Live-TickerDie Lage in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika ist nach der Ankunft Tausender Migranten angespannt. Die wichtigsten Antworten zur Migrationskrise.NZZ-Redaktion31.07.2026, 11.55 Uhr4 LeseminutenOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Finnlands Innenministerin Mari Rantanen fordert auf der Plattform X: Alle europäischen Länder sollen den Vorschlag der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni unterstützen, Spanien aus dem Schengenraum auszuschliessen. «Länder, die ihrer Verpflichtung zum Schutz der Aussengrenze nicht nachkommen, können nicht Mitglieder des Schengen-Raums sein», schreibt Rantanen auf X.49 000 Migranten angekommenDas spanische Innenministerium teilt mit, dass seit dem Vortag etwa 49 000 Migranten über das Land und das Meer in Ceuta angekommen seien.Auch zweite Exklave Melilla betroffenDie Lage in der spanischen Nordafrika-Exklave ist angespannt. Auch in der zweiten Exklave Melilla haben Hunderte Migranten die Grenze überwunden. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.InhaltsverzeichnisWas ist in Ceuta passiert?Was hat den Zustrom der Migranten ausgelöst?Wie verhält sich die spanische Politik?Wie reagiert Europa?Wie ist die Lage in Melilla?Was ist in Ceuta passiert?Am Donnerstagnachmittag (30. 7.) sind innert weniger Stunden Tausende Migranten ungehindert von Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangt. Um wie viele Personen es sich gehandelt hat, ist derzeit noch unklar. Spaniens Innenministerium hat am Freitag (31. 7.) mitgeteilt, dass nach ersten Schätzungen 49 000 Migranten Ceuta erreicht hätten. Die meisten sind auf marokkanischem Boden möglichst nahe an die spanische Exklave gelaufen und dann über die Grenze in den Küstenort geschwommen. Nach derzeitigen Informationen sind mindestens 18 Migranten ums Leben gekommen.In der Nacht auf Freitag haben in Ceuta dann Hunderte junge Migranten auf den Strassen der 83 000-Einwohner-Stadt Ceuta übernachtet, hat «El País» berichtet. Viele von ihnen trügen kaum etwas am Leibe. Bis zum Morgen sind zahlreiche weitere Menschen über die Grenze gekommen.Der Druck auf die marokkanisch-spanische Grenze hatte bereits in den Tagen davor stark zugenommen. Laut Angaben der Regionalregierung sind in den letzten zehn Tagen mehr als 2000 Migranten nach Ceuta gelangt. Die Aufnahmezentren seien teilweise zu über 200 Prozent belegt, hat Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas am Donnerstag (30. 7.) gesagt.Beim Versuch nach Ceuta zu schwimmen, sind am 30. Juli auch Menschen verstorben.Marcos Moreno / GettyWas hat den Zustrom der Migranten ausgelöst?Es gibt verschiedene Theorien, warum der migrantische Zustrom seit kurzem so stark zugenommen hat. Ein Urteil von Spaniens Oberstem Gerichtshof könnte dazu beigetragen haben, dass so viele Menschen den Weg über das Meer wählen. So hat das Richtergremium Anfang Juli entschieden, dass Migranten, die Ceuta schwimmend erreichen, nicht ohne reguläres Verfahren sofort nach Marokko zurückgeschickt werden dürfen. Anders als Menschen, die zum Beispiel Zäune überwänden, hätten sie die Grenze nicht gewaltsam überschritten.Spanische Medien spekulieren allerdings auch, dass das volatile diplomatische Verhältnis zu Marokko die neue Zunahme der irregulären Migration begünstigt haben könnte. Spanien hat mit Marokko eine Vereinbarung, wonach das Nachbarland Migranten, die irregulär in das EU-Land kommen wollen, kontrolliert und von der Abreise abhält. Marokko hat die Grenzkontrollen jedoch schon mehrfach gelockert, um politischen Druck auf Madrid auszuüben.Zu Verstimmung in Marokko könnte geführt haben, dass Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez am 20. Juli erstmals seit vier Jahren Algerien besucht hat. Marokko ringt mit Algerien unter anderem um die Westsahara.Auch die lockere Migrationspolitik von Spanien könnte das Land für Migranten attraktiver gemacht haben. So hat die spanische Regierung jüngst eine massive Regularisierung von Immigranten ohne Papiere beschlossen. Bis Ende Juni haben 1,2 Millionen irregulär Eingereiste eine Legalisierung ihres Aufenthalts beantragt.Wie verhält sich die spanische Politik?Juan Jesús Vivas, der Regionalpräsident von Ceuta, hat die spanische Zentralregierung am Donnerstag (30. 7.) dazu aufgefordert, den nationalen Notstand auszurufen und die Armee einzusetzen. Laut Medienberichten hat die spanische Regierung inzwischen den Einsatz von in Ceuta stationierten Militäreinheiten zur Unterstützung der Grenzbeamten angeordnet.Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat für den Freitag (31. 7.) angekündigt, nach Ceuta zu reisen. Die Regierung werde in Kooperation mit den marokkanischen und internationalen Behörden alle notwendigen Ressourcen einsetzen, um in der Exklave wieder «Normalität» herzustellen, hat Sánchez auf X geschrieben.Wie reagiert Europa?Der EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hat auf X angekündigt, dass die EU bereit sei, Spanien – «unter anderem über Frontex» – verstärkt zu unterstützen, um die Lage in Ceuta unter Kontrolle zu bringen. Laut Brunner stehe die EU in Kontakt mit den marokkanischen Behörden, um die «gefährlichen Reisen» von marokkanischen Migranten über das Meer zu verhindern.Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat sich auf X von den Aufnahmen aus Ceuta schockiert gezeigt. Erneut werde deutlich, dass «unkontrollierte illegale Einwanderung eine konkrete Bedrohung für die Sicherheit der europäischen Grenzen darstellt», hat Meloni auf X geschrieben. Italien wolle die zuständigen Gremien einberufen und möglicherweise auch aussergewöhnliche Massnahmen ergreifen, etwa Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschliessen.Le immagini che arrivano da Ceuta sono impressionanti e dimostrano, ancora una volta, che l’immigrazione clandestina fuori controllo rappresenta una minaccia concreta per la sicurezza dei confini europei.Mi sono confrontata con il Ministro dell’Interno Matteo Piantedosi.…— Giorgia Meloni (@GiorgiaMeloni) July 30, 2026