Merz: „Wir sind mehr, wir sind stärker"Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach dem Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) dazu aufgerufen, sich durch solche Taten nicht einschüchtern zu lassen. „Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit“, sagte der CDU-Politiker in Berlin kurz vor einem Gedenkgottesdienst. „Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.“Auch er sprach von einem islamistischen Anschlag. Man werde nicht zulassen, dass „dieses Gift des Terrorismus und dieses Gift gegen unsere Freiheit“ weiter um sich greife. „Wir werden die Freiheit unserer Gesellschaft verteidigen. Darauf können sich alle verlassen“, betonte der Kanzler. „Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen.“ Das sei das Wichtigste in einer so schweren Stunde.Merz kündigte Konsequenzen an. „Diese Straftäter, diese Extremisten haben in der Mitte unserer Gesellschaft keinen Platz“, sagte er weiter. „Wir werden über Konsequenzen nachdenken und mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit entscheiden“, fügte Merz hinzu. Hier soll das Auto am Rande des CSD in die Menge gefahren sein. Polizei hat mehrere Personen in Gewahrsam genommenDie Polizei hat nach dem Angriff am Rande des Christopher Street Day in Berlin mehrere Menschen in Gewahrsam genommen. Von Tatverdächtigen sprach Polizei-Sprecher Florian Nath dabei aber nicht. Er sagte zugleich auch: „Wir haben immer noch die Ermittlungshypothese, dass es nicht nur ein Tatverdächtiger sein könnte.“Der Sprecher weiter: „Wir haben mehrere Personen, die wir natürlich im Zusammenhang mit dieser ganzen Tat befragt haben, die wir auch teilweise im Gewahrsam hatten, die wir im Gewahrsam haben“, sagte er. „Wir müssen diesen Personen aber konkrete Tatverdachtsmomente zuordnen. Wenn wir das nicht können, dann sind diese Personen nach Ablauf von 48 Stunden zu entlassen.“In dem betroffenen Bereich im Tiergarten war die Polizei am Nachmittag weiter mit der Tatortarbeit befasst. Derzeit werde das Fahrzeug, das zu dem Angriff genutzt wurde, von einem Unfallgutachter akribisch untersucht, sagte Polizei-Sprecher Nath am Nachmittag. Die Mordkommission habe hier sozusagen die Federführung der Ermittlungen. „Wir sind die ganze Zeit dabei, Spuren zu analysieren und dann tatsächlich auch diese Spuren aneinanderzulegen, um nachher ein komplettes Tatbild, einen Tathergang rekonstruieren zu können und den dann auch gerichtsfest beweisen zu können“, sagte Nath. Bei dem Angriff scheine eine Hieb- oder Stichwaffe eingesetzt worden zu sein. „Das ist von Zeugen hier auch bestätigt worden. Das ist aber auch Bestandteil unserer Ermittlungen, jetzt genau zu verifizieren, was für eine Stich- oder Hiebwaffe ist hier eingesetzt worden, wie ist das Verletzungsmuster bei denjenigen, die hier die Opfer, die Geschädigten sind.“ Bundesanwaltschaft übernimmt die ErmittlungenDie Bundesanwaltschaft wird die Ermittlungen zu dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig an. „Der Innenminister hat bereits mitgeteilt, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt. Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen“, sagte die SPD-Politikerin. „Natürlich werden wir die Verantwortlichen mit aller Härte verfolgen und dann auch vor ein Gericht stellen.