Hinter der HeadlineEin Zusammenschluss der beiden Branchenriesen würde auf einen Schlag den umsatzstärksten Pharmakonzern der Welt schaffen. Während die Börse einen möglichen Deal skeptisch sieht, könnten Konkurrenten davon profitieren.Henning Hoelder03.08.2026, 17.38 UhrEs wäre der grösste Pharma-Deal der Geschichte und wohl eine der grössten Fusionen überhaupt. Am Sonntagabend berichtete die «Financial Times» unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass der britische Pharmakonzern AstraZeneca und sein US-Konkurrent Bristol Myers Squibb (BMS) einen Zusammenschluss geprüft hätten. Die Gespräche sollen sich noch in einem frühen Stadium befunden haben. Ob sie weiterhin andauern und letztlich zu einer Transaktion führen, sei unklar.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Später berichtete auch Bloomberg über Gespräche zwischen den beiden Pharmagrössen. Beide Konzerne lehnten eine Stellungnahme gegenüber Nachrichtenagenturen ab. Sollte der Deal zustande kommen, wäre er gemäss von Bloomberg News zusammengestellten Daten der grösste Pharma-Deal aller Zeiten und würde damit auch die 74 Mrd. $ schwere Übernahme von Celgene durch Bristol Myers Squibb aus dem Jahr 2019 übertreffen.Gemessen am Umsatz würde auf einen Schlag der grösste Arzneimittelhersteller der Welt entstehen. Beide Konzerne kamen 2025 zusammen auf einen Umsatz von rund 107 Mrd. $. Zum Vergleich: Der umsatzstärkste Pharmakonzern war 2025 Roche mit umgerechnet rund 78 Mrd. $ Umsatz, gefolgt von Eli Lilly und Merck & Co. mit jeweils rund 65 Mrd $.Auch an der Börse entstünde ein neues Pharmaschwergewicht. Die beiden Unternehmen kamen Freitagabend zusammen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 400 Mrd. $. Eli Lilly läge mit einem Börsenwert von rund 1 Bio. $ jedoch weiterhin komfortabel an der Spitze.Ob der Deal tatsächlich zustande kommt, ist allerdings noch längst nicht entschieden. Allein die kartellrechtlichen Hürden scheinen gross. Beide Konzerne sind Schwergewichte in der Krebstherapie. In den Bereichen Immunonkologie und Checkpoint-Inhibitoren stehen sich Hauptprodukte wie BMS’ Opdivo (Umsatz 2025: 10 Mrd. $) und AstraZenecas Imfinzi (Umsatz 2025: 6 Mrd. $) bei der Behandlung von Lungenkrebs direkt gegenüber.Doch nicht nur kartellrechtliche Hürden sind ein Thema. Auch die schlechten Erfahrungen mit früheren Pharma-Megafusionen sprechen gegen einen derart grossen Zusammenschluss. Sie erwiesen sich meist als langwierig, teuer und innovationshemmend. «Eigentlich ist die Zeit der grossen Pharmaübernahmen vorbei», sagt Thomas Heimann, Analyst bei der auf den Gesundheitssektor spezialisierten Investmentfirma HBM Partners. Pharmakonzerne würden sich mittlerweile eher auf kleinere, ergänzende Übernahmen konzentrieren.AstraZenecas Wachstum ist auf KursBranchenexperten und Analysten rätseln vor allem darüber, welche Vorteile eine Fusion für AstraZeneca bieten würde. Angesichts der überzeugenden Wachstumsaussichten und der Innovationsstärke zeigt sich Jefferies-Analyst Michael Leuchten geradezu «perplex» über die Nachricht. Zwar würde AstraZeneca kurzfristig von den Barmittelzuflüssen aus dem etablierten Geschäft von BMS profitieren. «Doch wir sehen nicht, wie ein Zusammenschluss den Aktionären von AstraZeneca langfristig Mehrwert schaffen sollte, da das Wachstum verwässert würde», schreibt er in einem Kurzkommentar vom Montagmorgen.In der Tat sind die Wachstumsaussichten der Briten deutlich stärker als die von BMS. AstraZeneca will den Jahresumsatz von knapp 59 Mrd. $ (2025) bis 2030 auf 80 Mrd. $ steigern. CEO Pascal Soriot selbst erklärte noch vergangene Woche vor Reportern, dass