Mit einem Lächeln die Faschisten stoppen? Ost-Historiker Kowalczuk im Gespräch über klebrige Ostalgie, AfD und die Ablehnung westlicher Liberalität.

taz: Herr Kowalczuk, was mag ein ostdeutscher Spitzenkandidat der AfD damit meinen, wenn er auf einer Wahlveranstaltung mit leuchtenden Augen ins Mikro brüllt: „Wir holen uns unser Land zurück!“ Die DDR, das Dritte Reich, die Weimarer Republik, das Kaiserreich – gibt ja eine breitere Auswahl.

Ilko-Sascha Kowalczuk: AfD-Politiker sind Faschisten. Natürlich ist nicht jedes NSDAP-Mitglied ein Nazi gewesen, nicht jedes SED-Mitglied ein Kommunist. Nicht jeder Wähler dieser Parteien war Kommunist oder Nazi, so ist es mit der AfD auch. Aber wer sich mit einem faschistischen Programm gemeinmacht – und die AfD hat eines –, der muss erst mal beweisen, kein Faschist zu sein. Es war der AfD-Opa Gauland, der mit diesem „Wir holen uns unser Land zurück“ anfing herumzubrüllen. Es ist der Ruf nach einer nationalen, homogenen, geschlossenen Gesellschaft, wo rechtsstaatliche Prinzipien, Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden.

lko-Sascha Kowalczuk

ist Historiker und Publizist und wissenschaftlicher Berater der Geschäftsführung des DDR-Museums Berlin. Er ist einer der renommiertesten Experten der Geschichte der DDR und des Kommunismus. Aktuelle Buchveröffentlichung: „Faschismus ist keine Meinung. Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ (Verlag C. H. Beck, München 2026, 236 Seiten, 23 Euro)