Illustration Olivia Fischer / NZZLegionellen leben in Wasserleitungen, Kühltürmen und Klimaanlagen. Sie nisten sich in der Lunge ein und können eine schwere Lungenentzündung auslösen. Was die Ursachen und Symptome sind, und warum die Zahl der Erkrankten in der Schweiz jedes Jahr zunimmt.Olivia Fischer06.08.2026, 12.00 Uhr4 LeseminutenDiesen Montag vermeldete der Kanton Basel-Stadt, dass über 20 Personen in der Region an Legionellose erkrankt seien, auch Legionärsfieber genannt. Viele der Betroffenen sind im Spital, eine Person ist bereits an der Krankheit gestorben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Ausbruch dieser Krankheit ist in der Schweiz eigentlich nichts Ungewöhnliches. Jedes Jahr werden 400 bis 600 Fälle vom Bundesamt für Gesundheit dokumentiert. Die Schweizer Spitäler haben die Pflicht, sämtliche Fälle zu melden.Was sind Legionellen?Legionellen sind kleine, stäbchenförmige Bakterien. Zurzeit kennt man 45 verschiedene Arten von Legionellen. In der Schweiz sind die Bakterien im Wasser weit verbreitet. Gefährlich wird dem Menschen in der Regel aber nur die Art Legionella pneumophila. Diese kann sich aber nur unter bestimmten Bedingungen vermehren, deshalb besteht in der Regel keine Gefahr, wenn man mit den Keimen in Kontakt kommt.Die optimale Lebensumgebung von Legionellen hat stehendes Wasser und eine Temperatur von 30 bis 45 Grad Celsius. Ist das Wasser unter 20 Grad kühl, haben die Bakterien Probleme, sich fortzupflanzen. Ist das Wasser über 60 Grad heiss, werden die Legionellen innert Minuten oder gar Sekunden getötet.Die heissen Sommer in der Schweiz bieten den Legionellen deshalb oft perfekte Bedingungen für eine Vermehrung. Das sieht man auch in den Daten. Die meisten Legionellen-Erkrankungen werden zwischen Mai und Oktober gemeldet.Besonders gerne verweilen die Bakterien an Orten mit stehendem warmem Wasser: zum Beispiel in Warmwasserheizungen, unbenutzten Leitungen, Boilern, öffentlichen Duschen, Pools oder Kühlanlagen.Wie steckt man sich mit Legionellen an?Legionellen verbreiten sich in den meisten Fällen durch fein zerstäubte, in der Luft schwebende Wasserteilchen. Diese kleinen Partikel werden Aerosole genannt. Die Aerosole werden unter anderem mit dem Wind durch die Luft getragen und können sich kilometerweit ausbreiten. Dadurch ist es wahrscheinlich auch möglich, dass sich Menschen in grösserer Entfernung vom eigentlichen Ausgangsherd anstecken. Mit einem Atemzug gelangen die Aerosole dann tief in die Lunge eines Menschen.Infektionsquellen sind meistens Objekte, die stehendes, warmes Wasser enthalten und in der Luft zerstäuben, wie zum Beispiel Luftbefeuchter, Klimaanlagen, Duschen, Whirlpools, Springbrunnen oder Kühltürme.Obwohl sich Legionellen im Wasser aufhalten, ist es meistens nicht das Konsumieren von Trinkwasser, was zu einer Erkrankung führt. Und auch von Mensch zu Mensch kann die Erkrankung nicht übertragen werden.Was sind die Symptome der Legionärskrankheit?Legionellen können zwei Krankheitsbilder auslösen: Zum einen das mildere Pontiac-Fieber. Dabei kommt es ein paar Stunden oder Tage nach der Ansteckung zu leichten, grippeähnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen und trockenem Husten. Diese verschwinden aber auch ohne Therapie wieder von alleine.Die andere Krankheit ist deutlich gefährlicher: Bei der Legionärskrankheit (Legionellen-Pneumonie) tritt in der Regel zwei bis zehn Tage nach der Infektion eine schwere Lungenentzündung auf. Diese kann tödlich enden.Meistens wird eine Legionärserkrankung mithilfe einer Urinprobe diagnostiziert. Behandeln kann man die Erkrankung mit Antibiotika, zuerst als Infusion in die Vene und später in Form von Tabletten.Wie tödlich ist eine Ansteckung mit der Legionärskrankheit?Obwohl Antibiotika vorhanden sind, ist ein fatales Ende der Erkrankung nicht ausgeschlossen. Laut dem Bundesamt für Gesundheit sterben in der Schweiz 5 bis 10 Prozent der Infizierten an der Erkrankung. Damit ist die Krankheit also um einiges tödlicher als die 2022 weit verbreitete Covid-Omikron-Variante oder die übliche Grippe.Im Gegensatz zu Covid und der Grippe kann die Legionärskrankheit nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Deshalb sind die Infektionszahlen auch weitaus geringer. Jährlich werden etwa 50 bis 60 Todesfälle gezählt. Die Gefahr für die Gesellschaft ist also nicht sehr gross.Welche Menschen sind besonders gefährdet?Grundsätzlich kann sich jede Person mit der Legionärskrankheit anstecken. Insbesondere anfällig sind aber Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben, Raucherinnen und Raucher oder Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden.Das bedeutet in der Praxis, dass sich insbesondere ältere Menschen anstecken. Aktuelle Daten aus der Schweiz und Liechtenstein zeigen klar: Die meisten Infizierten sind über 60 Jahre alt.Männer sind dabei viel stärker gefährdet, sie stecken sich fast doppelt so oft an wie Frauen. Im Jahr 2025 waren 66 Prozent der Erkrankten Männer, in den Jahren zuvor lag der Durchschnitt bei 68 Prozent.Die Zahl der dokumentierten Legionärskrankheiten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Woran liegt das?Seit 1988 werden in der Schweiz und Liechtenstein alle Krankheitsfälle erfasst. Die Daten zeigen: Fast jedes Jahr hat die Anzahl der Fälle zugenommen. Das könnte zum einen daran liegen, dass besser getestet und die Krankheit häufiger gemeldet wird.Expertinnen und Experten führen die Zunahme ausserdem auf die immer heisseren Sommer durch den Klimawandel zurück. Dadurch gibt es immer mehr Zeitfenster, in denen sich Legionellen schnell fortpflanzen können.Der Ausbruch in Basel mit über 20 Infektionen innerhalb von wenigen Wochen war aussergewöhnlich. In Zukunft dürften solche Ereignisse in der Schweiz aber zunehmen.Passend zum Artikel