Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger dringt trotz guter Zahlen der Deutschen Bahn auf weitere rasche Veränderungen bei dem Staatskonzern. Der CDU-Politiker und Verkehrsexperte will die Bahn „schneller besser“ machen, „auch was die Pünktlichkeitswerte anbelangt“, sagte er am Donnerstag. Bilger traf sich mit Evelyn Palla, der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, zu einem ersten Austausch. Deutsche Bahn und Verkehrsministerium wollten künftig enger zusammenarbeiten, hieß es.Die Deutsche Bahn hatte für die ersten sechs Monate dieses Jahres überraschend gute Geschäftszahlen vorgelegt. Offenbar machen sich die Kostensenkungen erstmals bemerkbar, außerdem war die Nachfrage nach Fahrkarten hoch. „Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen“, teilte Palla mit, die seit Oktober 2025 im Amt ist. „Aber ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt“, fügte sie an. Die Bahn liefere jetzt „Schritt für Schritt, was wir versprochen haben“.Die Zahl der Passagiere in den Zügen des Unternehmens stieg von Januar bis Juni auf rund 960 Millionen, 17 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Viele Menschen würden angesichts der hohen Spritpreise beim Pendel in die Arbeit auf Regionalzüge umsteigen, hieß es. Zudem haben die Kundinnen und Kunden verstärkt die Sonderangebote der Bahn genutzt. Bereits 600 000 Fahrgäste griffen demnach alleine beim neuen Last-Minute-Angebot zu, das Fahrten nach Verfügbarkeit von sieben Euro an ermöglicht. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist aber immer noch enttäuschend gering. Sie lag im ersten Halbjahr bei lediglich bei 59 Prozent und damit sogar noch unter dem Wert von 2025. Die durchschnittliche Auslastung der Fernzüge erreichte 46,7 Prozent, vor der Corona-Pandemie hatte sie bei mehr als 50 Prozent gelegen.„Es wird seine Zeit brauchen“, sagt der neue MinisterDas Konzernergebnis nach Steuern der Deutschen Bahn für das erste Halbjahr beträgt 147 Millionen Euro, in den Vorjahren hatte es jeweils hohe Verluste gegeben. Man erwarte auch für das Gesamtjahr schwarze Zahlen, teilte Palla nun mit. Grund für die Verbesserungen sind laut Bahn auch der Personalabbau in der Konzernleitung und bei internen Dienstleistern. Im Fernverkehr erreichte der operative Gewinn in den ersten sechs Monaten des Jahres 148 Millionen Euro. Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, kritisierte dennoch vor allem die nach wie vor geringe Pünktlichkeit. „Die Bahn ist weit davon entfernt, aus der Krise zu kommen“, sagte er.Die Güterverkehrssparte DB Cargo leidet zwar unter der schwachen Konjunktur, erreichte aber mit einem Minus von einer Million Euro fast die Gewinnzone. DB Cargo baut massiv Jobs ab, muss in diesem Jahr die Wende schaffen und profitabel werden, sonst droht die EU-Kommission mit einer Zerschlagung. Zudem wurde Rekordinvestitionen in das marode Schienennetz getätigt.CDU-Mann Bilger hatte erst in dieser Woche seinen Parteikollegen Patrick Schnieder als Bundesverkehrsminister abgelöst, Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zunächst einen anderen Nachfolger ausgewählt, der dann aber kurzfristig absagte. Bilger zeigte sich nun optimistisch, dass es gelingen werde, die Qualität von Straßen, Brücken und Schienenwegen mithilfe der geplanten Milliardeninvestitionen aus dem Sonderprogramm Infrastruktur und Klimaneutralität sichtbar zu erhöhen. Das allerdings werde nicht ohne Unannehmlichkeiten gehen. „Es wird seine Zeit brauchen. Gerade wenn wir jetzt viel in die Infrastruktur investieren, dann bedeutet das auch Baustellen. Das bedeutet Behinderungen. Das bedeutet im Bahnbereich dann auch leicht Verspätungen“, sagte er im ZDF.Deutsche Bahn:Was mehr Konkurrenz bei Fernstrecken den Kunden bringtNoch ist die Deutsche Bahn auf den ICE-Strecken in Deutschland quasi ein Monopolist. Doch nun soll es Wettbewerb geben. Geht das überhaupt? Und was heißt das für Reisende?Immerhin: Beim Einstand in seinem neuen Ministerium hatte Bilger am Mittwoch einen positiven Eindruck hinterlassen. Der CDU-Politiker war bereits von 2018 bis 2021 unter dem CSU-Mann Andreas Scheuer parlamentarischer Staatssekretär und ist mit der Behörde vertraut. Schnieder hingegen war intern wiederholt vorgeworfen worden, die Expertise des Hauses kaum zu nutzen und sich mit wenigen Vertrauten in seinem eigenen kleinen Kosmos zu bewegen.Die guten Zahlen der Bahn sind aber auch eine späte Genugtuung für den geschassten Verkehrsminister Schnieder. Er hatte seit Jahresbeginn gemeinsam mit Palla drei Sofortprogramme auf den Weg gebracht, mit denen der Komfort in Fernzügen, die Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen und die Kundenkommunikation verbessert werden sollten und die jetzt zu den gestiegenen Passagierzahlen beigetragen haben könnten. Auch der ADAC hatte der Bahn jüngst in einer Untersuchung eine gute Note für den Bereich Service und Komfort ausgestellt.
Deutsche Bahn: Der neue Verkehrsminister Bilger besteht auf mehr Pünktlichkeit
Die Deutsche Bahn befördert mehr Passagiere und macht erstmals seit Jahren wieder Gewinn. Bahn-Chefin Palla sieht das als Erfolg, Minister Steffen Bilger reicht das aber nicht.













