In unserer mehrteiligen Sommerserie verraten Schweizer Lokalmatadoren die besten Adressen und Geheimtipps von dem Ort, in dem sie zu Hause sind. Wo man in Ascona den Touristenmassen entkommt und den Lago Maggiore am besten geniesst, verrät Lorenzo Studer, Hotelier des «Art Hotel Riposo».Was verbindet Sie mit Ascona?Meine Familie wohnt seit 1954 in Ascona. Damals verkaufte mein Grossvater das Hotel «Bellevue» in San Bernardino und zog nach Ascona, wo er die heruntergekommene Pension «Riposo» kaufte, unser heutiges «Art Hotel Riposo». Ich selber bin in Ascona geboren und aufgewachsen.Wie startet man in Ascona im Sommer am besten in den Tag?Morgens vor neun Uhr ist die Piazza noch leer, dann fahre ich mit dem Solex zum «Al Porto Cafè» für einen frisch gepressten Orangensaft und eine Brioche al pistacchio.Welches ist der kühlste Ort in Ascona?Abkühlung findet man am besten im Bagno pubblico, kurz «BaPu», oder im «Senses Beach Club». Der «Senses Beach Club» am Lago Maggiore. PD Welches ist Ihr liebster Badeort in Ascona?Ich bin leider kein Badi-Typ. Mich zieht es eher an die Foce – einen wunderschönen Sandstrand am Ende des Maggia-Deltas. Dort, wo der Fluss in den See mündet.An welchem Ort in Ascona entkommt man den Touristenmassen?Am besten, indem man bei Asconautica ein Pontonboot mietet, so kann man den Lago Maggiore für sich allein geniessen. Prosciutto, Melone und Prosecco nicht vergessen!Zur Person Lorenzo Studer Der Hotelier führt gemeinsam mit seiner Schwester Olivia Studer das «Art Hotel Riposo» mittlerweile in dritter Generation. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet, so dass keines dem anderen gleicht. Kunst ist der rote Faden, der sich durch die Inneneinrichtung zieht und sich in allen Räumlichkeiten des 4-Sterne-Hotels wiederfindet. 2023 wurde es zum Hotel des Jahres gekürt. Seine Ausbildung absolvierte Studer an der Hotelfachschule in Luzern. Wo am Lago Maggiore ist es am schönsten?Die Brissago-Inseln sind wunderschön. Auf der einen Insel befindet sich das Hotel «Villa Emden», das über ein phantastisches Restaurant verfügt. Das letzte Boot ans Festland fährt bereits um 17 Uhr 30. Schläft man dort oder bleibt zum Nachtessen, hat man die Insel abends ganz für sich allein. Eine kurvige Strecke führt zu Lorenzo Studers Lieblingsrestaurant. Lorenzo Studer Welches Restaurant besuchen Sie am liebsten?Das «Ristorante al Braciere». Es wird vom Küchenchef Luca Fabbro geführt, mit dem ich bereits gemeinsam im «Castello del Sole» gearbeitet habe – er in der Küche, ich im Service. Auf einer der schönsten Terrassen des Tessins serviert er eine Küche, in der Tradition und Moderne in perfekter Harmonie aufeinandertreffen. Und zum Restaurant führt eine schöne Kurvenstrecke ab Ascona über Arcegno, mit einem wunderschönen Ausblick.Was bestellen Sie dort von der Karte?Meistens folge ich der Tagesempfehlung. Jüngst konnte ich den Casarecce mit Hummer nicht widerstehen. Im «Braciere» speist man mit Seeblick. PD Welches ist das beste Grotto in oder um Ascona?Das «Grottino Ticinese» in Losone. Von Ascona ist es zu Fuss erreichbar. Der Wirt Claudio Zanoli steht jeden Tag im Grotto und verwöhnt seine Gäste mit traditionellen Gerichten wie Polenta aus dem Kupferkessel oder Steinpilzrisotto. Sonntags gibt es jeweils geschmortes Kaninchen aus dem Ofen. Ein Besuch fühlt sich an, als sässe man im