Die anhaltende Trockenheit in Teilen Europas wird für die Energiewirtschaft zu einem immer wichtigeren Belastungsfaktor. Besonders sichtbar ist das in Ländern, deren Stromversorgung stark auf Wasserkraft beruht. Österreich ist dafür ein aufschlussreiches Beispiel.Dort bildet Wasserkraft seit Jahrzehnten das Rückgrat des Stromsystems. Rund 60 Prozent des Stroms stammen aus großen und kleinen Anlagen. Doch die schwache Wasserführung trifft die Branche inzwischen spürbar. Beim größten Kraftwerksbetreiber des Landes, dem teilstaatlichen Verbund, liegt die Erzeugung aus Wasserkraft nach Unternehmensangaben derzeit gut 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.Flusskraftwerke unter DruckDamit fällt die Produktion sogar schwächer aus als im bereits ungünstigen Vergleichszeitraum des Vorjahres. Eine Sprecherin bestätigte auf Anfrage, dass fehlende Niederschläge die Erzeugung deutlich beeinträchtigen.Betroffen sind nicht nur die großen Flusskraftwerke an Donau, Inn, Drau und Enns. Auch die mehr als 4000 Kleinwasserkraftwerke in Österreich leiden unter der Trockenheit. Deren Lage ist allerdings regional sehr unterschiedlich.Paul Ablinger, Geschäftsführer der Interessenvertretung Kleinwasserkraft Österreich, verwies gegenüber der Austria Presseagentur auf teils erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen. Während einige Betreiber Abweichungen von „nur“ 25 bis 30 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt verzeichneten, seien andere deutlich stärker betroffen.Klumpenrisiko WasserangebotFür Betreiber kleiner Anlagen kann das rasch existenzielle Bedeutung bekommen. Die Folgen der Trockenheit schlagen sich bereits in den Bilanzen nieder. Der Verbund meldete am Donnerstag für das erste Halbjahr einen Gewinnknick von mehr als einem Drittel auf 518 Millionen Euro. Besonders deutlich zeigt sich die hydrologische Schwäche am Erzeugungskoeffizienten der Laufwasserkraftwerke. Diese Kennzahl vergleicht das aktuell verfügbare Angebot an Wasser mit einem langjährigen Durchschnitt. Er lag um 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Stromproduktion aus Wasserkraft sank dadurch um fast zehn Prozent auf 11,2 Terawattstunden. Für den Verbund markiert das einen Einschnitt nach mehreren außergewöhnlich profitablen Jahren. Nun zeigt sich die Kehrseite eines Geschäftsmodells, das zwar klimafreundlich, aber stark vom Wasserangebot abhängig ist.Im europäischen Strommarkt nimmt der Verbund eine besondere Nischenrolle ein. Der Versorger zählt zu den großen Erzeugern von Strom aus Wasserkraft und ist zugleich im grenzüberschreitenden Handel tätig. Deshalb hat die Entwicklung in Österreich über den nationalen Markt hinaus Bedeutung.Die Dürre belastet nicht nur Wasserkraftbetreiber. Niedrige Flussstände können auch Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke treffen, wenn Kühlwasser knapp wird oder zu warm ist. Zugleich erschweren niedrige Pegel den Transport von Kohle, Öl oder Biomasse auf Binnenwasserwegen.