Die erste Begegnung der beiden Heldinnen des Romans „Wir Königinnen“ von Anja Gmeinwieser ist inszeniert wie in einem Cowboyfilm: Zwei Einzelgänger treffen in menschenleerer Landschaft aufeinander. Die eine Person hat ein geladenes Gewehr. Zwei Seiten lang bleibt es offen, ob die Welt noch Platz für sie beide hat.

Die Erzählerin hat die Reißleine für ihren Arbeits- und Alltagstrott gezogen, sich krankschreiben lassen, eine umfangreiche Trekking-Ausrüstung gekauft und ist in einer verlassenen Gegend in den Ausläufern der italienischen Alpen gelandet. Genau dort macht Anna mit ihrem Viehtransport Pause, lässt ihre Kühe für ein paar Stunden raus zum Grasen und nimmt schließlich die Fremde mit, eigentlich nur, um sie in der nächsten Stadt mit einem Bahnhof rauszulassen.

Das Handy als Kommunikationshilfsmittel

An dieser Roadnovel ist so einiges ungewöhnlich: das Duo aus einer Großstadtflüchtigen und einer Frau in einem Männerberuf; das Transportmittel mit nicht nur einfach lebendiger Fracht, es sind sogar trächtige Kühe; die Route durch mehrere Länder im Süden Europas. Das literarisch größte Abenteuer und auch Wagnis des Romans sind die Dialoge. Die beiden Frauen verständigen sich meistens auf Englisch, wollen sie etwas Komplizierteres erklären, nutzen sie eine Übersetzungs-App. Dabei lässt die Autorin offen, in welcher Sprache Anna ins Telefon diktiert. Diese deutschen Gesprächsabschnitte sind im Buch in einer anderen Schrift vom normalen Text abgerückt gesetzt.