Die Bilder aus Ceuta waren eindrucksvoll. Viel eindrucksvoller aber ist, dass Europa in mehr als zehn Jahren keine einzige sinnvolle Idee hatte, pragmatisch mit Migration umzugehen. Spanien hat es immerhin versucht und wird zur Zielscheibe.
Zigtausend Menschen, die teils mit Schwimmringen übers Meer kommen, die Felsen der spanischen Exklave erklimmen, Zäune überwinden und Straßen bevölkern. Die europäische Rechte dürfte da die eine oder andere Flasche Champagner geköpft haben, und die AfD feiert die Bilder von jungen Männern, die, so sagte Alice Weidel, dort "eingefallen" seien, "teils gewaltbereite und ungebildete Migranten", die selbstredend in der Folge "in unsere Sozialsysteme" einwandern werden.
Auch "Bild" meint das. 22 Stunden, schreibt das Blatt, bräuchten die Menschen von Ceuta nach Stuttgart – mit dem Auto. Mit dem Bus wären es locker 40 Stunden, wohlgemerkt vom spanischen Festland aus, nicht vom marokkanischen. Ganz schön viele Autos, ganz schön viele Busse, die da plötzlich imaginär unterwegs wären in die baden-württembergische Landeshauptstadt. Warum sie ausgerechnet nach Stuttgart reisen sollten – geschenkt.
War das nun ein gesteuerter "hybrider Angriff" auf Europa? Weil Marokko und Spanien im Clinch liegen? War's der Russe über TikTok-Bots? Oder waren es doch nur Schleuserbanden? Viel schlimmer ist der Gedanke, es könnte allmählich Usus werden, dass nicht nur geldgierige Kriminelle, sondern Staaten Menschen auf der Flucht, mit Familien, Zukunftswünschen und Träumen, als Druckmittel instrumentalisieren, um ihren Willen durchzusetzen oder Demokratien zu destabilisieren. Belarus schickt seit Jahren Geflüchtete über die Grenzen in die EU, karrte sie zeitweise massenhaft in Bussen an die Zäune. Völlig egal, was dann mit ihnen passiert. Auch die Türkei droht immer mal wieder damit, Millionen Syrer:innen in Marsch zu setzen.










