Muss das wirklich sein? Die Nachricht über eine mögliche Fusion des britisch-schwedischen Pharmariesen Astra-Zeneca mit dem US-Wettbewerber Bristol-Myers Squibb (BMS) sorgt für Aufsehen, aber nicht unbedingt für Begeisterung an der Börse. Die erste Reaktion der Anleger war scharf negativ. Astra-Zenecas Kurs rauschte mehr als sechs Prozent in den Keller, umgerechnet fast 15 Milliarden Euro Börsenwert lösten sich in Luft auf. Analysten und Investoren fragen, worin für Astra der Mehrwert eines Zusammenschlusses läge.Die BMS-Aktie dümpelte in den vergangenen fünf Jahren vor sich hin, während Astra-Zeneca um 50 Prozent zulegte. Einige wichtige Medikamente des US-Konzerns stehen kurz vor dem Ende des Patentschutzes. Zuletzt stieg die BMS-Aktie zwar. Aber es wäre doch eine Hochzeit zwischen einem eher Langsamen mit einem Sprintläufer. Astra-Zenecas Erfolg wird getrieben von erfolgreichen und margenstarken Krebsmedikamenten. Im Bereich der Onkologie existieren aber deutliche Überschneidungen zwischen den beiden Konzernen. Die US-Wettbewerbsaufsicht würde vermutlich Bedenken anmelden. Astra müsste wohl Geschäftsteile verkaufen, damit ein Zusammenschluss genehmigt wird. Aus Sicht von Analysten gibt es also vieles, was eher gegen eine Fusion spricht.Mit organischem Wachstum gut gefahrenAstra-Zenecas Vorstandschef Pascal Soriot betonte erst kürzlich, seine Wachstumsziele seien ohne Übernahmen machbar. Das 80-Milliarden-Dollar-Ziel bis 2030 scheint in Reichweite, auch wenn jüngst das Mittel Wainua in einem klinischen Test floppte. Astra-Zenecas Pipeline neuer Medikamente ist randvoll gefüllt.Warum sollte sich Soriot durch eine Großübernahme und jahrelange Integrationsmühen belasten? Als der Franzose in Cambridge noch frisch an der Spitze stand, musste er 2014 einen feindlichen Übernahmeversuch durch Pfizer abwehren, seitdem hat er Astra-Zenecas Börsenwert auf zeitweise 200 Milliarden Pfund verdreifacht. Der Konzern ist organisch kräftig gewachsen.Gegen eine Fusion könnte auch die Londoner Regierung Bedenken erheben. Denn sie muss fürchten, dass sich Astra von den britischen Wurzeln entfernt. Die Versuchung könnte wachsen, ganz an die New Yorker Börse zu wechseln. Einen solchen Verlust ihres zweitwertvollsten Unternehmens könnte die Londoner Börse nur schwer verschmerzen. Alles in allem spricht daher viel dagegen, dass Astra-Zeneca und BMS heiraten.