Ein verblüffender U-Turn in der Transfersaga um Vinzenz Rohrer: Statt zum HC Davos wechselt der Stürmer nach ZugDer umworbene ZSC-Angreifer Vinzenz Rohrer schliesst sich dem EV Zug an. In Bern und Davos hatten noch am Sonntag Hoffnungen gekeimt, Rohrer verpflichten zu können. In der Branche kursieren groteske angebliche Lohnsummen.03.08.2026, 12.51 Uhr4 LeseminutenAktualisiertBald im Tenü des EV Zug zu sehen: der Zürcher Publikumsliebling Vinzenz Rohrer.IMAGO / Stefan EmchNoch am Sonntag war die Zuversicht im HC Davos gross. «Es ist noch nicht unterschrieben, aber auf gutem Weg», sagte einer, der das wissen muss und nicht zu Übertreibungen neigt. Doch in der Nacht auf Montag erteilte der ZSC-Angreifer Vinzenz Rohrer dem HCD eine Absage. Es ist ein «Nein», das in Davos nach allerlei konstruktiven Gesprächen Verwunderung ausgelöst hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Rohrer, 21, ist ein in Zürich ausgebildeter österreichischer Nationalspieler, der das Ausländerkontingent in der Schweiz nicht belastet. Rohrer war 2022 ein Drittrundendraft der Montréal Canadiens; im Frühjahr beendete er die Saison nach dem frühen Play-off-Aus der ZSC Lions im AHL-Farmteam Laval Rocket (6 Spiele, 1 Tor / 2 Assists). Aber inzwischen scheint die Begeisterung an einer Fortsetzung der Liaison auf beiden Seiten erkaltet.Weshalb in den letzten Wochen in der National League ein Transfer-Wettstreit entbrannte. Der ZSC hätte Rohrer gerne gehalten, wenn auch nicht zu jedem Preis: Die Zürcher offerierten ihm den gleichen Lohn wie in der Saison 2025/26 und erhielten bald eine Absage. In der Nacht auf Montag erhielt der SC Bern den gleichen Bescheid.Rohrer, das berichten mehrere Insider, wechselt nach Zug. Wo er vom neuen, unerfahrenen Sportchef Ted Suihkonen zum Wunschkandidaten erkoren wurde. Der im Juni unvermittelt vom Skills Coach zum General Manager aufgestiegene Suihkonen reiste eigens nach Österreich, um Rohrer zu einer Unterschrift beim krisengeschüttelten EVZ mit seiner irrlichternden Vereinsführung zu bewegen. Vor einigen Wochen wandten sich dort die Spieler geschlossen per Brief besorgt an den Verwaltungsrat und verlangten Antworten.Seither ist der Klub versucht, die Gemüter zu beruhigen. Namhafte Transfers sind da willkommen. Und wie aus der Branche zu vernehmen ist, spielt es eine untergeordnete Rolle, was diese kosten und ob sie die Lohnstruktur sprengen. Im «Fall Rohrer» kursieren abenteuerlichste Zahlen. Von einem langfristigen Vertrag mit einem Jahressalär zwischen 750 000 und 800 000 Franken ist die Rede. Verifizieren lässt sich das nicht, aber mehrere gut informierte Personen aus der Branche nennen diese Reichweite unabhängig voneinander. Sie hat etwas Absurdes – diese Sphären sind eigentlich für Ausnahmespieler wie Sven Andrighetto und Denis Malgin reserviert. Sicher ist, dass Rohrer auch anderswo lukrative Fünfjahresverträge angeboten wurden.Die Begeisterung zwischen ihm und Montréal ist erkaltetRohrer war 2024 und vor allem 2025 ein Kernelement der ZSC-Meisterequipen gewesen. Mit seiner unerschrockenen, unbekümmerten Spielweise hatte er einem routinierten Team reichlich Energie beigefügt. In der letzten Spielzeit blieb er mit nur fünf Toren und 13 Skorerpunkten aus 50 Partien hinter den Erwartungen zurück; es schien, als hätte er Mühe damit, zu akzeptieren, wie schnell ihn Montreal im Herbst aus dem Kader strich.Nach der Rückkehr nach Zürich fehlte ihm die Leichtigkeit, die sein Spiel ausmacht. Als er gefragt wurde, weshalb es ihm nicht läuft, sagte er: «Ich kann darauf keine einfache Antwort geben. Vieles geschieht unterbewusst. Vielleicht ist es die Enttäuschung darüber, dass es noch nicht für die NHL gereicht hat. Aber ich versuche, gleich glücklich zu sein und Spass zu haben.»Rohrers Vater war Tennisprofi, aber der Filius entschied sich fürs EishockeyRohrer ist ein interessanter junger Mann. Er stammt aus Rankweil, einem Dorf in Vorarlberg nahe der Schweizer Grenze. Sein Vater Stefan Lochbihler war Tennisprofi und schaffte es in der ATP-Weltrangliste auf Platz 141. Auch Vinzenz denkt darüber nach, sich im Tennis zu verwirklichen, wird aber später sagen: «Es gefällt mir, dass im Tennis alles in deiner Kontrolle liegt. Du kannst niemandem sonst die Schuld geben, wenn du verlierst.» Aber es sei im Vergleich zum Eishockey so viel schwieriger, den Durchbruch im Tennis zu schaffen. «Wenn du die Nummer 600 der Welt bist, hast du Chancen auf einen NHL-Platz. Als Nummer 1200 kannst du vielleicht in der Schweiz gutes Geld verdienen. Im Gegensatz zum Tennis, wo du nicht davon leben könntest.»Er wechselt früh nach Zürich, weil das sein Sandkastenfreund (und heutiger NHL-Stammspieler mit einem Salär von fünf Millionen Dollar) Marco Rossi auch schon getan hat. Ein Leben für die Karriere, fürs Eishockey? Nicht ganz. Rohrer hat viele Interessen, zu Hause spielt er auf seinem eigenen Klavier, er hat sich das selbst beigebracht. Er übt sich täglich in der buddhistischen Meditationstechnik «Vipassana», auf die unter anderem auch Oprah Winfrey schwört. Er liest viel, etwa über die Kraft der Spiritualität.Die Begabung, sich abzulenken, dürfte ihm in Zug zupasskommen. Nach dieser Transfersaga wird die Erwartungshaltung gross sein.Passend zum Artikel
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