AstraZeneca «keine M&A-Deals benötigt, um das Umsatzziel zu erreichen».BMS hingegen drohen ab 2028 angesichts einer Patentklippe sinkende Verkäufe. Dann verlieren unter anderem der wichtige Blutverdünner Eliquis und die Krebsimmuntherapie Opdivo ihre Marktexklusivität.Zwar steht auch AstraZeneca vor einer möglichen Patentklippe. Diese dürfte sich jedoch erst ab 2031 bemerkbar machen, wenn die Exklusivrechte für die Blockbuster-Krebsmittel Imfinzi und Tagrisso auslaufen. Bis dahin bleibt dem Konzern Zeit, die Pipeline entweder durch eigene Innovationen oder gezielte Zukäufe weiter zu füllen.Als einzigen Vorteil für AstraZeneca sehen Branchenbeobachter einen verbesserten Zugang zum lukrativen US-Markt, der gegenwärtig etwas mehr als ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Der Konzern richtet seinen Fokus zunehmend auf die USA. Im vergangenen Jahr wandelte er seine Präsenz an den US-Börsen von American Depositary Shares (ADS) in eine reguläre Aktiennotierung an der New York Stock Exchange um. Hauptsitz und Erstnotiz sind jedoch in London gelieben.«Einen solchen Mega-Deal durchzuführen, um in den USA besser Fuss fassen zu können, erscheint mir ziemlich komplex, auch in Anbetracht der aktuellen aussichtsreichen Positionierung von AstraZeneca bezüglich Wachstum und Innovationen», sagt Heimann. Erfolgreiche Pharmaunternehmen hätten in der Vergangenheit ihr Portfolio eher durch den Zukauf einzelner Produkte oder kleinerer Unternehmen gestärkt.Roche und Novartis könnten profitierenSollte die Megafusion tatsächlich zustande kommen, wären die genauen Folgen für den Pharmamarkt schwer abzuschätzen. Heimann sieht Vor-und Nachteile. «Einerseits hätte ein derart grosses Pharmaschwergewicht eine erhebliche Vertriebs- und Verhandlungsmacht. Andererseits würde der Zusammenschluss die Unternehmen auf Jahre hinaus träge machen – zum Vorteil der Konkurrenz.»Auch Lukas Leu von der Zürcher Investmentboutique ATG Healthcare Investments sieht Konkurrenten wie Roche und Novartis als Profiteure einer möglichen Megafusion, da sie bei AstraZeneca und BMS «jegliche Innovation ausbremsen würde». Hinzu komme, dass es bei solch grossen Deals üblich sei, dass die US-Wettbewerbsbehörde FTC ihre Zustimmung an Auflagen knüpft, die den Verkauf einzelner Medikamente oder Entwicklungsprojekte betreffen. «Dadurch könnten sich für andere Pharmakonzerne attraktive Gelegenheiten für Übernahmen ergeben», sagt Leu.Urban Fritsche, Pharmaanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, sieht noch einen weiteren Vorteil für Roche und Novartis. «Sollte es tatsächlich zu einem Deal zwischen AstraZeneca und BMS kommen, gäbe es für längere Zeit zwei Konkurrenten weniger auf dem Markt für Biotech-Übernahmen.» Solche grossen Fusionen hätten sich in der Vergangenheit nur selten ausgezahlt und dazu geführt, dass die beteiligten Unternehmen über Jahre hinweg vor allem mit sich selbst beschäftigt waren.Was an den Gerüchten über eine Fusion dran ist, wird die Zeit zeigen. Sicher ist, dass die Unternehmen früher oder später Stellung beziehen müssen, um die Unsicherheit am Markt nicht weiter zu schüren. Das gilt insbesondere für AstraZeneca. Das Verdikt der Börse über einen möglichen Zusammenschluss fiel am Montag eindeutig aus: Die Aktien verloren rund 8%, während jene von BMS mit einem Minus von rund 1% vergleichsweise stabil blieben. Schweigt AstraZeneca weiterhin, dürfte dies die Unsicherheit zusätzlich erhöhen.
Gerüchte um Megafusion zwischen AstraZeneca und BMS irritieren den Markt
Ein Zusammenschluss der beiden Branchenriesen würde auf einen Schlag den umsatzstärksten Pharmakonzern der Welt schaffen.










