Taiwan wird in den kommenden Tagen die Internetgeschwindigkeit drosseln, um die Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu testen. Die Regierung der Inselrepublik geht davon aus, dass der Zugang zum Internet im Falle eines Angriffs durch die Volksrepublik China deutlich erschwert oder unterbrochen werden könnte. Darauf wird die Bevölkerung am 10. und am 13. August in verschiedenen Landesteilen mit einer Drosselung für jeweils 30 Minuten vorbereitet. Die Stadtregierung von Taipeh empfiehlt etwa, Bargeld mitzunehmen, weil Kartenzahlungen möglicherweise nicht funktionieren könnten.Die zivilen Übungen laufen parallel zum jährlichen Han-Kuang-Militärmanöver, das an diesem Mittwoch beginnt, und mit dem Taiwan seine Widerstandsfähigkeit gegen China trainiert. Der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats Taiwans, Joseph Wu, sagte der Zeitung „Nikkei Asia“, dass die Kombination der zivilen und militärischen Übungen „ein weitaus realistischeres Bild der taiwanischen Gesellschaft und ihrer Fähigkeit, in Krisenzeiten gut zu funktionieren“, biete.Ein zentrales Element der zehntägigen Han-Kuang-Übung soll in diesem Jahr der Umstieg auf eine Kriegswirtschaft sein. Laut dem Verteidigungsministerium will man prüfen, ob Taiwan in der Lage wäre, die industrielle Produktion zu dezentralisieren und gleichzeitig die Versorgung der Streitkräfte aufrechtzuerhalten. Eine zentrale Sorge in Taipeh ist, dass China zu Beginn eines Angriffs versuchen würde, neben Kommandozentralen, Häfen und logistischen Drehkreuzen auch Rüstungsfabriken auszuschalten. Peking sieht Taiwan als sein Staatsgebiet und schließt eine militärische Einnahme nicht aus.Taiwan übt die Verteidigung in vier PhasenIm Juli hatte das Verteidigungsministerium angekündigt, dass die diesjährige Übung in vier Phasen geplant ist. Die Ausgangsannahme sei, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee ihren Angriff unter dem Deckmantel einer Militärübung beginnen würde. In der ersten Phase soll deshalb getestet werden, wie schnell Taiwan in den Verteidigungsmodus umschalten kann. Man gehe zudem davon aus, dass China eine Invasion erst nach der Errichtung einer Luft- und Seeblockade starten werde. Im zweiten Schritt sollen die taiwanischen Streitkräfte deshalb das Durchbrechen solcher Blockaden und die Sicherung wichtiger Posten simulieren.In der dritten Phase gehe es um die Abwehr amphibischer Angriffe. Dabei gehe es sowohl darum, wichtige Seewege offenzuhalten, als auch um den Umgang mit einem möglichen Verlust wichtiger Knotenpunkte – notfalls also um deren Zerstörung. Die taiwanischen Truppen zielten in dieser Phase darauf ab, die Lufthoheit zu erlangen. Im letzten Schritt soll während der Übung simuliert werden, dass die chinesischen Streitkräfte auf der Insel vordringen. Das taiwanische Militär würde dann mit einer mehrschichtigen Verteidigung versuchen, das Vorrücken zu verlangsamen und einen langen Widerstand aufrechtzuerhalten.