Als Nelka nach Jahrzehnten dahin zurückreist, wo sie als Zwangsarbeiterin in der Landwirtschaft schuftete, ist man als Leserin, als Leser auf einiges vorbereitet. Svenja Leiber inszeniert die Begegnung der Ukrainerin Nelka mit dem früheren Gutsverwalter sorgfältig. Da war erst ein Brief, der den Mann, Marten heißt er, nervös macht. Den er andererseits auch erwartet hat, denn in seiner Gegend haben zu der Zeit, in den 90er-Jahren, so einige Leute Post bekommen. Er weiß nicht, dass Nelka auch seiner Haushälterin geschrieben hat, den Weg vorbereitete für eine Solidarität unter Frauen.

Die Gemeinschaft von Frauen

Svenja Leiber, Autorin von Romanen wie „Kazmira“ oder „Das letzte Land“, die verzweigte Geschichten erzählen, konzentriert sich in „Nelka“ ganz auf die titelgebende Figur. Die wurde als 16-Jährige im August 1941 in Lwów, inzwischen Lemberg, von einem Mann in deutscher Uniform auf der Straße ohne Ausweis aufgegriffen und über mehrere Stationen nach Deutschland verschleppt, ohne ihrem Freund oder irgendjemandem aus ihrer Familie Nachricht geben zu können.

Sie findet sich auf dem großen Bauernhof in einer Gemeinschaft von weiteren 29 ebenfalls dahin verbrachten Frauen wieder. Zwanzig französische Kriegsgefangene gibt es außerdem. An den „Ostarbeiterinnen“ oder „Fremdarbeitern“, wie sie genannt werden, wird viel Wut und Willkür ausgelassen. Sie sind den Launen des Gutsherrn und seines Verwalters sowie anderer ausgesetzt, deren Vorzug allein in ihrer Nationalität besteht.