Wohnzimmer von Freunden.Wo treffen Sie sich mit Freunden zum Apéro?Im «Sialia» in der Via Borgo. Ein kleiner Feinkostladen mit tollen Weinen und feinen Snacks. Ich bestelle am liebsten den Pastrami-Bun, den Croque Monsieur und die Sardellen. Im «Sialia Gourmet» trifft sich Lorenzo Studer zum Apéritif mit Freunden. PD In welcher Bar darf es auch einmal später werden?In der «Pelago Bar». Dort vergisst man schnell einmal die Zeit. Plötzlich ist es drei Uhr morgens, und der Barkeeper kennt längst den Lieblingsdrink. Leider bin ich keine zwanzig mehr – und am nächsten Morgen fühle ich mich, als wäre ich von einem Bus überfahren worden.In welchem Hotel in Ascona würden Sie übernachten?Natürlich in unserem «Art Hotel Riposo». Wenn ich das ausschliessen muss, dann im «Castello del Sole». Dafür müsste ich allerdings jetzt mit dem Sparen beginnen.Wo ist Ihr Lieblingsort in der Natur rund um Ascona?Der Monte Verità. Ein Ort der Kraft, Kunst und Natur.An welchem Laden oder Markt können Sie nicht vorbeigehen, ohne etwas zu kaufen?Da gibt es viele! Im Solleone in der Galleria Carrà decke ich mich mit Dekorationsartikeln ein. Gleich daneben liegen Trentametriquadri und Bold Matters, wo ich meine Kleider einkaufe. Die Boutique Bold Matters in Ascona. PD Welches ist Ihr liebstes Museum in Ascona?Das Museo Comunale. Das Museum ist unser direkter Nachbar. So habe ich das Glück, neue Ausstellungen früh durch den Hintereingang besichtigen zu dürfen. Besonders beeindruckt hat mich die Ausstellung von Joana Vasconcelos. Ihre farbenfrohen, monumentalen Skulpturen und Installationen haben mich tief berührt und mir Mut gegeben, im Hotel mit kräftigen Farben zu arbeiten. Ihre Kunst zeigt, wie Farben Räume mit Leben, Freude und Emotionen füllen können.Welcher Ort in Ascona inspiriert Sie?Als Hotelier inspirieren mich Vorzeigebetriebe wie das «Castello del Sole» und das «Eden Roc». Als Mensch finde ich meine grösste Inspiration auf ganz einfache Weise: wenn ich mit meinem Solex durch Ascona fahre. Dabei kann ich entschleunigen, den Moment bewusst geniessen, Energie tanken und neue Ideen sammeln. Unterwegs auf seinem Solex durch Ascona findet Lorenzo Studer Inspiration. PD Welchen Ort, der nicht im Reiseführer steht, sollte man in Ascona unbedingt besuchen?Einmal die gesamte Scalinata della Ruga bis zum Monte Verità hinauflaufen. Die vielen Stufen fordern zwar heraus, doch oben angekommen, wird die Mühe mit einem einzigartigen Blick über die Dächer von Ascona belohnt.Welche Aktivität darf an einem heissen Sommertag in Ascona nicht fehlen?Auf der alten Strasse Richtung Brissago, etwa fünfzig Meter nach dem Restaurant «Seven Asia», gibt es einen alten Bootssteg. Dieser ist öffentlich zugänglich und einer der schönsten Orte am See. Perfekt für einen Sprung ins Wasser – und ein Bild für Instagram.Was würden Sie jemandem raten, der Ascona zum ersten Mal besucht – worauf sollte man sich einlassen und was lieber meiden?Meiden Sie den Markt in Cannobio am Sonntag. Der ist zwar sehr schön, aber leider von Menschen überlaufen. Besuchen Sie lieber den Markt in Ascona am Dienstag. Ein lauschiger Markt mit viel lokalem Handwerk und Liebe zum Territorium. Dort findet man lokalen Käse und Fleischprodukte oder die «rigattieri» (Altwarenhändler) mit spannenden Dekorationen für den Garten. 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