Ungarn fährt sein einziges Atomkraftwerk Paks wegen des ​historischen Niedrigwassers der Donau erstmals seit fast einem halben Jahrhundert komplett herunter. „Wegen des weiter sinkenden Pegelstands der Donau wird der vorletzte Block des Atomkraftwerks ⁠Paks um ⁠01.30 Uhr abgeschaltet“, schrieb Ministerpräsident Péter Magyar (45) am Samstag auf Facebook. „Infolgedessen erzeugt das Kraftwerk nur noch 240 Megawatt Strom, und morgen (am Sonntag) wird es zum ‌ersten Mal seit 44 Jahren vollständig abgeschaltet.“

Das AKW Paks mit seinen vier Reaktorblöcken liegt etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest und bezieht sein Kühlwasser aus der Donau. Der Fluss hat an seinem Unterlauf stellenweise nur ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Wasserstands.Die ​Energiekrise könnte die ungarische ‌Wirtschaft, die bereits stagniert, weiter belasten. Die Mehrkosten für den Stromimport könnten sich auf 100 bis 200 Milliarden Forint (umgerechnet 315 bis 630 Millionen Dollar) belaufen.

Bei Bedarf verbindliche ReduzierungenDie Regierung will große Stromverbraucher zu freiwilligen Einsparungen auffordern ‌und bei Bedarf auch verbindliche Reduzierungen anordnen. „Die Haushalte werden als Letzte von den Beschränkungen betroffen sein“, sagte Magyar. Zudem soll der Güterverkehr ‌auf der Schiene zu Spitzenzeiten ​eingestellt und die Beleuchtung öffentlicher ‌Gebäude abgeschaltet werden. Angesichts der Wasserknappheit sagte der Regierungschef: „Jeder Tropfen Wasser ‌zählt.“ ​