Der andere BlickDeutschland muss aus dem Ansturm auf Ceuta lernen – und seine machtpolitischen Hebel gegen illegale Migration einsetzenAus Angst vor einem erneuten Kontrollverlust streitet man in Europa lieber über die Ursachen des Vorfalls statt Entschlossenheit zu zeigen. Im Falle Marokkos hätte die deutsche Regierung ein handfestes Druckmittel in der Hand.04.08.2026, 04.30 Uhr3 LeseminutenMigration ist zu einem machtpolitischen Mittel geworden.Antonio Sempere / APSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Anna Schiller, Redaktorin NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Streit über den jüngsten Ansturm von Migranten auf Ceuta offenbaren Teile der deutschen Regierungskoalition ein überholtes Verständnis von Migration. Die SPD fordert Solidarität mit Spanien, blendet berechtigte Kritik an der Rechtsprechung des Landes aber aus, wonach Migranten, die schwimmend nach Ceuta gelangen, nicht gleich wieder nach Marokko ausgeschafft werden dürfen.Kanzler Friedrich Merz spricht diese Pull-Faktoren in einem gemeinsamen Brief mehrerer Staats- und Regierungschefs der EU richtigerweise an. Es ist zu hoffen, dass Merz aus dem Ansturm auf die spanische Exklave eine Sache gelernt hat: Migration ist längst zu einem Machtmittel der internationalen Politik geworden. Sie wird von Drittstaaten gezielt genutzt, um Europa unter Druck zu setzen.Angst vor einem erneuten KontrollverlustDer türkische Präsident Erdogan ermutigte 2020 Migranten zum Marsch in Richtung griechische Grenze, um Zugeständnisse in seiner Syrienpolitik zu erpressen. Der weissrussische Diktator Lukaschenko liess 2021 Menschen aus dem Nahen Osten einfliegen und an die polnische Grenze bringen, wohl um sich für Sanktionen der EU zu rächen. Und Marokko liess im selben Jahr Tausende Migranten nach Ceuta durch, vermutlich weil Spanien zuvor den Anführer der Westsahara-Unabhängigkeitsbewegung Polisario in einem Spital behandeln liess.Sicher, im Falle des jüngsten Ansturms auf die Exklave ist noch nicht vollständig geklärt, was diesen genau verursachte. Ob Spaniens Rechtsprechung Fehlanreize setzte. Ob es Falschinformationen auf den sozialen Plattformen waren, wie von Marokko behauptet. Oder ob marokkanische Grenzer bewusst wegschauten, wie Migranten berichten.Fakt ist jedoch: Der Fall offenbart abermals, dass Europa auf diese neue Dimension der Migration nicht vorbereitet ist. Die Bilder von Horden junger Männer, die an Ceutas Stränden ankommen, gehen um die Welt – und aus lauter Angst vor einem erneuten Kontrollverlust streitet man in Europa lieber über die Ursachen, als Entschlossenheit zu zeigen.Deutschland hat ein DruckmittelDas müsste jedoch nicht sein. Gerade Deutschland müsste sich mehr trauen, die machtpolitischen Hebel, die dem Land zur Verfügung stehen, auch zu nutzen.Im Falle Marokkos hätte die Regierung etwa ein handfestes Druckmittel in der Hand. Laut dem Transparenzportal des deutschen Entwicklungshilfeministeriums fördert Deutschland in Marokko laufende Projekte im Umfang von mehr als 2 Milliarden Euro, darunter direkte Zuschüsse von rund 311 Millionen Euro. Diese fliessen vor allem in eine moderne Energieinfrastruktur.Sollte sich erhärten, dass die marokkanische Regierung abermals Migranten als politisches Druckmittel missbraucht hat, müssen diese Gelder eingestellt werden. Wer Migranten als Druckmittel nutzt, darf nicht mit deutschem Steuergeld belohnt werden. Nur wenn sich die europäischen Staaten wehrhaft zeigen, werden sie auch nach aussen hin ernst genommen.Passend zum Artikel
Deutschland muss aus dem Ansturm auf Ceuta lernen – und seine machtpolitischen Hebel gegen illegale Migration einsetzen
Aus Angst vor einem erneuten Kontrollverlust streitet man in Europa lieber über die Ursachen des Vorfalls statt Entschlossenheit zu zeigen. Im Falle Marokkos hätte die deutsche Regierung ein handfestes Druckmittel in der Hand.












