Die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet. Es sei nicht möglich, auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen, erklärte Albares nach Kritik anderer Staaten der Europäischen Union. Er kritisierte die „interessengeleitete Verwirrung“ rund um die Krise - ohne direkt auf eine bestimmte Regierung hinzuweisen. Zuvor hatte Italien angekündigt, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen.EU-Migrationskommissar Magnus Brunner schrieb auf X, Albares habe ihm in einem Telefonat erzählt, dass „praktisch alle, die nach Ceuta eingereist waren, zurückgekehrt sind“. „Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.“ Man bleibe in engem Kontakt. Am Samstag wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft zuvor mitgeteilt hatte. Am Montag folge ein Treffen der Botschafter der EU-Staaten, um die Entwicklungen zu bewerten und die Koordinierung zu erleichtern.Migration in Spanien:Weder zu essen noch zu trinken, und alle Läden zu – wie Ceuta dichtmachtNach dem Andrang von Flüchtlingen aus Marokko schließt die spanische Exklave ihre Geschäfte - um Tausende Migranten zur Rückkehr zu bewegen. Das Kalkül geht auf. Ein Besuch in Ceuta.In der spanischen Exklave Ceuta waren zuvor Zehntausende Migranten irregulär angekommen. Die genauen Zahlen schwankten: Das spanische Innenministerium sprach von 50 000 Menschen, örtliche Behörden gingen übereinstimmenden Medienberichten nach von 60 000 aus. Mindestens 57 Menschen sollen bei der gefährlichen Reise ums Leben gekommen sein, die meisten bei dem Versuch, schwimmend von Marokko aus nach Ceuta zu gelangen, wie der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums in Madrid berichtet.Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte den Vorgang einen „Angriff auf die territoriale Integrität Spaniens“. Zur Unterstützung der örtlichen Polizei hatte die spanische Regierung Soldaten nach Ceuta geschickt. Vor Ort schlossen alle Geschäfte und Restaurants – wohl, um Druck auf die Migranten auszuüben, wieder nach Marokko umzukehren. Spanische Sicherheitskräfte setzten auch Schlagstöcke ein, wie ein SZ-Reporter berichtet.Die Menschen waren von Marokko aus auf dem See- und dem Landweg in das Gebiet gekommen. Ceuta an der nordafrikanischen Küste ist immer wieder Ziel von Migranten, die von Marokko aus die EU erreichen wollen. Ceuta ist allerdings nicht Teil des Schengen-Raums. Die marokkanischen Sicherheitskräfte hätten sich beim Eintreffen der Migranten zurückgezogen, hieß es. Berichten nach sollen sie die Menschen sogar ermutigt haben, sich auf den Weg zum spanischen Territorium zu machen. In der Exklave leben nur circa 83 000 Menschen.Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla überwanden Hunderte Migranten die Grenze. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.Von der Leyen: Bilder sind inakzeptabelIn Brüssel sorgen die Nachrichten aus Spanien für große Unruhe. Die Außengrenzen zu schützen und damit die irreguläre Migration einzudämmen, hat derzeit höchste Priorität in der Europäischen Union. Mit einer restriktiven Migrationspolitik wollen viele Regierungen den rechten Parteien den Nährboden entziehen. Die Flüchtlingszahlen waren in den vergangenen Monaten auch stark gesunken – doch die Tausenden Migranten lassen auch die EU machtlos erscheinen.Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, nennt die Bilder aus Ceuta inakzeptabel und fordert ein hartes Vorgehen. „Gefährliche Überfahrten müssen sofort stoppen. Schleusernetzwerke müssten zerschlagen werden. Und Rückführungen müssten so schnell erfolgen, wie es unsere Regeln erlauben“, schrieb sie auf der Plattform X.Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte unterdessen an, die EU-rechtlich umstrittenen Kontrollen an den deutschen Grenzen über den September hinaus zu verlängern: „Unsere Erfolge beim Zurückdrängen der illegalen Migration müssen erhalten und weiter ausgebaut werden.“ Die Lage in Ceuta zeige, wie hoch der „Migrationsdruck“ auf Europa weiterhin sei.Besondere Brisanz gewinnen die Ereignisse in Ceuta durch die Person Sánchez. Der Sozialist widersetzte sich in der EU zuletzt immer wieder der harten Migrationspolitik, die von den konservativen Regierungen getragen wird. Für Empörung sorgte er in diesem Jahr mit einem außerordentlichen Regularisierungsprogramm. Das Bleiberecht winkt demnach Migranten, die sich bereits länger als fünf Monate in Spanien aufhalten. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni tat sich mit besonders scharfer Kritik hervor. Sie fordert angesichts der Nachrichten aus Ceuta, Spanien aus dem grenzkontrollfreien Schengen-Raum auszuschließen.Am Freitag kündigte Italiens Außenminister Antonio Tajani schließlich an, das Abkommen gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen. Dieser Schritt sei eine notwendige Entscheidung gewesen, „um die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten und die europäischen Grenzen zu schützen“, schrieb Tajani auf der Plattform X. Zuvor meldeten die italienischen Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos die vom Innenministerium in Rom angeordnete Schließung der See- und Luftgrenzen zu Spanien. Italien hat keine Landgrenze mit dem Land. Die Maßnahme dürfte daher Reisende, die mit dem Flugzeug oder Schiff unterwegs sind, mit neuen Grenzkontrollen betreffen. Kritiker der rechten Regierung in Rom werteten den Schritt als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik.Der spanischen Zeitung El Mundo zufolge sollen die wiedereingeführten Grenzkontrollen stichprobenartig erfolgen und spanische sowie andere europäische Reisende nicht betreffen.Die finnische Innenministerin Mari Rantanen schrieb auf X, Spanien habe dabei versagt, die Außengrenze des Schengen-Raums zu schützen. Die EU-Länder müssten die Forderung von Meloni unterstützen. Auch Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson schrieb auf der Plattform X, Spanien müsse die Kontrolle wiedererlangen und den Verpflichtungen im Rahmen der Schengen-Zusammenarbeit nachkommen. Seine Regierung sei zu Maßnahmen bereit, „um Ordnung und Kontrolle zu gewährleisten“.Spaniens Ministerpräsident Sánchez reagierte schließlich auf die Kritik und rief die Partner zur Achtung der EU-Regeln auf. „Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig. Die Achtung der europäischen Verträge und der Datenlage ist es nicht“, schrieb er auf X. Es sei an der Zeit, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen - und Europa nicht zu spalten.Sánchez verwies auf Daten der EU-Grenzschutzbehörde Frontex, denen zufolge Spanien nicht der wichtigste Zugang für irreguläre Migration in die EU ist und seit 2021 deutlich niedrigere Zahlen aufweist als etwa die Mittelmeerroute über Italien, die Westbalkanroute und die Route über Griechenland. In den vergangenen fünf Jahren gelangten demnach 478 600 irreguläre Migranten über Italien in die EU. Über Spanien reisten im Vergleich dazu 234 760 Menschen irregulär ein.Grenzzäune waren zeitweise nicht bewachtImmer wieder versuchen Menschen, von Marokko aus schwimmend oder über die Grenzanlagen in die spanische Exklave und damit auf EU-Gebiet zu gelangen. Die Grenzzäune sind auf Wellenbrechern angebracht und ragen nur wenige Meter ins Meer. Eigentlich könnte man sie leicht umschwimmen, allerdings sind sie streng bewacht.Viele Menschen nutzen Schwimmhilfen,... AP Photo/Antonio Sempere... die nun den Strand übersähen. Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpaNach der Ankunft suchen sie sich auf den Straßen Plätze zum Übernachten. Antonio Sempere/AP Photo/Antonio SempereDie Migranten machen deshalb meistens von der marokkanischen Stadt Fnideq aus kilometerweite Umwege über das offene Meer, um nicht entdeckt zu werden. Viele können aber kaum schwimmen und benutzen Schwimmreifen, um sich über Wasser zu halten. Dabei ertrinken immer wieder Menschen, so auch in den vergangenen Tagen.In der aktuellen Situation, in der die Grenzbeamten wegen der vielen Migranten nicht mehr Herr der Situation waren, mussten die Menschen deutlich weniger Strecke schwimmend zurücklegen.Sie konnten südlich der Grenze ins Wasser gehen und auf der anderen Seite wieder an den Strand. Auf Fotos und Videos war außerdem zu sehen, wie sie ungehindert durch ein Seitentor der spanischen Grenzanlagen gehen.Migranten überqueren die Grenze von Marokko in die spanische Exklave Ceuta. Antonio Sempere/AP/dpaDas Seitentor zwischen Grenzanlagen und Strand. Marcos Moreno/IMAGO/Anadolu AgencyGerichtsurteil war mutmaßlich AuslöserMit Auslöser der neuen Fluchtbewegung aus Afrika war mutmaßlich ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vor zwei Wochen: Es verbot das Zurücktreiben – „Pushbacks“ oder auch „heiße Rückführungen“ genannt – von Migranten im Meer, die Zugang an Land suchen.Auch nach EU-Recht sind solche Abweisungen an der Grenze zwar teils untersagt. Spanien berief sich bislang allerdings auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, laut dem das Land Personen, die gewaltsam den Grenzzaun überwinden, unter bestimmten Voraussetzungen unmittelbar nach Marokko zurückweisen darf. Spaniens Oberstes Gericht stellte nun jedoch fest, diese sogenannten Pushbacks dürfen nicht bei Migranten angewendet werden, die schwimmend in spanisches Territorium gelangen, da sie zu keinem Zeitpunkt eine Grenzsicherung überwinden.
Laut Madrid: Nahezu alle Migranten haben Ceuta verlassen
Mindestens 50 000 Menschen drängten nach Ceuta – jetzt sind der spanischen Regierung zufolge fast alle zurück in Marokko. Ministerpräsident Sánchez ermahnt die europäischen Partner zur Einhaltung der EU-Verträge.












