Roman über Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland: «Nichts habe ich vergessen»Svenja Leiber erzählt von einer Frau, die sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. «Nelka» ist ein grosser Roman.28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenSvenja Leiber macht Zwangsarbeit in ihrem Roman körperlich erfahrbar.Ulf Aminde / Suhrkamp VerlagNelka beschliesst, sich mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren, oder besser: mit dem Mann, der sie, als 16-Jährige verschleppt von Lemberg, auf seinem norddeutschen Gutshof während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit verrichten liess. Sie, inzwischen eine Frau von über sechzig Jahren, hat ihm einen Brief geschrieben: «Sie werden sich nicht an mich erinnern. Mein Gesicht würden Sie nicht erkennen, wenn wir uns auf einer beliebigen Strasse begegneten. Ich aber erinnere mich an Ihr Gesicht. Alles daran sehe ich noch heute vor mir. Nichts habe ich vergessen.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So beginnt der Roman von Svenja Leiber, der ein wenig beleuchtetes Kapitel deutscher Geschichte literarisch durchdringt: die Zwangsarbeit. Leibers Protagonistin Nelka fährt denselben Weg zurück, den sie damals als 16-Jährige gekommen ist: «Ihr ist, als fahre sie in diese Angst hinein, wie man in eine Nebelbank fährt.» Auf dem Gut empfängt sie der Verwalter, der damals nicht nur ihre Körperkraft, sondern auch ihr vom Vater erworbenes Wissen über Äpfel gebraucht hat, um daraus ein blühendes Geschäftsmodell zu entwickeln: «Die Zeiten sind zum Fürchten, auch wenn sie lukrativ sind.» Und der Verwalter, neugierig genug, diese Frau, die ihm damals als verheirateter Mann auch schier unerträgliche Faszination gewesen war, lässt sie ein.Nelka erinnert sich an alles, und mit ihr die Leserschaft. Die Brutalität der verrohten Männer, die Deprivation, die Erniedrigung dieser «Arbeitsmenschen»: «Sie alle wissen ja, es gibt auf dem Gut nichts umsonst.» Am Schluss ihrer Reise in ihre schmerzvolle Vergangenheit aber wird Nelka eine andere sein. Svenja Leiber ist ein grosser Roman gelungen, ein Text, der einen beim Lesen schier körperlich erfahren lässt, was es damals bedeutete, Mensch zu sein. Vor allem als Frau.Svenja Leiber: Nelka. Suhrkamp 2026. 200 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
Nelka und die Zwangsarbeit: packender Roman von Svenja Leiber
Svenja Leiber erzählt von einer Frau, die sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. «Nelka» ist ein grosser Roman.