“ Noch ist die Berliner Generalstaatsanwaltschaft zuständig.Der Generalbundesanwalt ist die oberste Anklagebehörde in Deutschland. Er ist unter anderem zuständig für Fälle von islamistisch motiviertem Terrorismus. Zudem kann er solche mit besonderer Bedeutung an sich ziehen. Was über den mutmaßlichen Täter bekannt istBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) hat Abdul Ballout als Tatverdächtigen genannt. Bereits am Morgen hat die Polizei ein Fahndungsfoto des 21 Jahre alten Mannes veröffentlicht. Der Verdächtige wird als schlank und etwa 1,90 Meter groß beschrieben. Laut Dobrindt sei Ballout schon in der Vergangenheit „durch ein hohes Maß an Straftaten" „auffällig“ geworden. Der mutmaßliche Täter wurde demnach 2005 in Deutschland geboren und ist deutscher Staatsbürger. Er habe einen libanesischen Hintergrund, seine Mutter sei 2002 in Deutschland eingebürgert worden. Ballout habe sich den Erkenntnissen zufolge radikalisiert und gehöre der islamistischen Szene an. Mehrere Medien berichteten von Sympathien für die Terrormiliz „Islamischer Staat".Der mutmaßliche Täter ist flüchtig, die Polizei in Berlin fahndet nach ihm. Auch die Bundespolizei ist bundesweit im Einsatz, an Bahnhöfen, Flughäfen und an den Grenzen. Sein konkretes Motiv ist nicht abschließend geklärt. Zwar deutet laut Innenminister alles auf einen islamistischen Terroranschlag hin. Doch der genaue Zusammenhang zwischen dieser Einstufung und der Tat ist nicht geklärt.Nach Behördenangaben ist bislang auch unklar, ob der gesuchte Verdächtige Ballout tatsächlich das Tatfahrzeug gesteuert hat. Nach Zeugenaussagen gibt es unterschiedliche Angaben dazu, ob ein einzelner oder mehrere Täter beteiligt waren. Die genaue Täterzahl ist daher noch ungeklärt. Hatte der Tatverdächtige einen Beifahrer?Der Rundfunk Berlin-Brandenburg und „Die Zeit“ berichten übereinstimmend, im Auto des Tatverdächtigen habe ein Beifahrer gesessen. Er soll demnach iranischer Staatsbürger sein.Die queere Community will sich nicht einschüchtern lassen – auch aus Mainz sendet sie eine klare Botschaft: Bundesweite Fahndung nach Verdächtigem Nach dem Berliner Tatverdächtigen wird bundesweit gefahndet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach bei einem Statement von einem „großen Käfteeinsatz“ von Polizei und Bundespolizei. Das betreffe nicht nur Berlin, sondern auch Bahnhöfe und Flughäfen in ganz Deutschland sowie die Grenzen. Dobrindt: Wohl islamistischer Terror Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Day treten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Tatort im Berliner Tiergarten vor die Presse.Zunächst spricht Dobrindt. Alles deute darauf hin, „dass wir es mit einem islamistischen Terroranschlag zu tun haben“, sagt der Bundesminister. Und: „Wir wissen, dass der Tatverdächtige Abdul Ballout flüchtig ist.“ Der mutmaßliche Täter sei 2005 als deutscher Staatsbürger in Deutschland geboren und habe einen libanesischen Hintergrund. Seine Mutter sei 2002 eingebürgert worden. Dobrindt erwähnt eine Vorstrafe: Der Verdächtige sei in der Vergangenheit zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Die Verurteilung sei auf Bewährung ausgesetzt worden. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Medien hatten berichtet, der Verdächtige sei erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden.Am Samstagabend habe der Verdächtige nicht nur ein Auto als Tatwaffe benutzt, er sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen, sagt Dobrindt. Bei dem Anschlag sei eine Frau gestorben. Zudem seien 29 Menschen verletzt worden, manche davon schwer. Die Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen würden nun überprüft. Dazu sei der Bund bereits in Gesprächen mit den Ländern.Der Regierende Bürgermeister Wegner sagt anschließend, die Hauptstadt habe am Samstag beim Christopher Street Day „einmal mehr gezeigt, dass Berlin die Stadt der Freiheit“ sei. Dann habe der Anschlag den CSD abrupt beendet. „Nach 22 Uhr wurde es dunkel. Sehr, sehr dunkel.