Von Bayreuth aus gesehen, mag der Berliner Politikbetrieb von einer Götterdämmerung noch weit entfernt sein. Aber dass tatsächlich alles „seinen Gang gehen wird“ und in der kommenden Woche „dann alles erledigt“ ist, wie Markus Söder am Rande der Wagner-Festspiele prophezeite, erscheint so wahrscheinlich wie ein Auftritt Mick Jaggers in Bayreuth.Bisher zeigen zwar nur Christdemokraten aus der zweiten Reihe und sein Bruder Gordon öffentlich ein Herz für Patrick Schnieder. Aber das könnte sich ändern. Denn nach allem, was über die geplante, dann jedoch offenbar vorerst aufgeschobene Entlassung des Verkehrsministers bekannt wurde, erscheint Friedrich Merz’ Vorgehen ausgesprochen unprofessionell. Der bekannt gewordene Rückzieher seines Wunschnachfolgers im Verkehrsministerium macht die Sache nicht besser.Keine politische TugendNibelungentreue ist im Wagner-Kosmos eine Tugend, im Regierungsalltag eine Schwäche. Dass ein Kanzler einen Minister entlässt, wenn er mit dessen Amtsführung er unzufrieden ist, ist für sich genommen kein ungewöhnlicher Vorgang. Und es wäre unklug gewesen, den Verkehrsminister öffentlich anzuzählen oder alle Unionsabgeordneten vier Wochen vorher über die Entscheidung zu unterrichten.Der Kanzler müsste jedoch plausible Gründe für die Entlassung nennen. Sonst läuft er Gefahr, in Partei und Fraktion größeren Unmut zu provozieren. Schließlich müssen die Unionsabgeordneten in ihren Wahlkreisen erklären, warum Merz ausgerechnet Schnieder auswechseln will. Mit dem Finger auf das Chaos bei der Bahn und marode Autobahnbrücken zu zeigen, wird nicht reichen.In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Schnieder keineswegs als das schwarze Schaf in der Regierung. Allerdings ist er auch kein Zugpferd, sein Name ist kaum bekannt. Das muss noch nicht viel über seine fachliche Arbeit sagen, heißt jedoch: Die Personalie ist erklärungsbedürftig. Das hätte Merz wissen müssen. Ende August enden die Wagner-Festspiele. Das Ende der Merz-Festspiele ist noch offen.
Schnieder-Entlassung: Der Unmut dürfte nicht schnell verfliegen
Markus Söders Prophezeiung ist gewagt: Der Unmut über Merz’ Agieren in der Causa Patrick Schnieder dürfte in der kommenden Woche kaum verflogen sein.















