Drei Frauen entführen dreizehn Männer in einem Wohnmobil voller Schnecken: Nichts ist zu absurd in Zeiten des Krieges und in Maria Revas brillantem Ukraine-Roman.
Als „Endling“ wird das letzte lebende Individuum einer Art bezeichnet. In diesem Fall handelt es sich um eine Schnecke
Roland Weihrauch/dpa
Mit dem Humor ist es in Zeiten des Krieges so eine Sache. Darf man humoristisch über den Krieg schreiben, wenn man nicht selbst mit im Luftschutzbunker sitzt? Ja; nein; aber wenn doch, dann wie? Die kanadisch-ukrainische Schriftstellerin Maria Reva hat sich für ein klares Ja entschieden, und das Wie lotet sie in diesem Buch vielschichtig aus.
„Endling“ (was für ein schönes Wort!) heißt Revas fulminantes Romandebüt im Original, und so hätte sein Titel auch auf Deutsch lauten können, wenn er nicht schon mehrfach besetzt gewesen wäre. Als „Endling“ wird das letzte lebende Individuum einer Art bezeichnet. In diesem Fall handelt es sich um eine Schnecke: Die Malakologin, also Schneckenexpertin Jewa, lebt in einem zum Labor umfunktionierten Wohnmobil, mit dem sie kreuz und quer durch die Ukraine fährt, um vom Aussterben bedrohte Gastropoden-Spezies zu retten. Ihre selbstgewählte Mission finanziert sie mit der bezahlten Teilnahme an sogenannten „Liebestouren“, Massenveranstaltungen einer Partnerschaftsvermittlung, bei denen ukrainische Frauen unverbindlich mit Männern aus dem westlichen Ausland bekannt gemacht werden.








