In unserer Sommerserie verraten Schweizer Lokalmatadorinnen die Geheimtipps aus ihrer Heimat. Wo man in Genf am besten isst und feiert, verrät diese Woche die DJ und Produzentin Audrey Danza.Was verbindet Sie mit Genf?2015 bin ich nach Genf gezogen, um meinen Master in internationaler Geschichte zu absolvieren. Die Stadt prägte mich. Genf ist der Ort, an dem ich die elektronische Musik für mich entdeckte. Durch Gratispartys und das «Motel Campo», einen multidisziplinären Kunstraum, der zu meinem zweiten Zuhause wurde. Seit 2022 teile ich meine Zeit zwischen Berlin und Genf auf. Meine Wurzeln sind aber in Genf.Wie startet man in Genf im Sommer am besten in den Tag?Mit Schwimmen in den Bains des Pâquis und anschliessendem Frühstück dort in der Buvette. Die Atmosphäre ist super entspannt. Und die Preise sind erfrischend günstig für eine Stadt wie Genf. Die Bains des Pâquis mit Blick auf den Jet d’eau. Audrey Danza Wo gibt es den besten Eiskaffee in Genf?Wenn ich einen Ort finde, der mir gefällt, bleibe ich ihm treu. Meinen Kaffee hole ich deshalb stets bei «Sublime Coffee». Ein kleines, herziges Café, das in einer ruhigen Seitenstrasse liegt. Seit ein paar Jahren interessiere ich mich für Kaffee, und jener im «Sublime Coffee» ist exzellent.Zur Person Audrey Danza Audrey Danza ist eine Schweizer DJ und Produzentin. Ihr Sound bewegt sich zwischen Techno, Acid, House und Trance und beschallte bereits die Floors in renommierten Klubs auf der ganzen Welt, darunter auch die «Panorama Bar» im «Berghain» in Berlin. Zur elektronischen Musik gefunden hat sie im Genfer Klub «Motel Campo», in dem sie seit 2019 Residentin ist. 2020 gründete sie gemeinsam mit Freunden aus der Szene ihr eigenes Label Proxima, mit dem sie elektronischem Underground-Sound eine Plattform geben möchte. Im März dieses Jahres veröffentlichte sie mit «Next Stop» ihre erste eigene EP auf Vinyl, bestehend aus vier Tracks. Seit 2022 ist sie ebenfalls in Berlin zu Hause. Welches ist Ihr liebster Ort, um der Hitze an einem heissen Sommertag in Genf zu entfliehen?Der Parc La Grange. Es ist der grösste Park der Stadt mit grossen, alten Bäumen, die viel Schatten spenden. Perfekt, um auf der Wiese zu liegen und nichts zu tun.Wo gehen Sie in Genf am liebsten schwimmen?Auf der hölzernen Plattform Pontons du quai de Cologny. Dort schwebt man so schön über dem Wasser.Wo am Genfersee ist es am schönsten?Unter einem Baum im Park Perle du Lac. Mein liebster Ort zum Lesen.Wo gibt es das beste Eis in Genf?In der Eisdiele «Gelatomania». Die Sorten Salted Caramel und Cookies gehen immer. Ich probiere aber immer wieder neue Geschmacksrichtungen. Louis Boucharinc Das beste Eis in Genf gibt es bei Gelatomania. Welches ist Ihr liebstes Restaurant?Das «Café La Belle Jonction». Ein chinesisches Restaurant mit zurückhaltender Atmosphäre im Quartier La Jonction.Was bestellen Sie dort von der Karte?Die hausgemachten vegetarischen Biang-Biang-Noodles – die besten der Stadt!Welches Restaurant hat die schönsten Aussensitzplätze?«La Réplique», direkt beim Bahnhof. Das Lokal verfügt über eine grosse, lebhafte Terrasse und ist mit dem benachbarten Saint-Gervais-Theater verbunden. Dort herrscht stets eine kreative Atmosphäre.Wo treffen Sie sich mit Freunden auf einen Apéro?Im Restaurant «Bombar». Die Weinkarte ist super, das Essen phantastisch, und die Cocktails verdienen genauso viel Aufmerksamkeit. Zum Apéro trifft sich Audrey Danza am liebsten mit Freunden in der «Bombar». Audrey Danza In welchem Klub darf es auch einmal später werden?Ganz klar im «Motel Campo». Der Klub ist praktisch mein zweites Zuhause. Hier bin ich als DJ und als Mensch gewachsen. Er ist nur samstags geöffnet und besteht aus einem Hauptraum, einem kleineren Raum namens «Kiss Room» sowie einem Dancefloor draussen im Garten. Einer der schönsten Abende war, als ich mit meinem Freund Quest aus Italien ein Back-to-back-Set spielte. Die Energie an diesem Abend war einzigartig. Über dem Dancefloor draussen im Motel Campo leuchtet ein Schmetterling. PD Wo gehen Sie hin, wenn Sie dem Städtetrubel entkommen möchten?Aufs Land für einen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet Moulin de Vert in Cartigny. Dort ist es ruhig und unkompliziert – der perfekte Ort, um den Kopf freizubekommen. Ausserdem eignet sich die Gegend hervorragend für Field-Recordings, also das Aufnehmen von Natur- und Umgebungsgeräuschen.An welchem Geschäft können Sie nie vorbeigehen, ohne etwas zu kaufen?Am Secondhand-Geschäft Wood Friperie. Dort habe ich eine Vintage-Jacke der Olympischen Winterspiele in Albertville aus dem Jahr 1992 gefunden. Ich liebe diese Jacke und trage sie oft.Welches ist Ihr liebstes Museum in Genf?Das Museum of Modern and Contemporary Art, kurz Mamco. Besonders die Ausstellung von Tishan Hsu ist mir in Erinnerung geblieben. Ein amerikanischer Künstler, der seit Mitte der 1980er Jahre untersucht, wie Technologie unser Körpergefühl beeinflusst. Dafür verwendet er bizarre, poetische, fast schon organisch-digitale Materialien. Die Ausstellung war im bestmöglichen Sinn verwirrend.Welcher Ort in Genf inspiriert Sie?Das Théâtre de l’Orangerie und sein dazugehöriger Garten. Es fühlt sich an, als würde man in ein Märchen eintauchen – weit weg vom Lärm der Stadt. Der Garten ist wunderschön, das Kulturprogramm überzeugt immer wieder, und selbst die Küche setzt auf regionale und saisonale Zutaten.Welchen Ort, der nicht im Reiseführer steht, sollte man in Genf unbedingt besuchen?«Ka kitchen & ka studio». Ein super Brunchlokal mit Yogastudio. Es wird von Freunden von mir mit viel Leidenschaft geführt.Welche Aktivität darf an einem heissen Sommertag in Genf nicht fehlen?Schwimmen in der Rhone. In einen Fluss zu springen, der mitten durch die Stadt fliesst, hat etwas Befreiendes. Baden in der Rhone ist im Sommer ein Muss. Audrey Danza Was würden Sie jemandem raten, der Genf zum ersten Mal besucht – worauf sollte man sich einlassen, und was sollte man eher vermeiden?Genf erlebt man am besten im Sommer – also unbedingt die Badehose einpacken. Zwischen dem Genfersee, der Rhone und den Bains des Pâquis gehört das Schwimmen in der warmen Jahreszeit zu den schönsten Erlebnissen der Stadt. Auf das Auto kann man getrost verzichten: Genf lässt sich wunderbar zu Fuss, mit dem Velo oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden. Ein Auto ist hier meist eher umständlich als praktisch. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.