Herr Strohmann, Sie sollen im CDU-Bundesvorstand, an Friedrich Merz gerichtet, gesagt haben: „Sie leiten hier eine Partei und keine Firma.“ Was meinen Sie damit?Eine Partei funktioniert nicht, indem da einer vorn sitzt, einen Monolog hält und wir anschließend applaudieren. Der Vorsitzende muss zuhören und diskutieren. Ein Unternehmen hat Arbeitsverträge mit seinen Angestellten. Die CDU lebt von Ehrenamtlichen, von frei gewählten Abgeordneten. Die kann man nicht kommandieren. Auslöser meiner Äußerung im Bundesvorstand war die Reaktion von Herrn Merz auf die Wortmeldung von Sachsens Innenminister Armin Schuster.Worum ging es da?Armin Schuster hatte zu Recht bemängelt, dass die Ostdeutschen im Kabinett zu gering vertreten sind. Das ist eine Sache, die mich bei Herrn Merz schon lange ärgert. Er hört nicht auf unsere ostdeutschen Parteifreunde. Er führt die CDU rein westdeutsch, praktisch nur mit Parteifreunden aus Baden-Württemberg und NRW. Die CDU aber muss den Anspruch haben, eine gesamtdeutsche Volkspartei zu sein. Das tun wir nicht, und das hilft der AfD. Außerdem haben wir noch bei anderen Dingen versagt.Wo sehen Sie ein Versagen?Wir sind unserer Verantwortung für ganz Deutschland nicht gerecht geworden. Die CDU ist zu wenig auf die Ostdeutschen zugegangen, hat mit ihnen zu wenig geredet. Wir haben die deutsche Einheit formaljuristisch geregelt, uns aber um die Befindlichkeiten der Ostdeutschen zu wenig gekümmert. Das führte zu einem Machtvakuum, das erst die PDS/Linke füllte und nun die AfD.Wie hat der Kanzler auf Ihre Wortmeldung reagiert?Herr Merz war etwas konsterniert, er hatte das wohl nicht erwartet. Ich habe auch nicht geahnt, was ich damit ausgelöst habe. Ich schätze Friedrich Merz als Bundeskanzler. Seine Kommunikation als CDU-Chef aber ist ausbaufähig. Und seine Personalpolitik auch.Ich will nicht sagen, dass wir eine katastrophale Stimmung haben. Aber es geht schon in diese Richtung.Heiko Strohmann, CDU-Chef in BremenWie ist die Stimmung unter den CDU-Mitgliedern, an der sogenannten Basis?Ich will nicht sagen, dass wir eine katastrophale Stimmung haben. Aber es geht schon in diese Richtung. Viele Mitglieder sind unzufrieden mit dem Kanzler. Ich bekam sehr viele Rückmeldungen. Die meisten CDU-Mitglieder finden den Außenkanzler Merz gut, aber sie fühlen sich nicht mitgenommen. Er erklärt seine Politik zu wenig.Die Sache mit Jens Spahn hat bei uns viel Ärger ausgelöst. Die Sache mit der Leihmutterschaft geht gar nicht, traf tief ins Herz und die Seele der Partei. Er trat zu Recht zurück. Friedrich Merz ist mit der Sache Spahn unglücklich umgegangen. Das habe ich ihm im Vorstand gesagt. Ich sagte ihm: „Lieber Herr Bundeskanzler, Sie hätten, nachdem Jens Spahn Ihnen berichtet hat, wie er Vater wird, gleich die Alarmglocken läuten müssen. Stattdessen haben Sie die Kommunikation Spahn überlassen.“Worauf setzen Sie?Ich wünsche mir, dass Friedrich Merz in seinem Urlaub in sich geht. Wenn er dort zu dem Schluss kommt, dass Leute wie ich ein Stück Wahrheit ausgesprochen haben, wäre es schon gut. Von der Diskussion um einen Kanzlerwechsel halte ich nichts. Das ist Mumpitz.Bremen wählt im Frühjahr 2027. In Umfragen liegen Sie vor der SPD. Wie wollen Sie die über 80-jährige SPD-Herrschaft in Bremen knacken?Wir wollen eine andere Politik als der rot-grün-rote Senat. Unser Wahlkampf wird deutlich machen, dass wir in der aufgeblähten Sozialindustrie kürzen wollen. Es wird auch schmerzhafte Einschnitte geben. Die Bürger haben die Wahl: Wollen sie die CDU als stärkste Kraft oder wieder Rot-Grün-Rot?
Bremens CDU-Chef Heiko Strohmann: „Herr Merz war etwas konsterniert“
Heiko Strohmann hat den Kanzler im CDU-Bundesvorstand kritisiert. Kommunikation und Personalpolitik von Friedrich Merz hält er für „ausbaufähig“.












