Was sich derzeit an der nordafrikanischen Küste abspielt, hat das Potenzial, die europäische Migrationspolitik in ihren Grundfesten zu erschüttern. Innerhalb weniger Tage sind nach Angaben spanischer Sicherheitskreise mehr als 40.000 Migranten auf irregulärem Weg in die spanische Exklave Ceuta gelangt – die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf das spanische Innenministerium sogar von 49.000 Menschen binnen 24 Stunden. Die Mehrheit von ihnen erreichte das Gebiet schwimmend über unbefestigte Küstenabschnitte.Der Regionalpräsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, verlangte von der Regierung in Madrid, aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ den Notstand auszurufen. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni drohte gar mit der Aussetzung des Schengen-Abkommens gegenüber Spanien. „Italien wird nicht zusehen“, erklärte Meloni. „Wir sind bereit, auch mit außergewöhnlichen Mitteln einzugreifen.“

Europa reagiert – mit Worten

Die Reaktionen aus Brüssel und den europäischen Hauptstädten folgten prompt, blieben aber weitgehend im Deklaratorischen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Bilder aus Ceuta „inakzeptabel“ und forderte, dass „gefährliche Überfahrten sofort aufhören“ und „Schmuggelnetzwerke zerschlagen werden“ müssten. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, der Schutz der EU-Außengrenzen sei „entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, und erklärte, die Bundesregierung stehe mit der spanischen Regierung in Kontakt.Manfred Weber, Chef der Konservativen im Europaparlament, forderte notfalls müsse Frontex die Kontrolle übernehmen. Doch die EU-Grenzschutzagentur selbst stellte klar: Spanien habe bislang keine zusätzliche Unterstützung angefordert. Die Durchbrüche an der Grenze in Ceuta lägen „außerhalb des Tätigkeitsbereichs“ von Frontex.Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez reagierte operativ konkreter und erteilte Anweisungen, „die Kontrollen an der spanischen Grenze unverzüglich zu verstärken“.