Die Queers trauerten eine Woche lang mit mehr Würde als die meisten, die ihr Beileid schickten. Jetzt muss sich zeigen, ob „Wir“ mehr ist als ein Wort.
S ieben Tage. Sieben Tage lang, so will es die jüdische Tradition, soll der Mensch in Ruhe trauern können. Um die toten Eltern oder Kinder, Partner:innen oder Geschwister. Die Gemeinschaft soll zusammensitzen, nah an der Erde – und jeden Spiegel im Haus mit einem Tuch verhängen. Denn in den sieben Tagen des Schivasitzens darf es keine Eitelkeit geben. Würde das doch nur gelten für die ganze Gesellschaft.
Eine Mutter aus Warschau ist tot, ihre Tochter und viele queere Geschwister sind schwer verletzt, weil ein Islamist seine Waffen gegen den Christopher Street Day im Berliner Tiergarten richtete. Die in Jahrzehnten mühsam erkämpfte, ohnehin relative Selbstverständlichkeit queeren Lebens in Berlin, in Deutschland und in Europa, auch sie ist schwer verletzt seit dem vergangenen Samstag.
Und trotzdem kam die queere Gemeinschaft schon Stunden nach der Tat zusammen, um zu trauern, vielerorts, aber auch ganz nahe dem Tatort, wo man tags zuvor noch tanzte, wieder exponiert, mit Tränen in den Augen, mit beeindruckender Ruhe. Mit Klarheit und Verstand.













