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Vera SprothenWas wir über den Anschlag am CSD wissenEin weißer Transportwagen ist gestern am späten Abend am Berliner Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. Der Christopher Street Day wurde daraufhin abgebrochen. Bundesinnenminister ​Alexander Dobrindt (CSU) spricht von einem islamistischen Anschlag. Eine Frau starb, mindestens 29 weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der Täter ist flüchtig. Die Polizei fahndet nach einem Verdächtigen, dem 21-jährigen Abdul B. Er soll aus dem islamistischen Milieu stammen. Nach Angaben des Bundesinnenministers hat der Täter nach dem Angriff mit dem Fahrzeug weitere Menschen »mit einer Stichwaffe, mit einer Hiebwaffe, mutmaßlich einer Machete« verletzt.Der Tatort ist weiträumig abgesperrt. Fahnder haben in der Nacht eine Wohnung in Schöneberg durchsucht. Die Polizei sucht nach Hinweisen. Zeugen können selbst aufgenommene Fotos oder Videos zum Tatgeschehen unter diesem Link hochladen. Anastasia TikhomirovaHunderte Hinweise bei Polizei eingegangenBis 16 Uhr sind 285 Hinweise im Hinweisportal der Polizei Berlin eingegangen. Das teilte diese auf Anfrage der ZEIT mit.Ivana SokolaMehrere Personen in GewahrsamDie Polizei hat nach dem Angriff am Rande des Christopher Street Day in Berlin mehrere Menschen in Gewahrsam genommen. Von Tatverdächtigen sprach Polizei-Sprecher Florian Nath laut der Nachrichtenagentur dpa dabei aber nicht. Dennoch sagte er: »Wir haben immer noch die Ermittlungshypothese, dass es nicht nur ein Tatverdächtiger sein könnte.«»Wir haben mehrere Personen, die wir natürlich im Zusammenhang mit dieser ganzen Tat befragt haben, die wir auch teilweise im Gewahrsam hatten, die wir im Gewahrsam haben«, sagte Nath. »Wir müssen diesen Personen aber konkrete Tatverdachtsmomente zuordnen. Wenn wir das nicht können, dann sind diese Personen nach Ablauf von 48 Stunden zu entlassen.«Ivana SokolaBundesanwaltschaft übernimmt ErmittlungenDie Bundesanwaltschaft wird die Ermittlungen zu dem Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) an. »Der Innenminister hat bereits mitgeteilt, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt. Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen«, sagte die SPD-Politikerin. »Natürlich werden wir die Verantwortlichen mit aller Härte verfolgen und dann auch vor ein Gericht stellen.« Noch ist die Berliner Generalstaatsanwaltschaft zuständig.Mehr dazu lesen Sie hier:Anastasia TikhomirovaMerz appelliert, sich nicht einschüchtern zu lassenBundeskanzler Friedrich Merz hat in einem Pressestatement kurz vor einem Gedenkgottesdienst dazu aufgerufen, sich durch »solche Taten« nicht einschüchtern zu lassen. Solche Taten hätten nur einen Zweck, sagte Merz. »Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit.«Er wolle den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: »Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.« Diese Straftäter und Extremisten hätten keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. »Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen«, sagte Merz. Man werde »die Freiheit, Offenheit, Liberalität unseres Lebens und unserer Gesellschaft« verteidigen.Merz sprach von einem islamistischen terroristischen Anschlag und kündigte Konsequenzen an, ohne dabei konkreter zu werden. »Wir werden nicht zulassen, dass das Gift des Terrorismus um sich greift in unserer Gesellschaft«, sagte der Kanzler.Anastasia TikhomirovaBundesopferbeauftragter bietet Hilfen nach CSD-AngriffDer Bundesopferbeauftragte Roland Weber hat Betreuung für Opfer und Angehörige des Anschlags in Aussicht gestellt. Er und sein Team würden in Berlin psychosoziale, praktische und finanzielle Hilfe an Betroffene vermitteln.Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, in deren Haus die Stelle des Bundesopferbeauftragten angesiedelt ist, zeigte sich erschüttert von der Tat. Anastasia TikhomirovaSchwerverletzte außer LebensgefahrDie Polizei hat mit Blick auf die Schwerverletzten Entwarnung gegeben. Sie seien nicht mehr in Lebensgefahr, sagte ein Sprecher der Polizei. Niemand der Verletzten in den Krankenhäusern sei momentan in einem kritischen lebensbedrohlichen Zustand. Henrik OerdingVerdächtiger soll seit Jahren als Gefährder bekannt seinDer flüchtige Tatverdächtige soll den deutschen Sicherheitsbehörden einem Bericht zufolge seit Jahren als islamistischer Gefährder bekannt sein. Abdul B. sei bereits als Jugendlicher in der islamistischen Szene Berlins aufgefallen und ab dem 16. Lebensjahr von Sicherheitsbehörden erfasst worden, berichten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR.Wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat sei B. im Mai 2026 zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, aber auf »Vorbewährung« entlassen worden. Er habe die Auflage erhalten, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen. Das Urteil ist dem Bericht zufolge noch nicht rechtskräftig.B. sei teilweise observiert worden, außerdem sei sein Telefon überwacht worden, berichtet der Rechercheverbund. Die Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein. Er soll versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen. Nach einem Hinweis deutscher Behörden sei B. im vergangenen Jahr im Libanon festgenommen und zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt worden.Die auf Extremismusprävention und Deradikalisierung spezialisierte Organisation Violence Prevention Network bestätigte der ARD, zwei Treffen mit B. abgehalten zu haben. Der Mann sei »nicht fassbar« und »undurchschaubar« gewesen, sagte Thomas Mücke, der Leiter der Organisation, dem ARD-Magazin Report Mainz. In dieser sogenannten Clearing-Phase sei geprüft worden, ob der Mann als Beratungsfall in Betracht komme. Das wäre abschließend erst in einem dritten Gespräch entschieden worden.Tilman SteffenTrauer im TiergartenIm Berliner Tiergarten zeigen viele Menschen ihre Anteilnahme. An Bäumen und Hinweisschildern stellen sie Blumen und Kerzen auf. Den Weg des Tatfahrzeugs zum Tatort hat die Polizei mittlerweile freigegeben. Am Tatort herrscht eine gedrückte Stimmung. Spaziergänger stehen an der Polizeiabsperrung. Journalisten machen Fotos. Der weiße Kleintransporter des Täters ist noch dort zu sehen, wo er an einem Baum zu stehen kam. Die Polizei sichert diesen Bereich ab. Farbig markiert sind gesicherte Spuren, und auch die Fahrt des Transporters durch den Park – teils durch Buschwerk entlang des Gehwegs – lässt sich nachvollziehen. Pia PackmohrSöder spricht von »Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes«Der Anschlag auf den CSD zielte nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder auf die freiheitlich demokratische Grundordnung in Deutschland. Es sei »ein bewusster Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes« gewesen, sagte der bayerische Ministerpräsident im ZDF-Sommerinterview. Dagegen müsse »mit aller Härte« vorgegangen werden. Besonders schlimm sei, dass der Anschlag auch den »Ausdruck von Lebensfreude, von Freiheit und von Toleranz« zum Ziel gehabt habe, sagte Söder. Mit Blick auf künftige Großveranstaltungen und Feste bleibe es dabei, dass diese zwar geschützt werden müssten – »aber wir dürfen uns deswegen nicht die gesamte Lebensfreude nehmen lassen«.Tilman Steffen»Von Trauer zu Wut, zu Widerstand!«Auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor haben sich mehr als 1.000 Menschen versammelt, um ihre Sympathie mit der queeren Community und ihre Trauer zu zeigen. Auf einer provisorischen Bühne performten Künstler und Künstlerinnen, Musik wurde gespielt. Ein Redner wandte sich gegen die Kürzung der Demokratieförderung und wies auf einen Widerspruch hin: Heute bekomme die Bewegung Sympathiebekundungen von Kräften, die sich vor Wochen komplett gegen sie gestellt hätten. Im Hinblick auf den Tatverdächtigen warnte er vor einem Generalverdacht: Islamismus sei nicht der Islam.Teilnehmende hielten ein großes Plakat in die Höhe: »Von Trauer zu Wut, zu Widerstand!«, ist darauf zu lesen.Konstantin ZimmermannAnschlag fand laut Wegner nicht auf dem offiziellen CSD-Gelände stattBerlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner hat in einem Pressestatement betont, dass sich der Anschlag auf den CSD abseits des offiziellen Festivalgeländes ereignet habe. Die Strecke des CSD sei nicht getroffen worden, »da ist der Täter nicht draufgekommen«, sagte Wegner. Doch rund 400 Meter weiter seien eben immer noch Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung unterwegs gewesen.Wegner sagte, Berlin habe gestern gezeigt, dass »Bunt die Farbe der Freiheit« sei, doch nach 22 Uhr sei es »sehr dunkel« geworden. Wie zuvor Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach er von einem islamistischen Terrorangriff – »ein Angriff auf die Art und Weise unseres Zusammenlebens«. Einsatzkräfte seien schnell vor Ort gewesen und hätten »vielleicht Schlimmeres verhindert«. Die Organisatoren des CSD hätten »sehr professionell« reagiert, die Veranstaltung sei sehr kontrolliert zum Abbruch gebracht worden.Um 15 Uhr wird der Berliner Senat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Zudem verwies Wegner auf den Trauergottesdienst in der Marienkirche.Maline HofmannTatverdächtiger saß nicht allein im FahrzeugDer Tatverdächtige Abdul B. saß nach Informationen der ZEIT mit einem anderen, etwas älteren Mann im Fahrzeug. Es soll sich um einen iranischen Staatsbürger handeln.Monika PilathDobrindt spricht von islamistischem Terroranschlag – Tatverdächtiger nutzte MacheteBundesinnenminister Alexander Dobrindt hat sich erschüttert über den Anschlag auf den Berliner CSD gezeigt. »Alles, was wir hier sehen, deutet darauf hin, dass wir es mit einem islamistischen Terroranschlag zu tun haben«, sagte der CSU-Politiker unweit des Tatorts im Berliner Tiergarten. Es gebe eine Tote sowie 29 Verletzte und Schwerverletzte. Der Tatverdächtige Abdul B. sei weiter flüchtig. Nach ihm werde mit Hochdruck gefahndet. Von dem 21-Jährigen gehe weiterhin Gefahr aus. Nach der Fahrt mit einem Transporter sei der Tatverdächtige mutmaßlich mit einer Machete auf weitere Menschen losgegangen und habe diese schwer verletzt, sagte Dobrindt. Der mutmaßliche Täter sei bereits in der Vergangenheit auffällig gewesen durch seine Zugehörigkeit zur islamistischen Szene und Straftaten. Eine Haftstrafe gegen Abdul B. von einem Jahr und zehn Monaten Haft sei zur Bewährung ausgesetzt gewesen. Die Staatsanwaltschaft habe dagegen Beschwerde eingelegt.Der Tatverdächtige sei 2005 in Deutschland geboren worden und deutscher Staatsbürger, sagte Dobrindt. Er habe libanesische Wurzeln. Seine Mutter sei im Jahr 2002 eingebürgert worden.Dobrindt dankte den Einsatzkräften. Er verwies darauf, dass der Tatort nicht zum offiziellen Festivalgelände gehört habe.Er erwarte, dass der Generalbundesanwalt die Übernahme des Falls auf Bundesebene noch im Laufe des Tages vorbereite, sagte Dobrindt. Maline HofmannJetzt live: Pressekonferenz zum Anschlag auf den CSDBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner äußern sich in einer Pressekonferenz zum Anschlag auf den Berliner CSD. Die Konferenz findet am Tatort im Tiergarten statt. Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel soll teilnehmen. Gegen 16.00 Uhr sind nach einer Sondersitzung des Senats Pressestatements am Roten Rathaus geplant.Verfolgen Sie die Pressekonferenz hier im Livestream:Mehr ladenTickarooLive Blog Software