Bevor Abdul Ballout am Rande des Berliner Christopher Street Day eine Frau tötete und 29 weitere Menschen teils schwer verletzte, wollte er sich dem Islamischen Staat, kurz IS, anschließen. Zweimal versuchte der 21-Jährige mit libanesischen Wurzeln auszureisen. Beide Male scheiterte er. Ausgerechnet das könnte der Grund sein, warum seine Radikalisierung schließlich zu dem Attentat in Berlin führte.

In der Terrorismusforschung gibt es für Menschen wie Ballout einen eigenen Begriff: „frustrated travellers“. Gemeint sind Dschihadisten, die sich einer Terrororganisation wie dem IS anschließen wollten, daran jedoch scheiterten, weil Behörden sie stoppten, sie unterwegs festnahmen oder ihnen die Einreise verweigerten. Es handele sich zwar um eine vergleichsweise kleine, aber gefährliche Gruppe, erklärt Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project im Gespräch mit dieser Zeitung. Wer den Weg ins sogenannte Kalifat nicht schaffe, richte seine Gewalt häufig gegen Ziele im eigenen Land.

Ballout fügt sich präzise in dieses Schema ein. Im Mai 2025 verweigerten ihm mauretanische Behörden die Einreise. Wenig später flog er über die Türkei in den Libanon, um von dort nach Syrien zu gelangen. Ein libanesisches Militärgericht verurteilte ihn wegen seiner Kontakte zum IS zu drei Monaten Haft. Nach Verbüßung der Strafe musste er das Land verlassen. Als deutscher Staatsangehöriger kehrte er nach Deutschland zurück und wurde nach seiner Landung am Flughafen BER festgenommen.