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Spanische Exklave: Massenansturm auf Ceuta – Dutzende Menschen ums Leben gekommen Zehntausende Migranten drängen seit Tagen in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta. Es gibt Tote. Vonseiten der EU kommt scharfe Kritik.
Migranten versuchen von Marokko aus in die spanische Enklave Ceuta zu gelangen. Foto: Antonio Sempere/AP/dpaNach dem Ansturm zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta haben Spanien und Marokko einen großen Teil der Menschen wieder zurückgeschickt. Bei dem Versuch, über den Grenzzaun oder schwimmend über den Uferbereich das Küstengebiet von Marokko zu erreichen, kamen Behördenangaben zufolge mindestens 34 Menschen ums Leben.Der Verwaltungschef der Exklave, Juan Jesús Vivas, sagte am Freitag, schätzungsweise seien etwa 60.000 Menschen in den vergangenen Tagen nach Ceuta gelangt, das regulär rund 80.000 Einwohner hat. Der beispiellose Andrang löste auch Spannungen innerhalb der EU aus. Die italienische Regierung drohte damit, das Schengen-Abkommen über die Reisefreiheit mit Spanien auszusetzen.EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die EU sei in Kontakt mit Marokko, um die Krise zu lösen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez reiste kurzfristig nach Ceuta und sprach dort von einer Verletzung der territorialen Souveränität. Seine Regierung werde die Rückführung der zuletzt irregulär eingereisten Migranten beschleunigen, sagte Sanchez.Sanchez-Rückführung soll beschleunigt werdenDas spanische Innenministerium erklärte, am Freitag seien bisher rund 25.000 Migranten nach Marokko zurückgeführt worden. Sie seien alle freiwillig zurückgekehrt. Sanchez dankte den marokkanischen Behörden für ihre Kooperation dabei. Man werde zudem prüfen, ob Gesetzesänderungen nötig seien, um die Rückführung von Migranten zu garantieren, erklärte Sanchez. Schlepper-Mafiabanden hätten ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens eigennützig interpretiert.Hintergrund des Ansturms ist ein Urteil des Gerichts von Anfang des Monats. Demnach dürfen Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta nahe der Straße von Gibraltar oder in die andere spanische Nordafrika-Exklave Melilla abgefangen werden, nicht umgehend wieder zurückgeschickt werden.Spanien und Marokko verstärkten die Grenzanlagen. An den Übergängen setzte die marokkanische Polizei Wasserwerfer ein, um Menschen zurückzudrängen. Die verkohlten Überreste eines Busses und sieben Autos zeugten von gewaltsamen Zusammenstößen. „Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, warum ich hergekommen bin, und jetzt gehe ich wieder zurück“, sagte ein junger Marokkaner aus Tanger zu Reuters. „Ich habe seit dem Mittagessen gestern nichts mehr gegessen, obwohl ich etwas Geld dabei hatte ... Was wir hier tun, ist weder gut noch angenehm.“Scharfe Kritik aus EU-Hauptstädten – Sorge um SchengenEU-Kommissionschefin von der Leyen betonte auf der Online-Plattform X: „Wir können nicht zulassen, dass jemand in unsere Union kommt, ohne unsere Regeln zu befolgen.“ Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Spanien wolle und müsse die Situation in Ceuta schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen. „Ich begrüße daher die spanische Absicht, die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen.“ Von Marokko erwarte man, dass es die Migranten „unverzüglich wieder zurücknehmen“.Außenminister Johann Wadephul sagte, jetzt sei schnelles und gemeinsames Handeln im Sinne der Europäischen Union gefragt, „um den Schengenraum – eine der größten Errungenschaften der EU – zu schützen und offenzuhalten“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ergänzte, Deutschland werde die „Migrationswende“ fortsetzen. „Wir werden die Möglichkeit der Binnengrenzkontrollen über den September hinaus verlängern.“Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor einem Zuwachs illegaler Einreiseversuche nach Deutschland. „Die Situation zeigt auch, dass die unerlaubte Migration in keiner Weise erledigt ist“, sagte Andreas Roßkopf, Vorsitzender des Bereichs Bundespolizei der GdP, dem „Tagesspiegel“. „Wir erleben nun, dass es sofort wieder losgehen kann.“Der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker kritisierte, die Entscheidung der sozialdemokratischen Regierung in Madrid, „tausenden illegalen Migranten einen Aufenthaltstitel zu gewähren, hat sich als zusätzlicher Anreiz für illegale Migration erwiesen“. Sollte Österreich Druck auf seine nationalen Grenzen spüren, „werden wir alles unternehmen, um diese zu schützen – dazu gehören im Bedarfsfall auch temporäre Schließungen der Schengen-Grenzen“, erklärte der konservative Regierungschef.Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, ihr Land sei bereit, die Grenzen und die Sicherheit der Bürger mit außerordentlichen Maßnahmen zu verteidigen. Dazu gehöre auch die Aussetzung des Schengen-Raums mit Spanien. Frankreichs Innenminister Laurent Nunez kündigte an, die Kontrollen an der spanischen Grenze „unverzüglich zu verstärken“. Der italienische Außenminister Antonio Tajani warf der spanischen Regierung vor, mit einer falschen Einwanderungspolitik den Menschenhandel zu fördern. Sein spanischer Kollege José Manuel Albares wies dies als „unangemessen“ zurück und kündigte an, den italienischen Botschafter aus Protest einzubestellen. Er erwarte von einem Partner „Solidarität und keine parteipolitische Demagogie“.Der britische Premierminister Andy Burnham bezeichnete die Lage als „besorgniserregend“. Seine Regierung habe Kontakt nach Madrid aufgenommen, um sich ein Bild von den Auswirkungen zu machen und Unterstützung zu leisten, sagte der Labour-Politiker.Ceuta und Melilla sind die einzigen Landgrenzen der EU mit Afrika. Obwohl es immer wieder zu Versuchen kommt, die Grenzen zu überwinden, ist das jetzige Ausmaß ohne Beispiel. rtr Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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