinem Stammwerk Ludwigshafen per Schiff und verlagert nun Güter teils auf Lkws und die Schiene.Minister: Keine Maßnahmen, die Umwelt schädigenBilger versicherte, er werde keine umweltschädigenden Maßnahmen gegen das Niedrigwasser am Rhein unterstützen. «Wir werden nichts machen, was die Umwelt schädigt», sagte Bilger dem Sender Phönix.Umweltverbände hatten zuvor gewarnt, dass Umbaumaßnahmen am Flussbett den Grundwasserspiegel absenken könnten. Mehr Wasser in die Mitte eines Flussbettes zu lenken, könne zudem das Ufer und den entsprechenden Lebensraum dort austrocknen, was die Erosionsgefahr erhöhe.dpa-infocom GmbH
Niedrigwasser: Minister erwägt Aufhebung von Lkw-Fahrverbot - WELT
Das Extrem-Niedrigwasser erschwert Gütertransport auf dem Rhein. Der neue Verkehrsminister schlägt deshalb vor, das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufzuheben. Den Vorschlag finden nicht alle gut.













