Weil die Donau historisch wenig Wasser führt, schaltet Ungarn sein Atomkraftwerk Paks vollständig ab. Wie Ministerpräsident Peter Magyar mitteilte, sollte der letzte Reaktorblock in der Nacht zum Sonntag heruntergefahren werden, damit wäre das Kraftwerk erstmals in den 44 Jahren seit seinem Bau komplett vom Netz. Das AKW mit seinen vier Reaktorblöcken liegt etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest und bezieht sein Kühlwasser aus der Donau. Der Fluss hat an seinem Unterlauf derzeit aber stellenweise nur ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Wasserstands.Zudem verfügte Magyar per Verordnung, dass die Stromversorgung für Großverbraucher in der Industrie eingestellt werden könne, falls diese „die von ihnen erwartete Verringerung des Verbrauchs nicht umsetzen“, sagte der Regierungschef. Spätestens ab Montag könne es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen, hatte Magyar bereits am Donnerstag angekündigt. Dann würden 2000 Megawatt Leistung ausfallen, während zugleich wegen der Hitze der Stromverbrauch in Privathaushalten und bei öffentlichen Dienstleistern steige. Und diese Lage könne wegen des erwarteten heißen Sommers noch Wochen andauern. Man setze nun die Stromreserven des Landes ein und kümmere sich um Importe.Zuvor hatte bereits der Donau-abwärts gelegene Nachbar Rumänien wegen eines massiven Rückgangs der Stromproduktion für den gesamten August landesweit den Notstand ausgerufen. Ein Reaktor des Atomkraftwerks Cernavoda sei abgeschaltet, teilte Ministerpräsident Ilie Bolojan am Freitag mit. Nun führe das Land Gespräche mit der Ukraine, Griechenland und Bulgarien, um in den abendlichen Spitzenzeiten Strom ‌zu importieren. Auch Frankreich hatte zuletzt bereits wegen niedriger Pegel und anhaltender Hitze mehrere Meiler abgeschaltet.Auch Mercedes-Werk in Kecskemet betroffenGroße Teile Europas sind von anhaltender Hitze und Dürre betroffen, ‌was die Pegelstände der Flüsse ‌sinken lässt und die Stromerzeugung gefährdet. In Ungarn führte der Regenmangel zudem zu Einschränkungen bei Schifffahrt und Tourismus sowie zur Rationierung von Wasser in mehr als 100 Städten und Dörfern. Die Wasserbehörde des Landes prognostizierte, dass der Pegel der Donau in den kommenden ‌Tagen weiter sinken werde.Die Regierung will große Stromverbraucher nun zu freiwilligen Einsparungen auffordern und bei Bedarf auch verbindliche Reduzierungen anordnen. Darüber werde man noch im Laufe des Tages entscheiden, erklärte Magyar. Die Energiekrise dürfte die ungarische Wirtschaft, die bereits stagniert, damit weiter belasten. Mehrere Industrieunternehmen, darunter die Autobauer Mercedes und Suzuki, kündigten deshalb an, in ihren Werken in Ungarn Strom zu sparen. Mercedes hat in seiner neuen Fabrik in Kecskemetab nächster Woche ohnehin eine dreiwöchige Produktionspause geplant.