“ Seine Gedanken seien bei den Opfern und jenen, die am Anschlagsort waren. Wegner richtet seinen Dank an die Einsatzkräfte, die „sofort funktioniert haben“. Mit Blick auf die Anschlagsgefahr bei Großveranstaltungen in Deutschland sagt er: „Damit muss Schluss sein.“Vier Patienten entlassenDie Charité hat einen Überblick zum Zustand der von ihr versorgten Patienten gegeben. „Die Charité hat gestern Nacht acht auf dem CSD verletzte Menschen versorgt, vier konnten inzwischen entlassen werden“, schrieb ein Sprecher des Klinikums. Vier weitere Patienten werden ihm zufolge aktuell auf Intensivstationen behandelt. Es bestehe „zum jetzigen Zeitpunkt keine Lebensgefahr“. Trauer und Anteilnahme: In der Nähe des Tatorts legen Passanten Blumen in Gedenken an die Opfer nieder.Dobrindt tritt vor die PresseBundesinnenminister Alexander Dobrindt, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel geben um 13 Uhr am Tatort im Tiergarten Pressestatements ab. Gegen 16 Uhr sind nach einer Sondersitzung des Senats Pressestatements am Roten Rathaus geplant. Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sowie Staatsanwaltschaft und Polizei haben angekündigt, am späten Nachmittag oder frühen Abend über die Ermittlungen zu informieren.Klöckner ordnet Trauerbeflaggung für Bundestag an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat wegen des Angriffs Trauerbeflaggung auf halbmast für den Bundestag angeordnet. Sie sei zutiefst erschüttert, erklärte die CDU-Politikerin. „Wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstehen, greift die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an, der tritt die Menschenwürde mit Füßen“, so Klöckner. Die Verfassung schütze das Recht, frei und ohne Angst zu leben und für die eigenen Überzeugungen einzutreten, betonte die Bundestagspräsidentin. „Wir treten daher jenen entschlossen entgegen, die unsere Freiheit und unsere Art zu leben mit Terror beantworten. Fanatismus, Terror und Hass dürfen in unserem Land niemals Raum gewinnen.“ Ihre Gedanken seien bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese schreckliche Tat miterleben mussten. Polizisten durchsuchen Wohnung Nach dem Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days durchsuchen Polizisten das Gebiet rund um den Wagen, der in eine Menschenmenge gefahren ist. Die Polizisten sammelten sich zunächst vor dem Gebiet im Tiergarten und starteten kurz nach 11 Uhr mit der Suchaktion. Wie verschiedene Medien berichten, durchsuchten die Einsatzkräfte die Wohnung des Tatverdächtigen in der Straße Bissingzeile, die nicht so weit weg vom Anschlagsort entfernt liegt.Einsätze liefen auch an Bahnhöfen in der Hauptstadt, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. „Natürlich laufen unsere Maßnahmen auf Hochtouren und in alle Richtungen.“ Die Beamten schalteten auch ein Hinweisportal und ein Hinweistelefon frei. Bei den Einsätzen an Bahnhöfen gingen die Einsatzkräfte unter anderem Hinweisen nach, sagte der Sprecher. „Wir sind mittendrin in den wirklich umfassenden Maßnahmen.“Die Behörden fahnden nach dem Angriff vom späten Samstagabend nach dem 21 Jahre alten Abdul B., der im Verdacht steht, mit einem Van mehr als ein Dutzend Menschen angefahren zu haben. Eine Frau wurde so schwer verletzt, dass sie starb. Der Verdächtige sei polizeibekannt und werde der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet, teilte ein Polizeisprecher mit.Mehr ladenTickarooLive Blog Software
Liveticker zu Anschlag auf CSD: Bundeskanzler Merz: „Lassen Sie sich nicht einschüchtern“ | FAZ
Merz: Werden über Konsequenzen mit Entschlossenheit entscheiden +++ Mehrere Personen in Polizeigewahrsam +++ Bundesinnenminister: Alles deutet auf „islamistischen Terroranschlag“ hin +++ alle Entwicklungen im Liveblog










