Die Übernahme des Lokalrivalen Credit Suisse beginnt sich für die Zürcher UBS immer mehr auszuzahlen. Ähnlich wie die Wettbewerber in Übersee profitiert die Schweizer Großbank zudem vom florierenden Wertpapierhandel. So erzielte sie im zweiten Quartal 2026 einen Gewinn vor Steuern von 3,6 Milliarden Dollar. Das sind 64 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahreszeit, in der allerdings Sondereffekte das Ergebnis belastet hatten. Aber auch auf bereinigter Basis kam es zu einem beachtlichen Gewinnschub von 45 Prozent. Die Rendite bezogen auf das Kernkapital verbesserte sich um zwei Prozentpunkte auf 15,4 Prozent.In einer Telefonkonferenz erinnerte der UBS-Vorstandsvorsitzende Sergio Ermotti an den schwierigen Weg, den die UBS seit der Notübernahme der Credit Suisse (CS) vor drei Jahren hinter sich gebracht hat. Die CS stand damals kurz vor dem Kollaps und brachte große Altlasten in die staatlich orchestrierte Übernahme durch die UBS mit. Er habe von Anfang an deutlich gemacht, dass diese Übernahme kein Geschenk gewesen sei, sondern eher ein Pokal, den sich die UBS zunächst habe verdienen müssen, sagte Ermotti. Die Reise sei nicht geradlinig verlaufen und habe harte Arbeit sowie schmerzhafte Entscheidungen erfordert. „Nun zahlen sich diese Anstrengungen aus.“Schmerzhaft waren vor allem die Einschnitte in die Personaldecke der fusionierten Bank. Per Ende Juni ist die Zahl der Vollzeitstellen erstmals knapp unter die Marke 100.000 gefallen. Seit 2023 sind somit 16.000 Stellen gestrichen worden. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Vor allem IT-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Denn wie Ermotti betonte, hat die Bank große Fortschritte bei der Stilllegung der übernommenen technischen Infrastruktur der Credit Suisse gemacht: „Mehr als 90 Prozent der alten Anwendungen werden nicht länger genutzt, und rund 70 Prozent sind bereits vollständig außer Betrieb genommen.“Verwaltete Vermögen von 7,3 Billionen DollarAllein im zweiten Quartal habe man die Kosten zusätzlich um 1,1 Milliarden Dollar gesenkt. Damit sei man auf gutem Weg, bis zum Ende dieses Jahres das gesetzte Einsparziel von insgesamt 13,5 Milliarden Dollar zu erreichen und die Integration der CS weitgehend abzuschließen.Die Kostensenkungen sind mitentscheidend dafür, dass die UBS wieder auf das Ertragsniveau zurückkommt, das sie vor dem Kauf des Problemkinds Credit Suisse hatte. Wichtig sind aber auch weitere Fortschritte im operativen Geschäft. Im zweiten Quartal sah es diesbezüglich gut aus. In der Paradedisziplin Vermögensverwaltung, in der die Bank zu den größten Anbietern der Welt gehört, flossen netto neue Kundengelder von 36 Milliarden Dollar zu. Insgesamt verwaltete der Schweizer Finanzriese per Ende Juni Vermögenswerte von 7,3 Billionen Dollar.Die Einnahmen aus der globalen Vermögensverwaltung kletterten um 14 Prozent auf knapp sieben Milliarden Dollar. Daraus generierte die UBS einen Gewinn vor Steuern von zwei Milliarden Dollar – 38 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahreszeit. Noch deutlich dynamischer entwickelte sich das Investmentbanking. Hier schossen die Einnahmen um 31 Prozent nach oben; der Bruttogewinn verdoppelte sich auf 1,2 Milliarden Dollar. Die Investmentbank profitierte von den Schwankungen an den Finanzmärkten und dem regen Aktienhandel, der unter anderem durch den Börsengang von SpaceX stimuliert wurde. Auch die Geschäfte im Schweizer Heimatmarkt, in dem die UBS als Universalbank agiert, und mit der Vermögensverwaltung institutioneller Anleger (Assetmanagement) warfen höhere Gewinne ab.Insgesamt fielen die Ergebnisse besser aus als erwartet. Daher legte der Aktienkurs der UBS im Verlauf des Mittwochs um gut zwei Prozent auf 43,40 Franken zu. Damit setzte er seine Aufwärtsentwicklung fort. Für die vergangenen drei Monate steht ein Kursplus von 30 Prozent zu Buche. Dazu dürfte auch die inzwischen weitverbreitete Erwartung beigetragen haben, dass das Schweizer Parlament die von der Regierung geplante Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen noch etwas aufweicht. Mit einer Entscheidung wird frühestens gegen Ende dieses Jahres gerechnet.Ungeachtet dieser offenen Flanke kündigte die UBS ein neues Programm zum Rückkauf eigener Aktien im Volumen von drei Milliarden Dollar an. Das Programm soll spätestens bis zum Ende des zweiten Quartals abgeschlossen werden.