Der andere BlickIslamisten führen seit vielen Jahren einen asymmetrischen Krieg gegen den freien Westen. Deutschland verschliesst noch immer die Augen davorWeder Ziel noch Tatwerkzeuge des Anschlags auf den Christopher Street Day in Berlin waren zufällig gewählt. Den Islamismus kann nur bekämpfen, wer ihn versteht.27.07.2026, 06.00 Uhr3 LeseminutenNach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day sichern Polizisten die Spuren.Maurizio Gambarini / ImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Len Sander, Redaktor NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Tag nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin konkurrierten zwei Interpretationen miteinander.Die eine benannte die islamistische Motivation der Tat als solche. Nicht nur Konservative und Liberale, auch einzelne Grüne wie der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir, schlossen sich dem unmissverständlich an und forderten politische Konsequenzen.In der anderen kam das I-Wort, wenn überhaupt, nur verschämt vor. Las man die floskelhaften Stellungnahmen von Linkspartei-Politikern oder der Grünen-Bundestagsfraktion, konnte man zu dem Eindruck gelangen, die Ideologie des Täters sei vollkommen unbekannt. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt schrieb auf X gar: «Unseren Hass bekommt ihr nicht!» Und der sozialdemokratische Queer-Beauftragte Berlins, Alfonso Pantisano, verstieg sich im RBB zu der verqueren Aussage, er zähle Islamisten zu den Rechten und Konservativen.Dass überhaupt noch jemand so daherredet – zehn Jahre nachdem der islamistische Terror irreversibel in die europäische Lebenswirklichkeit eingebrochen ist –, ist befremdlich.Mörderischer Hass auf HomosexuelleEs zeigt, wie massgebliche Teile der Linken die Realität verleugnen. Islamistische Regime und Gruppen zeichnen sich im Gegensatz zu deutschen Konservativen spezifisch durch eine mörderische Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen aus. Ob sunnitische Hamas oder schiitisches iranisches Regime, ob IS-Terrorist mit Schusswaffe im Schwulenklub in Orlando oder mit Messer in Dresden, regelmässig lassen Islamisten ihrem Hass gegen Homosexuelle freien Lauf, die sie als besonders verdorbene Symbole der westlichen Lebensweise verstehen.Auch die Werkzeuge des mutmasslichen Terroristen Abdul B., ein Minivan und eine Stichwaffe, rufen nicht zufällig ein Déjà-vu hervor. In den frühen 2010er Jahren rief die Hamas im Westjordanland dazu auf, israelische Soldaten und Zivilisten mit Autos zu rammen und mit herkömmlichen Messern zu attackieren, nachdem grössere Sprengstoffanschläge durch Sicherheitsvorkehrungen schwierig umzusetzen geworden waren. Die Terrorwelle taufte man «Messer-Intifada».Fahrzeuge und Stichwaffen gehören seither zu den beliebtesten Waffen im Arsenal des globalen Islamismus. Insbesondere der Islamische Staat (IS) nutzt sie immer wieder, etwa bei den verheerenden Anschlägen im Jahr 2016 in Nizza und am Berliner Breitscheidplatz. Solcherlei Tatwaffen hinterlassen verstörende Bilder und sind Ausdruck des Wunschs, die Opfer besonders zu demütigen.Die Waffenwahl der Islamisten ist überdies Mittel eines asymmetrischen Krieges, der sich bevorzugt gegen Homosexuelle und Juden, aber im Zweifel gegen alle «Ungläubigen» und den freien Westen als solchen richtet. Die islamistische Utopie bleibt – egal in welcher Schattierung – die Errichtung eines weltweiten Kalifats.Europäische Nachbarn machen es vorSo schrieb der IS, mit dem Abdul B. sympathisiert haben soll, in einer Publikation von 2016: «Wir führen Krieg gegen euch, um euch daran zu hindern, euren Unglauben und eure Zügellosigkeit zu verbreiten.» Der Grund, die westliche Welt zu hassen, falle erst weg, wenn sie den Islam annehme.Ganz richtig schrieb der christlichdemokratische Bundestagsabgeordnete am Sonntag auf X, der Westen weigere sich, die Kriegserklärung des Islamismus an ihn zu hören. Nur wer das Wesen des Islamismus erkannt hat, kann etwas gegen ihn unternehmen, wie Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigen.Österreich etwa verabschiedete schon 2015 ein Islamgesetz, das die Auslandsfinanzierung von Imamen unterbindet und Handhabe zur Auflösung extremistischer Vereinsstrukturen bietet. Auch die Anti-Separatismus-Politik Emmanuel Macrons in Frankreich, die gezielt die Bildung islamistischer Parallelgesellschaften bekämpft, und ähnliche Gesetze in Dänemark setzen genau hier an. Vorangetrieben wurden all diese Massnahmen übrigens von Regierungen der politischen Mitte.Ob diese Ansätze in Verbindung mit einer verschärften Migrationspolitik langfristig erfolgreich sind, muss sich noch erweisen. Dass man in Deutschland nicht einmal damit angefangen hat, hat man häufig mit dem eigenen Rechtsverständnis begründet, das sich etwa vom Laizismus Frankreichs stark unterscheidet.Das darf aber spätestens nach dem verheerenden Anschlag vom Wochenende keine Ausrede mehr sein. Deutschland muss seine eigenen, rechtsstaatlichen Wege finden, auf den asymmetrischen Krieg der Islamisten konsequent zu antworten.Passend zum Artikel
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Weder Ziel noch Tatwerkzeuge des Anschlags auf den Christopher Street Day in Berlin waren zufällig gewählt. Den Islamismus kann nur bekämpfen, wer ihn versteht.












