PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftNotizen aus der ProvinzDie neue Art fantastischer Hässlichkeit im LandStand: 07:42 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Traurigkeit des Lebens: In Buoch ist die Rutsche abgebautQuelle: Frédéric SchwildenWährend Sommergewitter übers Land ziehen, verlieren Menschen den Halt, Politiker jagen Skandalen hinterher und ein Spielplatz im Paradiesdorf Buoch verkommt zur Steinwüste. Unser Autor sucht im Provinzalltag nach den Wurzeln dieser neuen Hässlichkeit.Die Sommergewitter sind stärker als sonst in diesem Jahr. Der Regen peitscht durchs Land. Blitze schießen. Es donnert. Und donnert. Der Wind spaltet Bäume. Äste krachen. Und ich sitze im Trockenen im Remstal bei Stuttgart bei den Schwiegereltern. Es ist Abend. Der Strom fällt aus. Eine ganze Stunde lang. Und ich bin erschöpft von den Reisen und davon, dass alle immer verrückter werden.CDU-Politiker Jens Spahn ist über eine Leihmutterschaft und seine Doppelmoral gestolpert und verdientermaßen auf die Nase gefallen. Die ehemalige grüne Bundesministerin Renate Künast verbreitet die These, dass Jens Spahn und Hendrik Streeck mit ihren „tollen Genen“ eine „eigene Elite“ schaffen wollen. Der deutsche Liedermacher Danger Dan ist beleidigt, weil er einen Song, den viele als Gewaltaufruf verstehen, nicht in einer ZDF-Satire-Sendung spielen kann. Der Kabarettist Uwe Steimle macht Witze darüber, Friedrich Merz an die Wand zu stellen. Eine gute Bekannte lebt inzwischen in einer Welt aus Wahn, in der ihr alle Böses wollen. Ein anderer Bekannter ist seit 2020 in wiederkehrenden psychotischen Episoden. Er glaubt, die Polizei, ein Ministerpräsident und böse Mächte würden ihn überwachen und vernichten wollen. Und Finanzminister Lars Klingbeil will gegen Steuerhinterziehung vorgehen und sagt in einer selbst gedrehten Mockumentary: „Und dann sind die Rolex und der Porsche weg.“ Was Rolex-Trägerinnen und Genossinnen wie Nancy Faeser und Sawsan Chebli davon wohl halten? Jedenfalls, ich kann diesen Leuten nicht helfen.Lesen Sie auchAm Morgen nach dem Gewitter ist die Luft klar und feucht. Der Sturm ist vorbei. Und ich freue mich auf das Wochenende mit meiner Familie. Meine Tochter will auf den Spielplatz. Mein Sohn will Fußball spielen. Oben auf der Höhe, in Buoch, einem kleinen Ortsteil Remshaldens, diesem kleinen Stück Paradies in Schwaben, da ist die Welt noch in Ordnung, denke ich. Am Sonntag spielt der Musikverein. Es gibt Würste und Kartoffelsalat.Aber dann sehen wir die Neugestaltung des Spielplatzes. Die Rutsche ist auf einmal weg. Und sie haben riesige Steinklötze aufgebaut, an denen man sich dafür gut den Kopf stoßen kann. Meine Tochter ist nicht begeistert. Und mein Sohn ebenfalls. Sie skandieren lautstark revolutionäre Slogans wie: „Kinder wollen ihre Rutsche wieder!“ Sie starten eine zugegebenermaßen kleine – und wohl nicht von der Gemeindeverwaltung wahrgenommene – Demonstration.Lesen Sie auchIch habe keine Ahnung, was die Gemeindeverwaltung sich bei der Neugestaltung des Spielplatzes gedacht hat. Ich will es auch gar nicht wissen. Aber in letzter Zeit kommt es mir so vor, als herrsche eine neue Art fantastischer Hässlichkeit im ganzen Land.Lesen Sie auchIch glaube, das war nicht das letzte Gewitter in diesem Sommer. Ich glaube, dass noch viele kommen. Und auch kommen müssen. Das Totholz muss von den Bäumen fliegen. Neue Triebe müssen kommen. Der nächste Frühling wird es zeigen, ob es wieder blühen wird.Unser Autor Frédéric Schwilden berichtet in seinen „Notizen aus der Provinz“ regelmäßig über das Leben dort – vom Kürbisfest in Muggendorf bis zur Kartoffel-Döner-Bratwurst in Schleswig-Holstein.