Vor einigen Jahren stand ich mit meinem Großvater vor der neu errichteten Zentralmoschee in Köln. Er war in den Siebzigerjahren als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und hatte seinen Lebensabend später wieder in seiner Heimat verbracht. Nun blickte er beeindruckt auf die Kuppel und die hohen Minarette dieses Gebäudes im Herzen einer deutschen Großstadt. Ich klopfte ihm auf die Schulter. „Alles dank euch, Opa“, sagte ich. Mein Großvater wandte den Blick von der Moschee ab und sah mich an. Dann schüttelte er entschieden den Kopf. „Wir haben damit nichts zu tun, mein Junge.“ Er machte eine kurze Pause.„Wenn die Deutschen nicht so tolerant gewesen wären, würden wir noch heute in Hinterhöfen beten.“ Dann sagte er einen Satz, dessen Bedeutung ich damals noch nicht verstand: „Vergiss nie, ihnen dafür zu danken.“
Dankbarkeit für selbstverständliche Freiheit?
Diese Dankbarkeit war mir bis dahin fremd gewesen. Ich bin in einem Deutschland geboren und aufgewachsen, in dem Moscheen zum Stadtbild dazugehören. In dem ich ein Gotteshaus betreten, beten und mit Hunderten anderen Menschen das Freitagsgebet feiern kann. In dem ich gelernt habe, diese Freiheit für selbstverständlich zu halten.Und auch die Sicherheit, mit der sie einhergeht. Anders als in Pakistan, im Jemen, in Afghanistan oder Ägypten, wo Moscheen immer wieder zum Ziel innerislamischer, sektiererischer Gewalt werden, bin ich mit dem Vertrauen aufgewachsen, dass der deutsche Staat auch unsere Gotteshäuser schützt. Dass niemand um sein Leben fürchten muss, nur weil er gemeinsam mit anderen betet.Am vergangenen Samstag wurde diese Freiheit im Herzen Berlins angegriffen – nicht die Freiheit der Muslime, sondern die Freiheit queerer Menschen. Eine Frau wurde getötet, 29 Menschen wurden verletzt. Sie waren zum Christopher Street Day gekommen, um sichtbar zu sein, zu feiern und für ihre Rechte einzutreten. Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand gehen die Behörden von einem islamistischen Tatmotiv aus.










