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Offensichtlich wollen sie ihre Unternehmen zusammenschließen: Chris Boerner, CEO von Bristol Myers Squibb (l.), und sein Kollege Pascal Soriot von AstraZeneca. Foto: REUTERS / REUTERS AstraZeneca: „Das wäre der Fifa-Moment der Pharmabranche“ Die Branchengrößen AstraZeneca und Bristol Myers Squibb wollen wohl fusionieren. Dafür gibt es Gründe. Doch Investoren lehnen den Deal ab – aus noch besseren Gründen.
Die Zeit der großen Mega-Deals in der Pharmabranche schien vorbei zu sein. In den vergangenen Jahren hatten sich große Medikamentenhersteller vor allem darauf konzentriert, für viele Milliarden hoffnungsvolle Biotechunternehmen zu kaufen.Tatsächlich gibt es einige triftige Gründe für einen Zusammenschluss – und noch mehr dagegen. Die Reaktion der Investoren jedenfalls war eindeutig: Der Kurs von AstraZeneca fiel am Montagvormittag um fast sieben Prozent. Sollte dies ein Test gewesen sein, wie die Märkte wohl reagieren, steht das Ergebnis bereits fest. Der Zusammenschluss ist bei den Investoren durchgefallen.Dabei lassen sich durchaus Argumente für eine Fusion finden. Bristol Myers Squibb (BMS) drohen in den kommenden Jahren hohe Umsatzausfälle durch Patentabläufe von wichtigen Medikamenten wie etwa dem Blutgerinnungsmittel Eliquis oder dem Krebsmittel Opdivo. Etwa die Hälfte des Umsatzes von BMS (2025: rund 48 Milliarden Dollar) ist nach Daten des Schweizer Investmenthauses BB Biotech in den kommenden Jahren von Patentabläufen bedroht. Durch eine Fusion mit AstraZeneca könnte BMS die Ausfälle kompensieren.Was Patentabläufe angeht, steht AstraZeneca besser da. Dafür halten die Briten jedoch ihre Präsenz in den USA, dem wichtigsten Pharmamarkt der Welt, für ausbaufähig. Dazu könnte ihnen der US-Konzern BMS den Weg ebnen.Weder strategisch noch finanziell sinnvollDoch überzeugend wirken die Argumente auf viele Investoren nicht. Etwa bei Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment: „Falls die Fusionsgerüchte wahr sind, wäre dies der Fifa-Privatisierungs-Moment der Pharmabranche“, erklärt er. Manns spielt damit auf den gescheiterten Vorschlag von Fifa-Präsident Gianni Infantino an, künftige Fußball-Weltmeisterschaften teilweise an Investoren zu verkaufen. Ähnlich sieht Manns im Zusammenschluss von AstraZeneca und BMS „einen schlecht durchdachten Vorschlag, der von vielen Marktteilnehmern mit Unverständnis aufgenommen wird“.Ein Merger von AstraZeneca mit Bristol Myers Squibb mache weder strategisch noch finanziell Sinn, erläutert Manns seine ablehnende Haltung: „Viele der vergangenen Mega-Merger haben Wert zerstört, und die Forscher und Entwickler der betroffenen Unternehmen brauchten Jahre, um sich von den Merger-Schocks zu erholen.“BörsenTag Deshalb kommt der größte Deal der Geschichte so überraschend Die Pharmakonzerne AstraZeneca und Bristol Myers Squibb erwägen die größte Übernahme aller Zeiten. Dabei geht die Konkurrenz derzeit einen völlig anderen Weg. von Moritz KudermannAstraZeneca habe sich bisher immer als „innovatives Powerhouse“ aufgestellt. Eine solche Fusion würde nicht zur Unternehmenskultur passen. Das Unternehmen sollte die Merger-Gespräche unverzüglich beenden und sich wie bisher auf die Entwicklung der Pipeline fokussieren.Ähnlich äußerten sich andere Analysten: Angesichts des starken Wachstums und der Innovationen von AstraZeneca mache ihn die Aussicht auf eine Übernahme des US-Kontrahenten perplex, schrieb Michael Leuchten von der US-Bank Jefferies in einer ersten Reaktion. Zwar könne der Deal finanziell attraktiv sein und Mittel für Forschung und Entwicklung freisetzen. Aber wenn es ein Unternehmen gibt, das keine Finanzierung dafür benötigt, dann ist das aus der Sicht von Jefferies eben AstraZeneca, so Leuchten.Mögliche Bedenken in der US-RegierungZudem dürfte der Deal auch auf erhebliche kartellrechtliche Hürden stoßen. Insidern zufolge gibt es Bedenken, wie die US-Wettbewerbsbehörden unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump die Transaktion bewerten könnten. Trump legt den Fokus auf heimische Investitionen und den Ausbau der US-Produktion. Bei einer Fusion würde faktisch ein britisches Unternehmen einen großen US-Pharmakonzern übernehmen.„Ich gehe davon aus, dass eine von Trump geführte US-Wettbewerbsbehörde (FTC) die Fusion genau prüfen wird“, sagte Kartellrechtsanwalt André Barlow von der DBM Law Group. Sollte es bei bestimmten Medikamenten zu großen Überschneidungen kommen, seien wohl bedeutende Verkäufe von Unternehmensteilen erforderlich.Tatsächlich überschneiden sich die Portfolios beider Firmen stark: Sowohl AstraZeneca als auch Bristol Myers Squibb erzielen einen Großteil ihrer Umsätze mit Krebsmedikamenten, die teilweise direkt miteinander konkurrieren.Nach dem klaren Votum der Investoren werden die Pharma-Manager ihre Pläne wohl noch einmal überdenken. Vielleicht hilft dabei auch ein Blick in die Vergangenheit: Da zeigt sich, dass Fusionen in der Pharmaindustrie nicht nur größere Macht verleihen, sondern auch Beweglichkeit und Agilität einschränken. 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