Binnen 24 Stunden sind nach spanischen Angaben rund 49 000 Migranten in die Exklave Ceuta gelangt. Sie seien von Marokko aus auf dem See- und Landweg in das Gebiet gekommen, teilte das Innenministerium mit. Ceuta an der nordafrikanischen Küste ist immer wieder Ziel von Migranten, die von Marokko aus die EU erreichen wollen. Allein am Donnerstag sollen mindestens neun Menschen beim Versuch, nach Europa zu gelangen, ums Leben gekommen sein. Zur Unterstützung der örtlichen Polizei hat die spanische Regierung Soldaten nach Ceuta geschickt.Die am Donnerstag ankommenden Migranten hätten die Sperranlagen vor der Stadt überwunden, die zu diesem Zeitpunkt nicht von der Polizei bewacht worden seien, meldete die spanische Nachrichtenagentur EFE. Unter ihnen seien Hunderte Jugendliche gewesen. Die marokkanischen Sicherheitskräfte hätten sich beim Eintreffen der Migranten zurückgezogen. Die spanische Polizei bestätigte einen Ansturm, ohne zunächst Zahlen zu nennen.Plattform XDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Plattform X angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Plattform X angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Aufnahmen zeigten Migranten, die beim Betreten des Gebiets „Es lebe Spanien“ riefen. Der Regierungschef von Ceuta, Juan Jesús Vivas, forderte die spanische Regierung auf, den Notstand auszurufen und das Militär an der Grenze zwischen Marokko und Ceuta einzusetzen. Die Regierung in Madrid reagierte. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, entsandte sie 60 Soldaten sowie 200 Spezialkräfte der Polizei nach Ceuta, teilte das Innenministerium noch am späten Donnerstagabend mit. Ministerpräsident Pedro Sánchez wird am Freitag gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska in der Stadt erwartet, um sich mit Sicherheitskräften und lokalen Behörden zu beraten.Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla überwanden Hunderte Migranten die Grenze. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.Ceuta gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Zugangspunkte für afrikanische Migranten nach Europa. Immer wieder versuchen Menschen, von Marokko aus schwimmend oder über die Grenzanlagen in die spanische Exklave und damit auf EU-Gebiet zu gelangen. In den vergangenen Tagen ist ihre Zahl deutlich gestiegen. Am Mittwoch hatte Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Hunderte Migranten müssten auf den Straßen übernachten.Die Menschen versuchen, sich über Wasser zu halten. AP Photo/Antonio SempereWer nach Ceuta will, muss vier Stunden durchs Meer schwimmenDer Weg nach Ceuta ist für viele aber lebensgefährlich. Wer die spanische Stadt und ihre Strände bei Benzú und Tarajal erreichen will, muss vom marokkanischen Staatsgebiet aus unter Umgehung der Absperreinrichtungen im Meer fast vier Stunden schwimmen. Viele der Migranten können aber kaum schwimmen und benutzen Schwimmreifen, um sich über Wasser zu halten. Dabei ertrinken immer wieder Menschen, so auch in den vergangenen Tagen.Viele Migranten kommen mit Schwimmreifen. AP Photo/Antonio SempereIn der Nacht auf Mittwoch mussten das Rote Kreuz, der spanische Seenotrettungsdienst sowie die spanischen und marokkanischen Grenzschutzbeamten mehr als einhundert Menschen bei Ceuta vor dem Ertrinken retten. Die meisten, die so ihr Glück suchen, sind jugendliche Marokkaner. Viele Migranten stammen auch aus Algerien oder dem Sudan.Gerichtsurteil war AuslöserAuslöser der neuen Fluchtbewegung aus Afrika war ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vor zwei Wochen: Es verbot das Zurücktreiben – „Pushbacks“ oder auch „heiße Rückführungen“ genannt – von Migranten im Meer, die Zugang an Land suchen.Auch nach EU-Recht sind solche Abweisungen an der Grenze zwar teils untersagt. Spanien berief sich bislang allerdings auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, laut dem das Land Personen, die gewaltsam den Grenzzaun überwinden, unter bestimmten Voraussetzungen unmittelbar nach Marokko zurückweisen darf. Spaniens Oberstes Gericht stellte nun jedoch fest, diese sogenannten Pushbacks dürfen nicht bei Migranten angewendet werden, die schwimmend in spanisches Territorium gelangen, da sie zu keinem Zeitpunkt eine Grenzsicherung überwinden.
Spanien: 49 000 Menschen gelangten binnen 24 Stunden nach Ceuta
Binnen 24 Stunden sind nach spanischen Angaben rund 49 000 Migranten in die Exklave Ceuta gelangt. Sie seien von Marokko aus auf dem See- und Landweg in das Gebiet gekommen, teilte das Innenministerium mit.











