Taiwan übt den Widerstand gegen einen chinesischen AngriffMit dem Manöver «Han Kuang» probt Taiwan zehn Tage lang, wie es einen Angriff aus China überstehen könnte. Neu im Programm: eine Stärkung der zivilen Verteidigungsfähigkeit. Auch das Internet wird zeitweise verlangsamt.Martin Koelling, Tokio05.08.2026, 14.37 Uhr3 LeseminutenEine Schiessübung: In Taiwan hat die jährliche Han-Kuang-Übung begonnen. Erstmals dürfen dieses Jahr Journalisten dabei sein.RITCHIE B. TONGO / EPAAm Mittwoch hat Taiwan sein jährliches Militärmanöver begonnen, es soll das umfangreichste sein in der Landesgeschichte, wie es auch schon vergangenes Jahr hiess. Zehn Tage lang üben Zehntausende Soldaten, Reservisten und Zivilisten den Ernstfall eines chinesischen Angriffs. Bereits in der Nacht zuvor hatte das Militär die Bevölkerung martialisch eingestimmt: Leuchtspurmunition zog vor Schaulustigen gestrichelte Linien in den Himmel.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dieses Jahr ist die Übung «Han Kuang» realistischer als zuvor. Das Militär erprobt dabei nicht nur neue Waffensysteme, um eine Blockade oder Invasion durch China abzuwehren. Darunter sind auch neue amerikanische Abrams-Panzer, deren Lieferung im April abgeschlossen wurde. Erstmals wird auch die Verteidigung wichtiger Infrastruktur geprobt, ebenso die Verlagerung von Produktion, der Zivilschutz und der Umgang mit Störungen im Internet wie Cyberangriffen. Erstmals hat Taiwan gezielt für halbstündige Tests das mobile Internet gedrosselt. Auch Journalisten dürfen zum ersten Mal teilnehmen. Der Regierung geht es darum, den Verteidigungswillen in der gesamten Gesellschaft zu verankern, nicht nur beim Militär.Taiwan bleibt einer der gefährlichsten Krisenherde der WeltChina erhöht seit Jahren den militärischen, diplomatischen und propagandistischen Druck auf die demokratisch regierte Insel. Das verschärft den Grundkonflikt: Die USA haben Taiwan Hilfe gegen China zugesagt, aber offengelassen, ob dies auch eigene Streitkräfte umfasst. Chinas Führung beansprucht Taiwan als Teil des eigenen Staatsgebiets und will die Insel heim ins Reich der Mitte holen.Vorerst bevorzugt Peking, die 23 Millionen Taiwaner durch wachsenden Druck zur Selbstaufgabe zu bewegen. Doch seit Jahrzehnten drohen Chinas Machthaber auch mit militärischen Aktionen. Fast täglich unterstreicht China seine Bereitschaft, diese Fähigkeiten notfalls zu nutzen: Schiffe der Marine und Küstenwache umkreisen die Insel, ebenso Kriegsflugzeuge und Drohnen. Die seit 1984 durchgeführte Han-Kuang-Übung wird daher gewohnheitsmässig von Peking kritisiert.Eroberung ohne Krieg: Chinas Plan mit Taiwan.Japan und die Philippinen reagieren bereits besorgtKurzfristig halten Experten einen Angriff zwar für unwahrscheinlich. Aber Reaktionen aus Japan und den Philippinen zeigen, dass die Nachbarn das Risiko einer militärischen Konfrontation immer ernster nehmen. Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi deutete im November 2025 eine militärische Unterstützung Taiwans an, um China von einem Angriff abzuschrecken. Peking erhöhte daraufhin seinerseits den Druck auf Japan, etwa durch Wirtschaftssanktionen.Im Juli folgte der philippinische Verteidigungsminister Gilbert Teodoro Jr. mit der bislang deutlichsten Aussage eines philippinischen Politikers: Sein Land könne in einem Konflikt zwischen China und Taiwan nicht neutral bleiben, erklärte er in einem Interview.Jede militärische Massnahme Chinas würde wahrscheinlich auch Territorien der Nachbarn berühren, etwa durch Angriffe auf US-Stützpunkte oder Verletzungen des Luft- und Seeraums. Im Fall Japans kommt hinzu, dass eine Kontrolle Taiwans es China erleichtern würde, wichtige Schifffahrtslinien nach Südostasien, in die Golfstaaten und nach Europa zu unterbrechen.Japans Verteidigungsministerium bezeichnete China daher im jüngsten «Verteidigungs-Weissbuch» als «bislang grösste strategische Herausforderung». Tokio hat das Verteidigungsbudget seit 2022 um 66 Prozent erhöht, zuletzt auf rund neun Billionen Yen, derzeit etwa 50 Milliarden Euro.Die USA fordern mehr Eigenleistung von TaiwanAuch die USA stehen weiter hinter Taiwan: Selbst unter Präsident Donald Trump wurden weiter Waffen geliefert, auch wenn er die Entscheidung über ein weiteres 14-Milliarden-Dollar-Paket vertagt hat.Damit will er wohl vor seinem für September geplanten Gipfel mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping gute Stimmung zu erzeugen. Doch Taiwans Verteidigungsminister Wellington Koo sagte dem «Wall Street Journal», die Kooperation mit den USA sei «viel enger, als Sie sich vielleicht vorstellen».Die USA erwarten dafür aber eine massive Aufrüstung der Insel. Präsident Lai Ching-te hat daher nicht nur das Verteidigungsbudget massiv erhöht, sondern will auch eine Drohnenindustrie ohne chinesische Bauteile aufbauen. Die erweiterte Han-Kuang-Übung sei ein weiterer Teil dieser Stärkung, sagt Benjamin Blandin, Sicherheitsexperte am Institut für nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung.Die diesjährige Übung spiegele Taiwans Wandel von einer konventionellen Streitmacht zu einer Truppe wider, «die sich auf eine langwierige Form hochintensiver, alle Bereiche umfassender Kriegsführung vorbereitet», sagt Blandin. Drohnen und Raketen spielen dabei eine wesentliche Rolle.Passend zum Artikel
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Mit dem Manöver «Han Kuang» probt Taiwan zehn Tage lang, wie es einen Angriff aus China überstehen könnte. Neu im Programm: eine Stärkung der zivilen Verteidigungsfähigkeit. Auch das Internet wird zeitweise verlangsamt.











