Der Feinde stehe rechts, war immer das Mantra von queeren Funktionären. Die andere, konkrete Gefahr wollte man lange nicht wahrhaben.

Regenbogenfahne am Rathaus Schöneberg

Paul Langrock

I mmerhin war er ja da beim Gedenkgottesdienst in Berlin nach dem Terroranschlag islamistischen Hintergrunds auf den Berliner CSD: Friedrich Merz hätte es ja wie einst Helmut Kohl halten können, der 1993, nach einem rechtsextremistischen Brandanschlag in Solingen, einen Besuch der Terrorstätte mit der Begründung ablehnte, er wolle keinen „Beileidstourismus“. Merz’ Worte in Berlin standen trotzdem schief: Es war eben kein Anschlag auf alle, sondern einer auf eine queere öffentliche Manifestation, auf lesbische Frauen, schwule Männer und trans Menschen, die für diese ExtremistInnen offenbar eine Provokation gegen ihr religiöses Weltbild verkörpern.

Merz hätte es ausdrücklich sagen können: Der Anschlag galt nicht der Freiheit schlechthin, sondern der Freiheit von queeren Menschen. Dass der Kanzler immerhin versprach, alles zu tun, um Terror gegen Queers zu verhindern, spricht für seine politische Wachheit. Der CSD gehört eben auch konservativen und liberalen Menschen.