49 000 Migranten stürmen Ceuta: Was bedeutet das für Deutschland?Noch ist das Ausmass des massenhaften Grenzübertritts in die spanische Exklave nicht ganz klar. Die Aufregung in Europa ist jedoch gross. Erste Staaten fordern einen Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum.Armin Arbeiter, Berlin31.07.2026, 12.38 Uhr3 LeseminutenZahlreiche weitere Migranten warten auf marokkanischer Seite auf eine Möglichkeit, über die Grenze zu kommen.Stringer / ReutersNach dem massenhaften Grenzübertritt Zehntausender Migranten in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta verlangt die italienische Premierministerin Giorgia Meloni den Ausschluss Spaniens aus dem Schengenraum, Finnlands Innenministerin tut es ihr gleich. Indes bleibt eine offizielle Reaktion aus Berlin zunächst aus. Bis Freitagmittag äusserten sich weder Bundeskanzler Friedrich Merz noch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt oder Aussenminister Johann Wadephul öffentlich zu der Krise.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch von den Spitzen der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sowie von Grünen und Linkspartei lag zunächst keine Stellungnahme vor. Bislang griff vor allem die AfD das Thema auf. Parteichefin Alice Weidel erklärte, das mutmassliche Ziel der Menschen sei Deutschland, und forderte geschlossene Grenzen und konsequente Abweisungen.Der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion von CDU und CSU im Deutschen Bundestag, Günter Krings, warnte vor einer möglichen Weiterreise von Migranten über Spanien und Frankreich nach Deutschland. Die EU-Staaten müssten gemeinsam mit Madrid umgehend das Gespräch mit Marokko suchen, da ein grösserer Zustrom nur mit dessen Unterstützung verhindert werden könne.49 000 Übertritte innert 24 StundenManuel Ostermann, Vorsitzender der Bundespolizeigewerkschaft, forderte die deutsche Regierung unterdessen auf, die Bundespolizei auf einen möglichen verstärkten Zuzug aus Spanien vorzubereiten. Nötig sei eine «robuste Sicherung» der deutschen Grenzen mit ausreichend Personal und moderner Technik.Die damit verbundene Vorstellung, die Migranten hätten nun freien Zugang nach Deutschland, greift jedoch zu kurz. Nach ersten Schätzungen spanischer Sicherheitskräfte gelangten innert 24 Stunden mehr als 49 000 Menschen irregulär nach Ceuta. Das ist mehr als die Hälfte der Einwohner der Exklave (83 000).Sie gehört zwar zu Spanien und zur Europäischen Union, unterliegt jedoch beim Personenverkehr aber einer Sonderregelung. Wer von dort mit Fähre oder Flugzeug auf das spanische Festland weiterreisen will, wird erneut kontrolliert. Migranten, die sich in Ceuta aufhalten, können also nicht automatisch in den Schengen-Raum gelangen. Personen ohne Pass, Visum oder Aufenthaltstitel können die spanischen Kontrollen nicht legal passieren und somit auch nicht im Anschluss frei nach Deutschland reisen.Hält der Druck jedoch an, könnte Spanien Teile der Migranten aus der überlasteten Exklave auf das Festland verlegen, etwa zur Unterbringung oder Bearbeitung ihrer Verfahren. Von dort könnten Einzelne irregulär über Frankreich in Richtung Deutschland weiterziehen. Deutschland kontrolliert derzeit zwar an allen Landgrenzen, auch gegenüber Frankreich. Lückenlos sind diese Kontrollen jedoch nicht.Neuer Asylpakt in KraftRechtlich bleibt Spanien für die Asylanträge zuständig. Seit Mitte Juni gelten die neuen Regeln des europäischen Asyl- und Migrationspakts. Wie zuvor müssen Asylbewerber ihren Antrag im Staat der ersten Einreise stellen und dort bleiben, solange bis die Zuständigkeit geklärt wird. Spanien muss sie nun aber schneller registrieren, überprüfen und teilweise direkt an der Aussengrenze in beschleunigte Verfahren nehmen.In dieser Zeit sollen Fingerabdrücke und Asylanträge, aber auch Gesichtsbilder, Namen, Geburtsdatum, Nationalität und Dokumente der Migranten gespeichert gespeichert werden. Diese speisen Beamte dann in die europäische Datenbank «Eurodac» ein.Für irreguläre Migranten bleibt der Ersteinreisestaat in der Regel für 20 Monate lang verantwortlich. Werden diese später in Deutschland registriert und lässt sich ihre Einreise über Spanien anhand der Eurodac-Datenbank nachweisen, kann Deutschland ihre Rücküberstellung nach Spanien verlangen.Im Jahr 2025 registrierte die deutsche Bundespolizei 10 536 illegale Einreisen aus Frankreich. Ein grosser Teil davon dürfte über Spanien in die Europäische Union gelangt sein. Im gleichen Zeitraum führte Deutschland 1172 Migranten nach Spanien und 785 nach Marokko zurück.Passend zum Artikel
Migrantenansturm auf Ceuta: Was dies für Deutschland bedeutet
Noch ist das Ausmass des massenhaften Grenzübertritts in die spanische Exklave nicht ganz klar. Die Aufregung in Europa ist jedoch gross. Erste Staaten fordern einen Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum.










